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MAGICK IN THEORIE UND PRAXIS

 

Aleister Crowley

Einleitung

 

"Magie ist die Höchste, Unumschränkteste und Göttlichste Kenntnis der Naturphilosophie, fortschrittlich in ihren Arbeiten und wundervollen Operationen durch ein richtiges Verstehen der inneren und okkulten Tugend der Dinge; so dass, wenn wahre Mittel auf den rechten Patienten angewendet werden, dadurch seltsame und bewundernswerte Wirkungen hervorgerufen werden. Daher sind Magier gründliche und fleißige Erforscher der Natur; wegen ihres erlernten Geschicks verstehen Sie es, wie eine Wirkung vorhergewusst werden kann, was dem gewöhnlichen Menschen wie ein Wunder erscheinen soll."

Die Goetia des Legemeton des König Salomon.

"Wo auch immer sympathische Magie in ihrer reinen unverfälschten Form vorkommt, ist vorausgesetzt, dass in der Natur ein Ereignis notwendig und unveränderlich auf ein anderes folgt, ohne die Vermittlung durch irgendeinen geistigen oder persönlichen Agenten.
So ist ihre fundamentale Konzeption identisch mit der der modernen Wissenschaft; dem ganzen System liegt ein Vertrauen, unbedingt aber wirklich und fest, in die Ordnung und Gleich-

förmigkeit der Natur zugrunde. Der Magier bezweifelt nicht, dass dieselben Ursachen immer dieselben Wirkungen hervorbringen werden, dass die Durchführung der passenden Zeremonie, begleitet vom angemessenen Zauberspruch, unweigerlich die gewünschten Ergebnisse nach sich ziehen wird, wenn nicht in der Tat seine Beschwörungen zufällig durch den stärkeren Reiz eines anderen Zauberers entgegnet und vereitelt werden sollten.
Er fleht keine höhere Kraft an: er ersucht die Gunst keines wankelmütigen und launischen Wesens: er erniedrigt sich vor keiner ekelhaften Gottheit. Dennoch ist seine Kraft, so groß er sie auch glaubt, keineswegs willkürlich und unbegrenzt. Er kann sie nur solange kontrolliert ausüben, wie er sich strikt nach den Regeln seiner Kunst oder nach dem, was die Naturgesetze genannt werden mag, wie er sie aussinnt, richtet. Die Vernachlässigung
dieser Regeln, diese Gesetze in der kleinsten Einzelheit zu brechen, heißt sich Misserfolg zuzuziehen, und mag den ungeschickten Praktiker selbst sogar der größten Gefahr aussetzen. Wenn er eine Herrschaft über die Natur beansprucht, ist es eine konstitutionelle
Herrschaft, streng limitiert in ihrem Spielraum und ausgeübt in exakter Übereinstimmung mit altem Brauch. So ist die Entsprechung von magischen und wissenschaftlichen Konzeptionen der Welt groß. In beiden ist die Abfolge der Ereignisse vollkommen regelmäßig und sicher, indem sie durch unwandelbare Gesetze bestimmt wird, deren Operation präzise vorhergesehen und berechnet werden kann; die Elemente der Laune, des
Glücks und des Zufalls sind aus dem Lauf der Natur verbannt. Beide eröffnen eine scheinbar endlose Perspektive von Möglichkeiten für den, der die Ursachen der Dinge kennt und die
geheimen Quellen berühren kann, die den riesigen und verzwickten Mechanismus der Welt in Bewegung setzen. Daher die starke Anziehung, die Magie ebenso wie Wissenschaft auf das menschliche Bewusstsein ausgeübt haben; daher der kraftvolle Stimulus, den beide der Verfolgung der Kenntnis gegeben haben. Sie ködern den müden Forscher, den erlahmenden Sucher weiter durch die Wildnis der Enttäuschungen der Gegenwart mit ihren endlosen Versprechungen für die Zukunft: Sie führen ihn hinauf auf den Gipfel eines überragend hohen Berges und zeigen ihm jenseits der dunklen Wolken und wogenden Nebel zu seinen Füßen eine Vision der himmlischen Stadt, weit entfernt mag sie sein, aber erstrahlend in unirdischem Glanz und gebadet im Lichte der Träume."
Dr. J.G. FRAZER, Der goldene Zweig

"Soweit deshalb wie die öffentliche Berufung der Magie eine der Straßen gewesen ist, über die die Menschen zur höchsten Kraft gelangten, steuerte sie dazu bei, die Menschheit vom Sklavendienst gegenüber der Tradition zu emanzipieren und sie zu einem
umfassenderen, freieren Leben, mit einem weiteren Ausblick über die Welt, zu erheben. Das ist kein geringer Dienst, der der Menschheit erwiesen wurde. Und wenn wir ferner erinnern, dass in anderer Richtung Magie den Weg für Wissenschaft gebahnt hat, sind wir gezwungen, einzugestehen, dass, wenn die schwarze Kunst viel Böses getan hat, sie ebenso die Quelle für viel Gutes gewesen ist; dass sie, wenn sie das Kind des Irrtums ist, sie dennoch die Mutter von Freiheit und Wahrheit gewesen ist."
ibid.

"Prüfe alle Dinge; halt fest das, was gut ist."

Paulus

"Ebenso die Mantras und Zaubersprüche; das Obeah und das Wanga; die Arbeit des Stabes und die Arbeit des Schwertes: diese soll er lernen und lehren.
"Er muss lehren; aber er mag streng machen die Drangsale.
"Das Wort des Gesetzes ist QELHMA."

LIBER AL vel xxxi: Das Buch des Gesetzes.

Dieses Buch ist für
ALLE:

für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind.
Meine frühere Arbeit wurde missverstanden und ihr Spielraum war durch meinen Gebrauch technischer Ausdrücke begrenzt. Sie hat nur zu viele Dillestanten und Exzentriker angezogen, Schwächlinge, die in "Magie" eine Flucht vor der Realität suchen. Ich selbst
wurde zuerst auf diese Art bewusst zu dem Thema hingezogen. Und sie hat nur zu viele wissenschaftliche und praktische Gemüter, solche wie ich am meisten beschloss zu beeinflussen, abgestoßen.


Aber MAGICK ist für ALLE.

Ich habe dieses Buch geschrieben, um dem Bankier, dem Boxer, dem Biologen, dem Poeten, dem Seemann, dem Kolonial- warenhändler, dem Fabrikmädchen, dem Mathematiker, dem Stenographen, dem Golfspieler, der Ehefrau, dem Konsul - und dem ganzen Rest - zu helfen, sich selbst vollkommen zu erfüllen, jeder in seiner oder ihrer eigenen passenden Funktion.
Lass mich in einigen wenigen Worten erklären, wie es dazu kam, dass ich das Wort
MAGICK

auf das Banner gravierte, das ich mein ganzes Leben vor mir getragen habe.
Noch bevor ich in meine Teenagerzeit kam, war ich mir bereits bewusst, dass ich DAS BIEST war, dessen Zahl 666 ist. Ich verstand nicht im geringsten, was dies bedeutete; es war ein leidenschaftlich ekstatisches Empfinden von Identität.
In meinem dritten Jahr in Cambridge weihte ich mich selbst bewusst dem Großen Werk.
Ich verstand darunter das Werk, ein Spirituelles Wesen zu werden, frei von den Zwängen, Zufällen und Täuschungen der materiellen Existenz.
Es mangelte mir an einem Namen, um meine Arbeit zu bezeichnen, genauso wie H.P.
Blavatsky einige Jahre früher. "Theosophie", "Spiritualismus", "Okkultismus", "Mystizismus"
schlossen alle unerwünschten Konnotationen ein.
Ich wählte deshalb den Namen
"MAGICK"

als wesentlich den feinsten und tatsächlich den verrufensten aller verfügbaren Ausdrücke.
Ich schwor
MAGICK

zu rehabilitieren, sie mit meiner eigenen Karriere zu identifizieren; und die Menschheit zu zwingen, das zu respektieren, zu lieben und darin zu vertrauen, was sie verachtete, haßte und fürchtete. Ich habe mein Wort gehalten.
Aber nun ist für mich die Zeit gekommen, mein Banner in das dichte Gedränge des menschlichen Lebens zu tragen.

Ich muss MAGICK zum wesentlichen Faktor im Leben von ALLEN machen.


Mit der Darbietung dieses Buches an die Welt, muss ich dann meine Position erklären und rechtfertigen, indem ich eine Definition von MAGICK formuliere und ihre Hauptprinzipien auf solchem Wege vorstelle, dass ALLE augenblicklich verstehen mögen, dass ihre Seelen, ihre Leben, in jeder Beziehung zu jedem anderen menschlichen Leben und jedem Umstand von MAGICK abhängen, sowie dem richtigen Begreifen und der richtigen Anwendung dessen.


I. DEFINITION


MAGICK

ist die Wissenschaft und Kunst der Verursachung von Veränderung, um in Übereinstimmung mit dem Willen vorzukommen.
(Illustration: Es ist mein Wille, die Welt über bestimmte Fakten aus meiner Kenntnis zu informieren. Deshalb nehme ich "magische Waffen", Stift, Tinte und Papier; ich schreibe "Beschwörungen" - diese Sätze - in der "magischen Sprache", d.h. in der, die von den Leuten verstanden wird, die ich unterrichten möchte. Ich rufe "Geister" hervor, solche wie Drucker, Verleger, Buchhändler usw. und zwinge sie, jenen Leuten meine Botschaft zu bringen. Die
Zusammenstellung und Verteilung dieses Buches ist so ein Akt der MAGICK durch welchen ich Veränderungen verursache, um in Übereinstimmung mit meinem Willen stattzufinden.)


II. POSTULAT

JEGLICHE erforderliche Veränderung kann durch die Anwendung der passenden Art und des passenden Grades von Gewalt in der passenden Weise durch das passende Medium auf das passende Objekt bewirkt werden.
(Illustration: Ich wünsche, eine Unze Goldchlorid herzustellen. Ich muss die richtige Art Säure, Königswasser und keine andere, in genügender Menge und von angemessener Stärke nehmen und sie in ein Gefäß geben, das weder bricht, leckt noch verätzt, in solcher
Weise, wie es keine unerwünschten Ergebnisse hervorbringt, mit der notwendigen Menge Gold: und so weiter. Jede Veränderung hat ihre eigenen Bedingungen.
Beim gegenwärtigen Stand unserer Kenntnis und unserer Kraft sind einige Veränderungen in der Praxis nicht möglich; wir können zum Beispiel keine Finsternisse hervorrufen oder Blei in Zinn transformieren oder Menschen aus Pilzen erschaffen. Aber es
ist theoretisch möglich, in jeglichem Objekt jegliche Veränderung zu verursachen, zu der das Objekt naturgemäß imstande ist; und die Bedingungen werden durch das obige Postulat abgedeckt.)


III. THEOREME

(1) Jede absichtliche Tat ist eine Magische Tat.
(Illustration: siehe "Definition" oben.)

(2) Jede erfolgreiche Tat hat sich dem Postulat angepasst.

(3) Jeder Misserfolg beweist, dass eine oder mehr Erforderlichkeiten des Postulates nicht erfüllt wurden.
(Illustrationen: Es mag misslingen, den Fall zu verstehen; wie wenn ein Doktor eine falsche Diagnose macht und seine Behandlung seinem Patienten schadet. Es mag misslingen, die richtige Art von Gewalt anzuwenden, wie wenn ein Bauer versucht, ein elektrisches Licht auszublasen. Es mag misslingen, den richtigen Grad von Gewalt anzuwenden, wie wenn ein Ringer seinen Griff abbricht. Es mag misslingen, die Gewalt in der richtigen Weise anzuwenden, wie wenn man einen Scheck am falschen Bankschalter einreicht. Es mag misslingen, das richtige Medium zu verwenden, wie als Leonardo da Vinci sein Meisterstück verblassen sah. Die Gewalt mag auf ein ungeeignetes Objekt angewendet werden, wie wenn man versucht, einen Stein zu knacken, da man ihn für eine Nuss hält.)

(4) Das erste Erfordernis, um irgendeine Veränderung zu verursachen, ist gründliches qualitatives und quantitatives Verstehen der Bedingungen.
(Illustration: Die am weitesten verbreitete Ursache für Misserfolg im Leben ist die Unkenntnis seines eigenen Wahren Willens oder der Mittel, durch die dieser Wille zu erfüllen ist. Ein Mensch mag sich einbilden, ein Maler zu sein, und sein Leben verschwenden, indem er versucht einer zu werden; oder er mag wirklich ein Maler sein und dennoch darin versagen, die Schwierigkeiten, die dieser Karriere eigentümlich sind, zu verstehen und zu ermessen.)

(5) Das zweite Erfordernis, um irgendeine Veränderung zu verursachen, ist die praktische Fähigkeit, die notwendigen Gewalten in richtige Bewegung zu versetzen.
(Illustration: Ein Bankier mag eine gegebene Situation völlig im Griff haben, dennoch fehlt die Qualität der Entscheidung oder die Aktiva, die notwendig sind, um daraus Vorteile zu ziehen.)

(6) "Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern". Das heißt, jedes menschliche Wesen ist der essentiellen Natur nach ein unabhängi- ges Individuum mit seinem eigenen passenden Charakter und seiner eigenen passenden Bewegung.

(7) Jeder Mann und jede Frau hat eine Laufbahn, die teilweise von dem Selbst und teilweise von der Umgebung, die für jeden natürlich und notwendig ist, abhängt. Jeder, der gezwungen ist, von seiner eigenen Laufbahn abzuweichen, entweder dadurch, dass er
sich selbst nicht versteht, oder durch äußere Widerstände, kommt mit der Ordnung des Universums in Konflikt und leidet ent- sprechend.
(Illustration: Ein Mensch mag es für seine Pflicht halten, in einer bestimmten Weise zu handeln, indem er sich ein Fantasiebild seiner selbst gemacht hat, anstatt seine tatsächliche Natur zu erforschen. Eine Frau zum Beispiel mag sich selbst ihr ganzes Leben ver- miesen, weil sie denkt, dass sie Liebe gesellschaftlicher Achtung vorzieht oder umgekehrt. Eine Frau mag vielleicht mit einem unsympathischen Ehemann leben, wenn sie auch wirklich in einer
Dachstube mit einem Geliebten glücklich wäre, während sich eine andere sich närrisch in eine romantische Flucht stürzt, wenn auch ihre wahren Freuden darin liegen, leitende Aufgaben der Lebensart auszuführen. Weiter mag der Instinkt eines Jungen ihm sagen, dass
er zur See gehen solle, während seine Eltern darauf bestehen, dass er ein Doktor wird. In solch einem Fall wird er beides werden, sowohl erfolglos als auch unglücklich mit der Medizin.)

(8) Ein Mensch, dessen bewusster Wille mit seinem Wahren Willen entzweit ist, verschwendet seine Stärke. Er kann nicht hoffen, seine Umgebung wirksam zu beeinflussen.
(Illustration: Wenn in einer Nation der Bürgerkrieg wütet, ist sie nicht in der Lage, die Invasion anderer Länder zu unternehmen. Ein Mensch mit Krebs verwendet seine Ernährung gleichermaßen zu seinem eigenen Nutzen und zu dem des Feindes, der Teil seiner selbst ist. Er versagt bald darin, dem Druck seiner Umgebung zu widerstehen. Im praktischen Leben wird ein Mann, der etwas tut, wovon sein Gewissen ihm sagt, daß es falsch ist, es sehr ungeschickt tun. Zuerst!)

(9) Einem Menschen, der seinen Wahren Willen tut, hat die Trägheit des Universums zu seiner Unterstützung.
(Illustration: Das erste Prinzip des Erfolges in der Evolution ist, dass das Individuum seiner eigenen Natur treu sein und sich gleichzeitig seiner Umgebung anpassen sollte.)

(10) Die Natur ist ein kontinuierliches Phänomen, wenn wir auch durchaus nicht in allen Fällen wissen, wie die Dinge verbunden sind.
(Illustration: Die menschliche Bewusstheit hängt von den Eigenschaften des Protoplasma ab, dessen Existenz wiederum von unzähligen physikalischen Bedingungen, die diesem Planeten eigentümlich sind, abhängt; und dieser Planet ist durch die mechanische Balance des ganzen Universums der Materie determiniert. Wir können dann sagen, dass unsere Bewusstheit ursächlich mit den entferntesten Galaxien verbunden ist; dennoch wissen wir nicht einmal, wie es aus - oder mit - den molekularen Veränderungen im Gehirn entsteht.)

(11) Wissenschaft befähigt uns, aus der Kontinuität der Natur durch die empirische Anwendung bestimmter Prinzipien, deren Zusammenspiel unterschiedliche Arten von Ideen einbezieht, die miteinander in einer Weise verbunden sind, die jenseits unseres
gegenwärtigen Begriffsvermögens liegt, Vorteil zu ziehen.
(Illustration: Wir sind fähig, große Städte nach Daumen-Regel- Methoden auszuleuchten.
Wir wissen nicht, was Bewusstheit ist oder wie es mit muskulärer Handlung verbunden ist; was Elektrizität ist oder wie sie mit den Maschinen, die sie erzeugen, verbunden ist. Und unsere Methoden hängen von Berechnungen ab, die mathematische Ideen einschließen, die in dem Universum, wie wir es kennen, keine Entsprechung haben. )

(12) Der Mensch kennt die Natur seiner eigenen Existenz und Kräfte nicht. Sogar seine Vorstellung von seinen Grenzen basiert auf Erfahrungen der Vergangenheit, und jeder Schritt in seinem Fortschritt dehnt sein Reich aus. Es gibt deshalb keinen Grund, dem, was er sein mag oder tun mag, theoretische Grenzen zuzuweisen.
(Illustration: Noch eine Generation vorher wurde es als theoretisch unmöglich angenommen, dass der Mensch jemals die chemische Zusammensetzung der Fixsterne kennen sollte. Es ist bekannt, dass unsere Sinne angepasst sind, nur einen infinitesimalen Bruchteil der möglichen Schwingungsraten zu empfangen. Moderne Instrumente haben uns befähigt, einige der übersinnlichen durch indirekte Methoden zu entdecken und sogar ihrer eigentümlichen Qualitäten im Dienste des Menschen zu nutzen, wie im Falle der Strahlen
von Hertz und Röntgen. Wie Tyndall sagte, der Mensch mag jeden Moment lernen, Schwingungen aller denkbaren und undenkbaren Arten wahrzunehmen und zu benutzen.
Die Frage der Magick ist eine Frage der Entdeckung und Verwendung bisher ungekannter Gewalten der Natur. Wir wissen, dass sie existieren, und wir können die Möglichkeit mentaler oder physikalischer Instrumente, die in der Lage sind, uns mit ihnen in Beziehung zu bringen, nicht bezweifeln.)

(13) Jeder Mensch ist sich mehr oder weniger bewusst, dass seine Individualität verschiedene Ordnungen der Existenz in sich fasst, selbst wenn er behauptet, daß seine feineren Prinzipien nur symptomatisch sind für die Veränderungen in seinem groben
Gefährt. Es mag angenommen werden, dass sich eine ähnliche Ordnung durch die ganze Natur erstreckt.
(Illustration: Man bringt den Schmerz von Zahnschmerzen nicht mit der Verfaulung, die sie verursacht, durcheinander. Unbelebte Gegenstände sind für bestimmte physikalische Gewalten empfänglich, solche wie Elektrische- und Wärmeleiter; aber weder in uns noch in ihnen gibt es - soweit wir wissen - irgendeine direkte bewusste Wahrnehmung dieser Gewalten. Nicht-wahrnehmbare Einflüsse sind deshalb mit allen materiellen Phänomenen verbunden; und es gibt keinen Grund, warum wir nicht durch diese feinen Energien auf Materie einwirken sollten, wie wir es durch ihre materielle Grundlage tun. Tatsächlich gebrauchen wir Magnetkraft, um Eisen zu bewegen, und Sonnenstrahlen, um Bilder zu reproduzieren.)

(14) Der Mensch ist fähig, jegliches, was er wahrnimmt, zu sein und zu benutzen, denn alles, was er wahrnimmt, ist in einem bestimmten Sinne ein Teil seiner Existenz. Er mag also das ganze Universum, dessen er sich bewusst ist, seinem individuellen Willen
unterwerfen.
(Illustration: Der Mensch hat die Idee von Gott benutzt, um sein persönliches Betragen zu diktieren, Macht über seine Gefährten zu erlangen, seine Verbrechen zu entschuldigen und für unzählige andere Zwecke, eingeschlossen den, sich selbst als Gott zu realisieren. Er hat die irrationalen und unwirklichen Konzeptionen der Mathematik benutzt, um ihm bei der Konstruktion mechanischer Vorrichtungen zu helfen. Er hat seine moralische Gewalt benutzt, um sogar die Handlungen wilder Tiere zu beeinflussen. Er hat poetischen Genius für politische Zwecke verwendet.)

(15) Jede Gewalt im Universum kann unter Benutzung der geeigneten Mittel in jegliche andere Art von Gewalt transformiert werden. Es gibt deshalb eine unerschöpfliche Versorgung mit jeglicher speziellen Art von Gewalt, die wir brauchen mögen.
(Illustration: Hitze kann, indem sie dazu benutzt wird, Dynamos anzutreiben, in Licht und Strom transformiert werden. Die Schwingungen der Luft können dazu benutzt werden, Menschen zu töten, indem man sie in Sprache so anordnet, dass kriegerische Leidenschaften entflammt werden. Die Halluzinationen, die mit den mysteriösen Energien des Sex verbunden werden, resultieren im Fortbestehen der Spezies.)

(16) Die Anwendung irgendeiner gegebenen Gewalt wirkt auf all die Ordnungen des Seins ein, die in dem Objekt existieren, auf das sie angewendet wird, auf welche jener Ordnungen auch immer direkt eingewirkt wird.

(Illustration: Wenn ich einen Menschen mit einem Dolch steche, wird durch meine Tat auf seine Bewusstheit, nicht nur auf seinen Körper, eingewirkt; obwohl der Dolch, als solcher, keine direkte Beziehung dazu hat. Ähnlich mag die Kraft meines Denkens so auf
das Bewusstsein einer anderen Person wirken, als produziere sie weitreichende physische Veränderungen in ihm oder in anderen durch ihn.)

(17) Ein Mensch mag lernen, jegliche Gewalt so zu gebrauchen, dass sie jeglichem Zweck dient, indem er aus den obigen Theoremen Vorteil zieht.
(Illustration: Ein Mensch mag ein Rasiermesser gebrauchen, um sich selbst für seine Sprache wachsam zu machen, indem er es benutzt, um sich, immer wenn er unachtsam ein ausgewähltes Wort ausspricht, zu schneiden. Er mag demselben Zweck dienen, indem er beschließt, dass jedes Ereignis seines Lebens ihn an eine besondere Sache erinnern soll, und jeden Eindruck zum Ausgangspunkt einer verbundenen Serie von Gedanken macht, die in dieser Sache enden. Er mag ebenso seine ganzen Energien einem speziellen Gegenstand widmen, indem er beschließt, nichts in Uneinigkeit damit zu tun und jede Tat zum Vorteil dieses Gegenstandes zu wenden.)

(18) Er mag jede Gewalt des Universums anziehen, indem er sich selbst zu einem passenden Behälter für sie macht, eine Verbindung mit ihr einrichtet und Bedingungen so arrangiert, dass ihre Natur sie zwingt, auf ihn zu zu fließen.
(Illustration: Wenn ich reines Wasser trinken will, grabe ich an einem Ort, wo Grundwasser ist, einen Brunnen aus; ich hindere es daran wegzufließen; und ich arrangiere so, dass ich Vorteil aus der Übereinstimmung des Wassers mit den Gesetzen der Hydrostatik
ziehe, um ihn zu füllen.)

(19) Des Menschen Selbstverständnis als getrennt vom und entgegengesetzt zum Universum ist eine Schranke für sein Leiten seiner Ströme. Es isoliert ihn.
(Illustration: Ein populärer Führer ist am erfolgreichsten, wenn er sich selbst vergißt und nur an "Die Sache" denkt. Selbst-Suche gebiert Eifersucht und Spaltung. Wenn die Organe des Körpers ihre Anwesenheit anders als durch schweigende Zufriedenheit behaupten, so ist das ein Zeichen, dass sie krank sind. Die einzige Ausnahme ist das Organ der Reproduktion.
Aber sogar in diesem Fall zeugt seine Selbstbehauptung von seiner Unzufriedenheit mit sich selbst, da es seine Funktion nicht erfüllen kann, bis es durch sein Gegenstück in einem anderen Organismus vervollständigt wird.)

(20) Der Mensch kann nur die Gewalten anziehen und verwenden, zu denen er wirklich paßt.
(Illustration: Du kannst aus einem Schweineohr keine seidene Börse machen. Ein wahrer Wissenschaftler lernt aus jedem Phänomen. Aber für den Heuchler ist die Natur stumm; denn in ihr gibt es nichts falsches. )

(21) In der Essenz gibt es keine Grenze für das Ausmaß der Beziehungen irgendeines Menschen zum Universum; denn sobald ein Mensch sich mit irgendeiner Idee eins macht, hören die Mittel der Messung auf zu existieren. Aber seine Kraft, diese Gewalt nutzbar zu machen, ist durch seine mentale Kraft und Kapazität und durch die Umstände seiner menschlichen Umgebung begrenzt.
(Illustration: Wenn ein Mensch sich verliebt, wird die ganze Welt für ihn nichts als Liebe, grenzenlos und immanent; aber sein mystischer Zustand ist nicht ansteckend; seine Mitmenschen sind entweder amüsiert oder verärgert. Er kann die Wirkung, die seine Liebe auf ihn selbst gehabt hatte, nur mittels seiner mentalen und physischen Qualitäten auf andere ausdehnen. So machten Catull, Dante und Swinburne ihre Liebe durch die Tugend ihrer Kraft, ihre Gedanken in musikalischer und beredter Sprache auf ein Thema zu
bringen, zu einem mächtigen Beweger der Menschheit. Cleopatra und andere Menschen wiederum verformten mit Autorität die Schicksale vieler anderer Leute, indem sie der Liebe erlaubten, ihre politischen Handlungen zu beeinflussen. Der Magier, wie erfolgreich auch immer er darin ist, eine Verbindung zu den geheimen Quellen der Energie der Natur herzustellen, kann sie nur in dem Ausmaß gebrauchen, das seine intellektuellen und
moralischen Qualitäten zulassen. Mohammeds Verkehr mit Gabriel war nur wegen seiner staatsmännischen Fähigkeit, seines Soldatengeistes und der Feinheit seiner Beherrschung des Arabischen wirksam. Hertz Entdeckung der Strahlen, die wir jetzt für drahtlose Telegraphie benutzen, war fruchtlos, bis sie durch das Bewusstsein und den Willen der Leute reflektiert wurde, die seine Wahrheit aufnehmen und mittels mechanischer und wirtschaftlicher Instrumente in die Welt der Handlung übertragen konnten.)

(22) Jedes Individuum ist sich selbst essentiell genüge. Aber es ist unzufrieden mit sich, bis es sich selbst in seiner richtigen Beziehung zum Universum errichtet hat.
(Illustration: Ein Mikroskop, wie perfekt auch immer, ist in den Händen von Wilden nutzlos. Ein Poet, wie fein auch immer, muss sich selbst über seine Generation hintergehen, wenn er sich erfreuen (und sogar verstehen) soll, was theoretisch der Fall sein sollte.)

(23) Magick ist die Wissenschaft, sich selbst und seine Bedingungen zu verstehen. Sie ist die Kunst, dieses Verstehen in Handlung anzuwenden.
(Illustration: Ein Golfschläger ist dafür bestimmt, einen speziellen Ball in einer speziellen Art unter speziellen Umständen zu bewegen. Ein Niblick sollte kaum am Abschlag benutzt werden oder ein Brassie unter dem Rand eines Bunkers. Aber ebenso verlangt der
Gebrauch eines jeden Schlägers Geschick und Erfahrung.)

(24) Jeder Mensch hat ein unbestreitbares Recht, zu sein, was er ist.
(Illustration: Darauf zu bestehen, dass sich irgendjemand anderer den eigenen Normen fügen soll, heißt nicht nur ihm, sondern sich selbst Gewalt anzutun, weil beide Parteien gleichermaßen aus Notwendigkeit geboren sind.)

(25) Jeder Mensch muss jedes Mal, wenn er handelt oder auch nur denkt, Magick betreiben, da ein Gedanke eine innere Tat ist, deren Einfluss letztendlich die Handlung anzieht, auch wenn sie es zu der Zeit nicht so tun mag.
(Illustration: Die geringste Gebärde verursacht eine Veränderung in eines Menschen eigenem Körper und in der Luft um ihn herum; sie stört das Gleichgewicht des ganzen Universums, und ihre Wirkungen setzen sich ewig durch allen Raum fort. Jeder Gedanke,
wie schnell auch immer unterdrückt, hat seine Wirkung auf das Bewusstsein. Er steht als einer der Gründe für jeden nachfolgenden Gedanken und neigt dazu, jede nachfolgende Handlung zu beeinflussen. Ein Golfspieler mag einige wenige Meter mit seinem Schlag verlieren, ein paar mehr bei seinem zweiten und dritten, er mag auf dem Grün liegen, bloße sechs Inches zu weit vom Loch, aber das Gesamtresultat dieser geringen Missgeschicke ist
der Unterschied eines ganzen Schlages und so wahrscheinlich zwischen dem Halten und dem Verlieren des Loches.)

(26) Jeder Mensch hat ein Recht, das Recht der Selbsterhaltung, sich selbst zum Äußersten zu erfüllen.
(Illustration: Eine unvollkommen ausgeübte Funktion schädigt nicht nur sich selbst, sondern alles, was damit verbunden ist. Wenn das Herz aus Angst, die Leber zu stören, sich fürchtet zu schlagen, leidet die Leber an Blutmangel und rächt sich am Herzen durch
Umsturz der Verdauung, was die Atmung in Unordnung bringt, von der das Wohl des Herzens abhängt.)

(27) Jeder Mensch sollte Magick zum Grundton seines Lebens machen. Er sollte ihre Gesetze lernen und danach leben.
(Illustration: Der Bankier sollte die wirkliche Bedeutung seiner Existenz entdecken, das wirkliche Motiv, das ihn dazu führte, diesen Beruf zu wählen. Er sollte die Tätigkeit eines Bankiers als einen notwendigen Faktor in der wirtschaftlichen Existenz der Menschheit verstehen, anstatt als bloß ein Geschäft, dessen Gegenstände von der allgemeinen Wohlfahrt unabhängig sind. Er sollte lernen, falsche Werte von wirklichen zu unterscheiden und nicht nach aktuellen Schwankungen, sondern nach Erwägungen von essentieller Wichtigkeit zu handeln. Solch ein Bankier wird sich anderen als überlegen erweisen; denn er wird nicht ein durch vergängliche Dinge begrenztes Individuum sein, sondern eine Naturgewalt, so unpersönlich, unparteiisch und ewig wie Gravitation, so geduldig und unwiderstehlich wie die Gezeiten. Sein System wird ebenso wenig der Panik unterliegen, wie das Gesetz der inversen Quadrate durch Wahlen gestört wird. Er wird wegen seiner Angelegenheiten nicht ängstlich sein, weil sie nicht seine sein werden; und aus diesem Grund wird er fähig sein, sie mit der Ruhe und dem klarköpfigen Vertrauen eines Zuschauers zu leiten, mit Intelligenz, die nicht von Eigeninteresse umwölkt wird, und mit Kraft, die nicht von Leidenschaften beeinträchtigt wird.)

(28) Jeder Mensch hat das Recht, seinen eigenen Willen zu erfüllen, ohne zu fürchten, dass er den von anderen stören mag; denn wenn er an seinem passenden Platz ist, ist es der Fehler anderer, wenn sie sich von ihm stören lassen.
(Illustration: Wenn ein Mensch wie Napoleon tatsächlich vom Schicksal dazu ausersehen wäre, Europa zu kontrollieren, sollte er nicht dafür getadelt werden, dass er seine Rechte ausübt. Sich ihm entgegenzustellen wäre ein Irrtum. Jeder, der das tut, beginge einen
Fehler wie gegenüber seinem eigenen Schicksal, außer insoweit, als es für ihn notwendig sein könnte, die Lektionen der Niederlage zu lernen. Die Sonne bewegt sich ohne Störung im Raum. Die Ordnung der Natur sieht für jeden Stern eine Bahn vor. Ein Zusammenstoß beweist, dass der eine oder der andere von seiner Bahn gestrauchelt ist. Aber für jeden Menschen, der seine wahre Laufbahn einhält, gilt, je standhafter er handelt, desto unwahrscheinlicher ist es für andere, dass sie ihm in den Weg kommen. Sein Beispiel wird ihnen helfen, ihre eigenen Pfade zu finden und sie zu verfolgen. Jeder Mensch, der ein Magier wird, hilft anderen, es ebenso zu tun. Je standhafter und sicherer Menschen sich bewegen, und je mehr solche Handlung als die Norm der Moral akzeptiert wird, desto weniger werden Streit und Verwirrung die Menschheit behindern.)

Ich hoffe, dass die obigen Prinzipien ALLEN demonstrieren werden, dass ihr Wohlergehen, ihre besondere Existenz in MAGICK eingebunden ist.


Ich vertraue darin, dass sie nicht nur die Vernünftigkeit, sondern die Notwendigkeit der fundamentalen Wahrheit verstehen werden, für die Ich das Mittel war, sie der Menschheit zu gegeben:
"Tuet was Ihr wollt, soll sein das Ganze von dem Gesetz."
Ich vertraue darin, dass sie sich als individuell unumschränkt behaupten werden, dass sie die Tatsache begreifen, dass es ihr Recht ist, sich zu behaupten und die Aufgabe zu vollenden, für die ihre Natur sie passend macht. Ja, mehr, dass dies ihre Pflicht ist, und das nicht nur sich selbst sondern auch anderen gegenüber, eine Pflicht, auf universaler Notwendigkeit begründet, nicht wegen irgendwelcher zufälligen Umstände des Momentes, die solches Betragen scheinbar in das Licht von Ungelegenheit oder sogar Grausamkeit stellen mögen, zu umgehen.
Ich hoffe, dass die oben ausgeführten Prinzipien ihnen helfen werden, dieses Buch zu verstehen, und sie davor bewahren, durch die mehr oder weniger technische Sprache, in der es geschrieben ist, von seinem Studium abgeschreckt zu werden.
Die Essenz von
MAGICK

ist mit aller Gewissenhaftigkeit einfach genug. Mit der Kunst des Regierens ist es nicht anders. Das Ziel ist einfach Wohlergehen; aber die Theorie ist verwickelt und die Praxis voller Dornen.
In der gleichen Art ist MAGICK bloß zu sein und zu tun.

Ich sollte hinzufügen: "zu erdulden". Denn Magick ist das Verb;
und es ist Teil des Trainings, die passive Stimme zu gebrauchen. Dies ist jedoch eher eine Angelegenheit der Initiation als der Magick in ihrem gewöhnlichen Sinne. Es ist nicht meine Schuld, wenn das Sein vereitelt und Tun verzweifelt ist!
Doch sind die obigen Prinzipien einmal fest im Bewusstsein fixiert, ist es leicht genug, die Situation in Kürze zusammenzufassen. Man muss für sich selbst herausfinden und sich über allen Zweifel hinaus versichern, wer man ist, was man ist, warum man ist. Dies getan, mag man den Willen, der in dem "Warum" miteinbegriffen ist, in Worte oder eher in Ein Wort fassen. Ist man sich so der passenden Laufbahn, die zu verfolgen ist, bewusst, besteht die nächste Sache darin, die Bedingungen, die notwendig sind, um ihn auszuführen, zu
verstehen. Danach muss man aus sich selbst jedes Element eliminieren, das dem Erfolg
fremd oder feindlich ist, und jene Teile von sich selbst entwickeln, die besonders zur Kontrolle der vorherbesagten Bedingungen benötigt werden.
Lasst uns eine Analogie erstellen. Eine Nation muss sich ihres eigenen Charakters bewusst werden, bevor man von ihr sagen kann, dass sie existiert. Aus dieser Kenntnis muss sie ihr
Schicksal weissagen. Sie muss dann die politischen Bedingungen der Welt erwägen; wie andere Länder ihr helfen oder sie behindern können. Sie muss dann in sich selbst jegliche Elemente zerstören, die mit ihrem Schicksal nicht übereinstimmen. Schließlich muss sie in sich selbst jene Qualitäten entwickeln, die sie befähigen werden, erfolgreich die äußeren Bedingungen zu bekämpfen, die drohen, sich ihrem Zweck entgegenzustellen. Wir hatten kürzlich ein Beispiel im Fall des jungen Deutschen Reiches, das sich selbst und seinen Willen kennend, sich disziplinierte und trainierte, so dass es die Nachbarn eroberte, die es so viele Jahrhunderte unterdrückt hatten. Aber nach 1866 und 1870, 1914! Es missverstand sich
als übermenschlich, es wollte eine unmögliche Sache, es versagte darin, seine eigenen internen Eifersüchteleien zu eliminieren, es versagte darin, die Bedingungen des Sieges zu verstehen, es trainierte sich nicht darin, die See zu halten und so, nachdem es jedes Prinzip der MAGICK verletzt hatte, wurde es durch Provinzialismus und Demokratie herabgezogen und in Stücke zerbrochen, so dass weder individuelle Vortrefflichkeit noch bürgerliche Tugend bis jetzt genützt haben, um es wieder zu jener majestätischen Einheit zu erheben, die so kühn ein Gebot für die Herrschaft über das Menschengeschlecht machte.
Der aufrichtige Student wird hinter den symbolischen Technisierungen dieses Buches eine praktische Methode entdecken, sich selbst zu einem Magier zu machen. Die
beschriebenen Vorgänge werden ihn befähigen, dazwischen zu unterscheiden, was er tatsächlich ist und wie er sich sich selbst gerne vorgestellt hat zu sein. Er muss seiner Seele in all ihrer ekelhaften Nacktheit gewahr werden, er darf sich nicht fürchten, auf diese erschreckende Wirklichkeit zu blicken. Er muss die bunten Gewänder, mit denen seine Scham ihn abschirmte, ablegen; er muss die Tatsache akzeptieren, dass nichts ihn zu irgendetwas außer dem, was er ist, machen kann. Er mag sich selbst belügen, sich mit Drogen betäuben, sich verstecken; aber er ist immer da. Magick wird ihn lehren, dass sein Bewusstsein ihn verrät. Es ist, als erzähle man einem Menschen, dass des Schneiders Mode- Entwürfe der Kanon menschlicher Schönheit seien, so dass er versuchte, sich formlos und charakterlos wie sie zu machen und mit Horror vor der Idee erschauert, dass Holbein ein Portrait von ihm macht. Magick wird ihm die Schönheit und Majestät des Selbst zeigen, das er zu unterdrücken und zu verkleiden versuchte.
Wenn er seine Identität entdeckt hat, wird er bald seinen Zweck wahrnehmen. Ein weiterer Vorgang wird ihm zeigen, wie dieser Zweck rein und kraftvoll zu machen ist. Er mag dann lernen, wie er seine Umgebung einzuschätzen hat, lernen, wie man Verbündete
gewinnt, wie man sich zur Vorherrschaft gegenüber allen Kräften bringt, deren Irrtum sie veranlasst hat, über seinen Pfad zu schweifen.
Im Laufe dieses Trainings wird er lernen, die verborgenen Mysterien der Natur zu erforschen und neue Sinne und Fähigkeiten in sich selbst zu entwickeln, wodurch er mit Wesen und Kräften kommunizieren und sie kontrollieren mag, die Ordnungen der Existenz angehören, welche bisher gewöhnlicher Forschung unzugänglich und nur der unwissenschaftlichen und empirischen
MAGICK (der Tradition) verfügbar waren, die zu zerstören ich kam, auf dass ich erfüllen möge.
Ich sende dieses Buch in die Welt, damit jeder Mann und jede Frau das Leben in der passenden Weise in den Griff bekommen kann. Es ist egal, ob jemandes gegenwärtiges fleischliches Haus die Hütte eines Schafhirten ist; durch die Tugend meiner MAGICK soll er solch ein Schafhirte sein, wie es David war. Wenn es das Studio eines Bildhauers sei, so soll er den Marmor von sich meißeln, der seine Idee verhüllt, daß er kein geringerer Meister als Rodin sein soll.
Zum Zeugnis meine Hand:
TO MEGA QHRION (TTNvyrt): Das Biest 666; MAGUS 9* = 2* A*A*; der das Wort des
Äons THELEMA ist; dessen Name in der Stadt der Pyramiden V.V.V.V.V. 8* = 3*, A*A*
lautet; OU MH 7* = 4*; OL SONUF VAORESAGI 6* = 5* und ..... ..... 5* = 6* A*A* im Berge
von Abiegnus: aber FRATER PERDURABO im äußeren Orden oder der A*A* und in der
Welt der Menschen auf der Erde Aleister Crowley vom Trinity College, Cambridge.

 

 

MAGICK IN THEORIE UND PRAXIS

 

Aleister Crowley

Kapitel 0

 

Die Magische Theorie des Universums

Es gibt drei Haupttheorien des Universums: Dualismus, Monismus und Nihilismus. Es ist unmöglich, in einem gemeinverständlichen Handbuch dieser Art in eine Diskussion ihrer relativen Vorzüge einzusteigen. Sie mögen in Erdmanns "Geschichte der Philosophie" und ähnlichen Abhandlungen studiert werden.
Alle werden in der Theorie, die wir jetzt vorstellen, versöhnt und vereinigt. Die Basis dieser Harmonie ist in Crowleys "Berashith" gegeben - welches nachgeschlagen werden sollte.
Der unendliche Raum wird die Göttin NUIT genannt, während der unendlich kleine und atomische, dennoch allgegenwärtige Punkt HADIT genannt wird. Diese sind nicht-manifest. Eine Konjunktion dieser Unendlichkeiten wird RA-HOOR-KHUIT genannt, eine
Einheit, die alle Dinge einschließt und anführt. (Es gibt ebenso eine besondere Natur von Ihm, unter bestimmten Bedingungen, solchen, wie sie seit dem Frühling 1904 e.v. erlangt wurden) Diese tiefe mystische Konzeption basiert auf tatsächlicher spiritueller Erfahrung,
aber die trainierte Vernunft kann durch die Methode der logischen Kontradiktion, die in Transzendenz der Vernunft selbst endet, eine Reflexion dieser Idee erreichen. Der Leser sollte "Der Soldat und der Bucklige" in Equinox I, 1 und "Konx Om Pax" nachschlagen.
Einheit transzendiert Bewußtheit. Sie ist über aller Teilung. Der Vater des Denkens - das Wort - wird Chaos genannt - die Dyade. Die Zahl Drei, die Mutter, wird Babalon genannt.
Damit in Verbindung sollte der Leser "The Tempel of Solomon the King" in Der Equinox I,5 und Liber 418 studieren.
Die erste Triade ist essentiell Einheit, in einer Art, die die Vernunft transzendiert. Das Begreifen dieser Dreiheit ist eine Angelegenheit spiritueller Erfahrung. Alle wahren Götter werden dieser Dreiheit zugeschrieben.
Ein unermeßlicher Abyss teilt sie von allen Manifestationen der Vernunft oder der niederen Qualitäten des Menschen. In der ultimaten Analyse der Vernunft finden wir alle Vernunft mit diesem Abyss identifiziert. Dennoch ist dieser Abyss die Krone des
Bewußtsein. Rein intellektuelle Fähigkeiten gehören alle hierhin. Dieser Abyss hat keine Zahl, denn in ihm ist alles Verwirrung.
Unterhalb dieses Abyss finden wir die moralischen Qualitäten des Menschen, wovon das sechs sind. Die höchste wird mit der Zahl Vier symbolisiert. Ihre Natur ist väterlich ; Gnade und Autorität sind die Attribute ihrer Würde.
Die Zahl Fünf wird gegen sie balanciert. Die Attribute der Fünf sind Energie und Gerechtigkeit. Vier und Fünf wiederum werden in der Zahl Sechs kombiniert und harmonisiert, deren Natur Schönheit und Harmonie ist, Sterblichkeit und Unsterblichkeit.
In der Zahl Sieben wird wieder die weibliche Natur vorherrschend, aber es ist der maskuline Typ des Weiblichen, die Amazone, die in der Zahl Acht durch den weiblichen Typ des Männlichen balanciert wird.
In der Zahl Neun erreichen wir die letzte der rein mentalen Qualitäten. Sie identifiziert Wechsel mit Stabilität.
Das Pendant zu diesem sechsfaltigen System ist die Zahl Zehn , die die ganze Materie, wie wir sie durch die Sinne kennen, einschließt.
Es ist unmöglich, die vollständige Konzeption hier gründlich zu erklären; denn es kann nicht zu klar verstanden werden, daß dies eine Klassifikation des Universums ist, daß es nichts gibt, das nicht darin inbegriffen ist. Der Artikel über die Qabalah in Vol. I, 5 vom Equinox ist das Beste, was zu diesem
Thema geschrieben wurde. Er sollte in Verbindung mit den qabalistischen Diagrammen in No. II und III aus "Der Tempel des König Solomon" eingehend studiert werden.
Das ist eine grobe und elementare Skizze dieses Systems.
Die Formel des Tetragrammaton ist für den praktischen Magier die wichtigste. Hier Jod =
2, He = 3, Vau = 4 zu 9, End-Hé = 10.
Die Zahl Zwei repräsentiert Jod, die Göttliche oder Archetypische Welt, und die Zahl Eins wird nur durch die Zerstörung des Gottes und des Magiers in Samadhi erreicht. Die Welt der Engel ist unter den Zahlen Vier bis Neun und die der Geister unter der Zahl Zehn. All diese Zahlen sind natürlich Teile des Magiers selbst, als Mikrokosmos betrachteten. Der Mikrokosmos ist ein genaues Bild des Makrokosmos; das Große Werk ist das Erheben des ganzen Menschen, in vollkommener Balance, zur Kraft der Unendlichkeit.
Der Leser wird bemerken, daß jede gegen die Magische Hierarchie gerichtete Kritik nichtig ist. Man kann sie nicht inkorrekt nennen - die einzige Linie, die man verfolgen kann, wär, daß sie unbequem sei. In der gleichen Weise kann man nicht sagen, daß das römische Alphabet besser oder schlechter ist als das griechische, da alle erforderlichen Klänge in jedem von beiden mehr oder weniger befriedigend dargestellt werden können; dennoch wurden beide Alphabete, als es zu dem Versuch des phonetischen Druckes orientalischer Sprachen kam, als so wenig befriedigend befunden, daß das Alphabet durch den Gebrauch
von Kursivzeichen und anderen diakritischen Markierungen erweitert werden mußte. In der selben Weise wurde unser magisches Alphabet der Sephiroth und der Pfade (gleichsam
zweiunddreißig Buchstaben) in die Vier Welten ausgehnt, die den vier Buchstaben des Namens yhvh entsprechen; und es wurde vorausgesetzt, daß jede Sephira einen selbstständigen Baum des Lebens beinhaltet. So erhalten wir vierhundert anstelle der ursprünglichen zehn Sephiroth, und die Pfade sind entsprechender Vervielfältigungen oder eher der Unterteilung fähig, die Zahl wird immernoch weiter ausgedehnt. Natürlich könnte dieser Prozeß unendlich fortgesetzt werden, ohne das ursprüngliche System zu zerstören.
Die Apologie dieses System ist, daß unsere reinsten Konzeptionen in Mathematik symbolisiert werden. "Gott ist der Große Arithmetiker". "Gott ist der Große Geometer". Es ist deshalb das Beste, sich darauf vorzubereiten, Ihn zu begreifen, indem wir unser Bewußtsein diesen Maßen entsprechend formulieren.
Um zurückzukehren, jeder Buchstabe dieses Alphabetes mag sein spezielles magisches Sigill haben. Der Student darf nicht erwarten, daß ihm eine fertig zurechtgestutzte Definition dafür geben wird, was genau mit jeglichem all dieser gemeint ist. Im Gegenteil, er muß
rückwärts arbeiten, indem er seine ganze mentale und moralische Ausrüstung in diese Fächer legt. Du würdest nicht erwarten, einen Adreßkartei mit den Namen all deiner vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Korrespondenten, fertig indiziert, kaufen zu
können: Deine Kartei hat ein System von Buchstaben und Zahlen, an sich bedeutungslos, aber bereit, für dich eine Bedeutung anzunehmen, so du die Akten ausfüllst. So dein Geschäft wächst, bekäme für dich jeder Buchstabe und jede Zahl frische Zugänge für
Bedeutung; und indem du dieses geordnete Arrangement annimmst, wärest du fähig, einen bei weiten umfassenderen Begriff von deinen Angelegenheiten zu haben, als es anders der Fall wäre. Durch den Gebrauch dieses Systemes ist der Magier in der Lage, letztendlich die Gesamtheit seines Wissen zu vereinigen - das Viele in das Eine umzuformen, sogar auf der intellektuellen Ebene.
Der Leser kann jetzt verstehen, daß die oben gegebene Skizze der magischen Hierarchie kaum gar einen Umriß der wirklichen Theorie des Universums ist. Diese Theorie kann tatsächlich (?!) in dem Artikel in No. 5 des Equinox, auf den bereits verwiesen wurde, studiert werden, und noch eingehender in dem Buch des Gesetzes und den Kommentaren dazu: aber das wahre Verstehen hängt völlig von der Arbeit des Magiers selbst ab. Ohne magische Erfahrung wird sie bedeutungslos sein.

Darin liegt nichts besonderes. Mit aller wissenschaftlicher Kenntnis ist es genauso. Ein blinder Mensch mag sich für den Zweck, Prüfungen zu bestehen, mit Astronomie vollstopfen, aber seine Kenntnis wäre beinahe völlig beziehungslos zu seiner Erfahrung, und es gäbe ihm gewiß nicht Sicht. Ein ähnliches Phänomen ist zu beobachten, wenn ein Gentleman, der einen "Ehrengrad" in modernen Sprachen in Cambridge abgelegt hat, in Paris ankommt und unfähig ist, sein Mittagessen zu bestellen. Gegen Meister Therion zu wettern, heißt, wie eine Person zu handeln, die, da sie das beobachtet, nun beide angreifen möchte, sowohl die Professoren für Französisch als auch die Einwohner von Paris, und
vielleicht damit fortfährt, die Existenz von Frankreich zu leugnen.
Laßt uns noch einmal sagen, daß die magische Sprache nichts außer ein bequemes System zur Klassifikation ist, um den Magier zu befähigen, seine Erfahrungen, wie er sie erhält, abzulegen.
Dennoch ist es auch wahr, daß, einmal die Sprache gemeistert, man das Unbekannte durch das Studium des Bekannten weissagen kann, gerade wie einen die Kenntnis des Lateinischen und Griechischen befähigt, einige ungebräuchliche englische
Redewendungen, die aus diesen Quellen hergeleitet wurden, zu verstehen. Ebenso gibt es in der Chemie den ähnlichen Fall des Periodischen Gesetzes, das die Wissenschaft befähigt, die Existenz bestimmter, zuvor unerwarteter, Elemente in der Natur zu prophezeien und so schließlich zu entdecken.
Alle Diskussionen über Philosophie sind notwendigerweise unfruchtbar, solange Wahrheit jenseits von Sprache ist. Sie sind jedoch nützlich, wenn weit genug getrieben - wenn zu dem Punkt getrieben, wo es offensichtlich wird, daß alle Argumente Argumente in einem Zirkel sind. Aber Diskussionen der Details rein imaginärer Qualitäten sind nicht ernst zu nehmen und mögen tödlich sein. Denn die große Gefahr dieser magischen Theorie
ist, daß der Student das Alphabet als die Dinge, die die Worte repräsentieren, mißversteht.
Ein exzellenter Mann von großer Intelligenz, ein gelehrter Kabbalist, versetzte den Meister Therion einmal in Staunen, indem er erklärte, daß der Baum des Lebens das Gerüst des Universums sei. Es war, als wenn jemand ernsthaft behauptet hätte, daß eine Katze eine Kreatur sei, die Plazieren der Buchstaben K.A.T.Z.E., in dieser Reihenfolge, konstruiert wurde. Es ist nicht verwunderlich, daß Magick den Spott der Unintelligenten erregt hat, solange sogar ihre ausgebildeten Studenten einer so groben Verletzung der ersten Prinzipien des gesunden Menschenverstandes schuldig sein können.
Eine Zusammenfassung der Grade der A*A* als veranschaulichend für die Magische
Hierarchie im Menschen wird in Appendix 2 "Ein Stern in Sicht" gegeben. Dieser sollte gelesen werden, bevor man mit diesem Kapitel fortfährt. Das Thema ist sehr schwierig. Es vollständig abzuhandeln, liegt völlig jenseits der Grenzen dieser kleinen Abhandlung.
Weiteres das magische Universum betreffend All diese Buchstaben des magischen Alphabeth - woauf oben Bezug genommen wurde -
sind wie die vielen Namen auf einer Landkarte. Der Mensch selbst ist ein vollständiger Mikrokosmos. Wenige andere Wesen besitzen diese ausgewogene Vollkommenheit.
Natürlich mag jede Sonne, jeder Planet ähnlich beschaffene Wesen haben. Aber wenn wir in der Magick vom Umgang mit den Planeten sprechen, beziehen wir uns gewöhnlich nicht auf die tatsächlichen Planeten, sondern auf Teile der Erde, die von der Natur sind, die diesen Planeten zugerechnet wird. Wenn wir also sagen, das Nakhiel die "Intelligenz" der Sonne ist, meinen wir nicht, daß er in der Sonne lebt, sondern nur, daß er einen bestimmten
Rang und Charakter hat; und obgleich wir ihn invozieren können, meinen wir nicht notwendigerweise, daß er existiert, im gleichen Sinne des Wortes, in dem unser Fleischer existiert.
Wenn wir "Nakhiel zu sichtbarer Erscheinung beschwören", mag es sein, daß unser Vorgehen mehr Erschaffung - oder eher Imagination - ähnelt als Hervorrufen. Die Aura eines Menschen wird der "magische Spiegel des Universums" genannt; und so weit man sagen kann, existiert nichts außerhalb dieses Spiegels. Zumindest ist es bequem, das Ganze so darzustellen, als wäre es subjektiv. Es führt zu weniger Konfusion. Und wie ein Mensch
ein vollkommener Mikrokosmos ist, so ist es vollkommen einfach, jemandes Konzeption zu einem beliebigen irgendeinem Moment zu remodellieren.

Nun gibt es eine traditionelle Korrespondenz, von der moderne Experimente gezeigt haben, daß sie ziemlich zuverlässig ist. Es gibt einen bestimmten natürlichen Zusammenhang zwischen bestimmten Buchstaben, Worten, Zahlen, Gesten, Formen,
Gerüchen usw., so daß jegliche Idee oder (wie wir es nennen könnten) "Geist" durch den Gebrauch jener Dinge, die mit ihm harmonieren und besondere Teile seiner Natur ausdrücken, zusammengesetzt oder hervorgerufen werden kann. Diese Korrespondenzen wurden in dem Buch 777 in sehr leicht handhabbarer und zusammenfassender Form elaboriert kartographiert. Es wird für den Studenten nötig werden, in Verbindung mit einigen eigentlichen Ritualen der Magick, zum Beispiel, dem der Evokation von Taphtatharath, das in Equinox I, 3, Seiten 170-190 abgedruckt ist, wo er genau sehen wird,
warum diese Dinge zu gebrauchen sind, ein sorgfältiges Studium dieses Buches zu unternehmen. Natürlich wird der Student, sowie er durch Erfahrung in Kenntnis Fortschritte macht, eine progressive Feinheit im magischen Universum entdecken, entsprechend seiner eigenen; denn laßt es uns nocheinmal sagen! nicht allein seine Aura
ist ein magischer Spiegel des Universums, sondern auch das Universum ist ein magischer Spiegel seiner Aura.
In diesem Kapitel können wir nur einen sehr schwachen Umriß der magischen Theorie geben - eine blasse Bleistiftskizze von kraftlosen und zitternden Fingern - denn über dieses
Thema vermögen wir beinahe zu sagen, daß es sich co-extensiv zu jemandes gesamter Kenntnis verhält.
Die Kenntnis der exoterischen Wissenschaft ist komischerweise durch die Tatsache eingeschränkt, daß wir, außer auf äußerst indirektem Wege, keinen Zugang zu irgendeinem anderen Himmelskörper als unserem eigenen haben. In den letzten paar Jahren sind die Halbgebildeten auf den Idee gekommen, daß sie eine große Menge über das Universum wissen, und der prinzipielle Grund für ihre hohe Meinung von sich selbst ist gewöhnlich das
Telefon oder das Luftschiff. Es ist mitleiderregend, den bombastischen Quatsch über Fortschritt zu lesen, den Journalisten und andere, die die Menschen vom Denken abzuhalten wünschen, zum Verzehr auftischen. Wir wissen infinitesimal wenig über das
materielle Universum. Unsere detaillierte Kenntnis ist so verächtlich gering, daß es sich kaum lohnt, sich darauf zu beziehen, es sei denn, damit unsere Scham uns zu gesteigerter Bemühung anspornt. Solche Kenntnis , wie wir sie erworben haben, ist von einem sehr
allgemeinen und abstrusen, von einem philosophischen und fast magischen Charakter. Sie besteht grundsätzlich aus den Konzeptionen der reinen Mathematik. Es ist deshalb beinahe
legitim zu sagen, daß reine Mathematik unsere Verbindung mit dem Rest des Universums und mit "Gott" ist.
Nun sind die Konzeptionen der Magick selbst tief mathematisch. Die gesamte Basis unserer Theorie ist die Qabalah, die zu Mathematik und Geometrie korrespondiert. Die Methode der Operation in Magick wird darauf gestützt, in sehr weitgehend der gleichen Weise wie die Gesetze der Mechanik auf die der Mathematik gestützt werden. Soweit wie man daher von uns sagen kann, daß wir eine magische Theorie des Universums besitzen,
muß sie eine Angelegenheit allein des fundamentalen Gesetzes sein, mit einigen wenigen einfachen und verständlichen Lehrsätzen, die in sehr allgemeinen Ausdrücken angegeben sind.
Ich könnte ein ganzes Leben darauf verwenden, die Details einer Ebene zu erforschen, ebenso wie ein Forscher sein ganzes Leben einer Ecke von Afrika widmen könnte oder ein Chemiker einer Untergruppe von Zusammensetzungen. Jedes so detaillierte Stück Arbeit kann sehr wertvoll sein, aber es wirft in der Regel kein Licht auf die Hauptprinzipien des Universums. Seine Wahrheit ist die Wahrheit eines Standpunktes. Es mag sogar zum Irrtum führen, wenn eine mittelmäßige Person aus zu wenig Tatsachen verallgemeinerte.
Stelle dir einen Bewohner des Mars vor, der über die Erde zu philosophieren wünscht und nichts hätte, wonach er gehen kann, außer dem Tagebuch eines Menschen am Nordpol! Aber die Arbeit jedes Forschers, egal auf welchem Zweig des Baumes des Lebens es der Raupe, hinter der er her ist, belieben mag, zu kriechen, wird durch einen Begriff der allgemeinen Prinzipien imens unterstützt. Jeder Magier sollte deshalb die heilige Qabalah studieren. Hat er einmal die Hauptprinzipien gemeistert, wird er finden, daß seine Arbeit leicht weiter geht.
Solvitur Ambulando: was nicht bedeutet: "Rufe die Ambulanz!"

 

Kapitel I

 

Die Prinzipien des Rituals

Es gibt eine einzige Hauptdefinition des Objektes allen magischen Rituals. Es ist die Vereinigung des Mikrokosos mit dem Makrokosmos. Das höchste und vollständige Ritual ist daher die Invokation des Heiligen Schutzengels; oder in der Sprache des Mystizismus, Einheit mit Gott. Alle anderen magischen Rituale sind besondere Fälle dieses allgemeinen Prinzips, und die einzige Entschuldigung dafür, sie auszuführen, ist, daß es manchmal vorkommt, daß ein besonderer Teil des Mikrokosmos so schwach ist, daß seine Unvollkommenheit oder Unreinheit den Makrokosmos, wovon er Bild, Eidolon oder Reflexion ist, unwirksam machen würde. Gott zum Beispeil steht über Geschlechtlichkeit; und deshalb kann weder vom Mann noch von der Frau als solchen gesagt werden, daß sie Gott vollständig verstehen, noch viel weniger, ihn repräsentieren. Es ist deshalb für männliche Magier unvermeidlich, jene weiblichen Tugenden zu kultivieren, an denen es ihm mangelt, und diese Aufgabe muß er natürlich ausführen, ohne in irgendeiner Weise seine Männlichkeit zu beeinträchtigen. Es wird dann für einen Magier rechtmäßig sein, Isis zu invozieren und sich mit ihr zu identifizieren; wenn ihm dies nicht gelingt, wird seinem Begreifen des Universums, wenn er
Samadhi erreicht, die Konzeption der Mutterschaft fehlen. Das Resultat wäre eine metaphysische und - durch die Folgen - ethische Einschränkung der Religion, die er gründet. Judaismus und Islam sind schlagende Beispiele für diesen Fehlschlag. Um ein anderes Beispiel zu nehmen, das asketische Leben, das Hingabe an die Magick so häufig einschließt, spricht für eine Armut der Natur, eine Engherzigkeit, ein Fehlen an Freigibigkeit. Die Natur ist unendlich verschwenderisch - nicht einer von einer Million Samen kommt trägt jemals Früchte. Wer darin fehlt, dies zu erkennen, laßt ihn Jupiter invozieren. Die Gefahr der zeremoniellen Magick - die feinste und tiefste Gefahr - ist diese: daß der Magier naturgemäß dazu neigen wird, jenes Teilwesen anzurufen, das ihn am stärksten
anreizt, so daß sein natürlicher Überfluß in diese Richtung noch weiter übertrieben werden wird. Laß ihn sich, vor Beginn seiner Arbeit, bemühen, seine eigene Existenz genau zu kartographieren und seine Anrufungen in solcher Weise zu arrangieren, daß die Balance wiederhergestellt wird. Dies sollte natürlich in vorbereitender Weise, während der Anfertigung der Waffen und der Ausstattung des Tempels, getan worden sein. Um diese Frage nach der Natur des Rituals in einer spezielleren Art zu erwägen, mögen wir erwarten, daß er an sich selbst einen Mangel in dieser Wahrnehmung des Wertes von Leben und Tod bemerkt, von Individuen wie von Rassen, charakteristisch für Natur. Er hat
vielleicht eine Neigung, die "erste noble Wahrheit" wahrzunehmen, die von Buddha ausgesprochen wurde, daß alles Sorge ist. Natur, scheint es, ist eine Tragödie. Er wird vielleicht sogar die große Trance, die Sorge genannt wird, erfahren. Er sollte dann erwägen,
ob es nicht irgendeine Gottheit gibt, die diesen Zyklus ausdrückt, und deren Natur dennoch Freude ist. Er wird, was er braucht, in Dionysos finden. Es gibt drei Hauptmethoden, jegliche Gottheit zu invozieren. Die Erste Methode besteht in Hingabe an diese Gottheit und braucht, insofern sie dem Charakter nach hauptsächlich mystisch ist, an dieser Stelle nicht behandelt werden, speziell da in Liber 175 (siehe Appendix) eine vollständige Instruktion existiert. Die Zweite Methode ist die aufrichtige zeremonielle Invokation. Es ist die Methode, die gewöhnlich im Mittelalter verwendet wurde. Ihr Vorteil ist ihre Direktheit, ihr Nachteil ihre Rohheit . Die "Goetia" gibt klare Einweisung in diese Methode, und ebenso viele andere Rituale, weiße und schwarze. Wir sollen gegenwärtig einer klaren Enthüllung dieser Kunst etwas Raum widmen. Im Falle von Bacchus, wie auch immer, mögen wir die Prozedur grob umreißen. Wir stellen fest, daß der Symbolismus von Tiphareth die Natur des Bacchus ausdrückt. Es ist dann nötig, ein Ritual für Tiphareth zu konstruieren. Laßt uns das Buch 777 öffnen; wir sollen in Zeile 6 jeder Spalte die verschiedenen Teile des von uns benötigten Apparates finden. Haben wir alles ordnungsgemäß angeordnet, sollen wir das Bewußtsein durch wiederholte Gebete oder Beschwörungen zur höchsten Konzeption Gottes erheben, bis Er uns, in diesem oder jenen Sinne des Wortes, erscheint und unsere Bewußtheit mit dem Licht Seiner Göttlichkeit flutet. Die Dritte Methode ist die dramatische, vielleicht die attraktivste von allen; sicherlich ist sie es für das Temperament des Künstlers, denn sie spricht durch seinen ästhetisches Sinn zu seiner Imagination. Ihr Nachteil liegt im Prinzip in der Schwierigkeit ihrer Aufführung durch eine einzelne Person. Aber sie hat die Billigung des höchsten Altertums und ist wahrscheinlich die nützlichste für die Begründung einer Religion. Sie ist die Methode der katholischen Christenheit und besteht in der Dramatisierung der Legende des Gottes. Die Bacchae des Euripides sind ein großartiges Beispiel für solch ein Ritual; so ebenso, wenn auch in einem geringeren Grad, die Messe. Wir mögen ebenso viele der Grade der Freimaurerei, besonders den dritten, erwähnen. Das 5* = 6* Ritual, publiziert in No. 3 des Equinox, ist ein weiteres Beispiel. Im Falle von Bacchus gedenkt man zuerst seiner Geburt durch eine sterbliche Mutter, die ihre Schatzkammer dem Vater des All hingegeben hat, der Eifersucht und Wut, die durch diese Inkarnation erregt wurden, und des himmlischen Schutzes, der dem Säugling gewährt wurde. Als nächstes sollte der Reise westwärts auf einem Esel gedacht werden. Nun kommt die große Szene des Drama: Der sanfte, exquisite Jüngling mit seinem Gefolge (das hauptsächlich aus Frauen besteht) scheint die etablierte Ordnung der Dinge zu bedrohen, und diese Etablierte Ordnung leitet Schritte ein, dem Emporkömmling ein Ende zu setzen. Wir finden Dionysus mit dem ärgerlichen König konfrontiert, nicht trotzig, sondern bescheiden; dennoch mit einer feinen Zuversicht, einem zugrundeliegendem Lachen. Seine Stirn ist mit Weinranken umkränzt. Er ist eine weibische Gestalt mit jenen Büscheln breiter Blätter auf seiner Stirn? Aber jene Blätter verbergen Hörner. König Pentheus, Repräsentant der Respektabilität, wird durch seinen Stolz zerstört. Er zieht aus in die Berge, um die Frauen anzugreifen, die Bacchus folgten, dem Jüngling, den er verspottete, geißelte und in Ketten legte, der dennoch nur gelächelt hat; und von jenen Frauen, in ihrer göttlichen Verrücktheit, wurde er in Stücke gerissen. Es erscheint schon impertinent, so viel zu sagen, da Walter Pater diese Geschichte mit solcher Sympathie und solchem Einblick erzählt hat. Wir werden uns nicht weiter vergehen, indem wir bei der Identität dieser Legende mit dem Lauf der Natur, ihrer Verrücktheit, ihrer
Verschwendung, ihrer Berauschung, ihrer Freude und vor allem ihrer feinen Unbeirrtheit durch die Zyklen von Leben und Tod hindurch verweilen. Der heidnische Leser muß arbeiten, um das in Paters "Griechische Studien" zu verstehen, und der christliche Leser wird es Punkt für Punkt in der Geschichte von Christus wiedererkennen. Diese Legende ist nicht als die Dramatisierung des Frühlings. Der Magier, der Bacchus durch diese Methode zu invozieren wünscht, muß deshalb eine Zeremonie arrangieren, in der er die Rolle des Bacchus übernimmt, sich all Seinen Prüfungen unterzieht und triumphierend von jenseits des Todes hervortritt. Er muß jedoch davor gewarnt werden, den Symbolismus mißzuverstehen. In diesem Fall zum Beispiel wurde die Doktrin der individuellen Unsterblichkeit hineingezogen, zu Zerstörung der Wahrheit. Es ist nicht dieser äußerst wertlose Teil des Menschen, seine individuelle Bewußtheit wie Otto Schmidt, die dem Tod trotzt - jene Bewußtheit, die stirbt und wiedergeboren wird in jedem Gedanken. Das, was fortdauert (wenn irgendetwas fortdauert) ist seine reale Otto Schmidtheit, eine Qualität, derer er sich wahrscheinlich in seinem ganzen Leben niemals bewußt war. Sogar das dauert nicht unverändert fort. Es wächst immer. Das Kreuz ist ein unproduktives Stöckchen, und die Blätter der Rose fallen ab und verwelken; aber in der Einheit der Rose und des Kreuzes liegt eine konstante Aufeinanderfolge neuer Leben. Ohne diese Einheit und ohne diesen Tod des Individuums würde der Zyklus durchbrochen.
Ein Kapitel wird der Behebung der praktischen Schwierigkeiten dieser Methode der Invokation gewidmet sein. Der Scharfsinn des Lesers wird zweifellos bemerkt haben, daß diese drei Methoden in den großen Hauptsachen eine sind. In jedem Fall identifiziert sich der Magier selbst mit der invozierten Gottheit. Zu invozieren ist hereinzurufen, gerade wie zu evozieren hervorzurufen ist. Dies ist der essentielle Unterschied zwischen den zwei Zweigen der Magick. In der Invokation flutet der Makrokosmos die Bewußtheit. In der Evokation erschafft der Magier, zum Makrokosmos geworden, einen Mikrokosmos. Du innvozierst einen Gott in den Kreis. Du evozierst einen Geist in das Dreieck. In der ersten Methode wird Identität mit dem Gott erreicht, durch Liebe und Hingabe, durch Aufgeben oder Unterdrücken aller irrelevanten (und illusionären) Teile deiner Selbst. Sie ist das Ausjäten eines Gartens. In der zweiten Methode wird Identität erreicht, indem du dem gewünschten Teil deiner Selbst spezielle Aufmerksamkeit zollst: positiv, wie die erste Methode negativ ist. Sie ist das Auspotten und Wässern einer besonderen Blume in den Garten und das sie in-die-Sonne-Stellen. In der dritten wird die Identität durch Sympathie erreicht. Es ist für den gewöhnlichen
Menschen sehr schwierig, sich völlig in das Thema eines Schauspiels oder eines Romans zu verlieren; aber für jene, die es tun können, ist diese Methode außer Frage die Beste.

Beobachte: jedes Element in diesem Zyklus ist von gleichem Wert. Es ist falsch, triumphierend zu sagen "Mors janua vitae", außer du fügst mit gleichem Triumpf hinzu "Vita janua mortis". Einem, der diese Kette der Äonen gleichermaßen vom Standpunkt der trauernden Isis wie des triumphierenden Osiris versteht, nicht ihre Verbindung im Zerstörer Apophis vergißt, bleibt kein Geheimnis der Natur verschleiert. Er ruft den Namen Gottes, der die Geschichte hindurch von einer Religion zur nächsten geechot wurde, den unendlich schwellenden Paean I.A.O!

 

Kapitel II

 

Die Formeln der Elementalen Waffen

Bevor die magischen Formeln im Detail diskutiert werden, mag man bemerken, daß die meisten Rituale zusammengesetzt sind und viele Formeln, die zu einer harmonisiert werden müssen, beinhalten.
Die erste Formel ist die des Stabes. In der Sphäre des Prinzips, das der Magier zu invozieren wünscht, erhebt er sich in einer senkrechten Linie von Punkt zu Punkt und dann steigt er herab; oder anders, er beginnt ganz oben, kommt direkt herunter und invoziert zuerst den Gott der Sphäre durch inniges Anerbieten , daß Er sich herablassen möge, den geeigneten Erzengel zu senden. Dann befleht er den Erzengel, ihm den oder die Engel der Sphäre zur Hilfe zu senden; er beschwört diesen Engel oder die Engel, die gefragte Intelligenz zu senden, und diese Intelligenz wird er mit Autorität beschwören, um den Gehorsam des Geistes und seine Manifestation zu erzwingen. An diesen Geist gibt er Befehle aus.
Es wird gesehen werden, daß dies eher eine Formel der Evocation denn eine der Invokation ist, und für die letztere sollte man sich von dem Vorgehen, obwohl augenscheinlich dasselbe, eine Vorstellung in unterschiedener Weise machen, was es unter eine andere Formel bringt, die des Tetragrammaton. Die Essenz der invozierten Gewalt ist eine, aber der "Gott" repräsentiert den Keim oder Beginn der Gewalt, der "Erzengel" ihre Entwicklung; und so weiter, bis wir mit dem "Geist" die Vervollständigung und Vervollkommnung der Gewalt haben. Die Formel des Kelches ist für Evocationen nicht so gut passend und die magische Hierarchie wird nicht in der gleichen Weise eingebunden; denn der Kelch ist eher passiv denn aktiv, es ist nicht passend für den Magier, ihn in Respekt gegenüber irgendetwas anderem außer dem Höchsten zu gebrauchen. Im praktischen Arbeiten bedeutet er folglich wenig außer Gebet und dieses Gebet, das "Gebet der Stille" .
Die Formel des Dolches ist wiederum für beide Zwecke unpassend, da die Natur des Dolches darin besteht zu kritisieren, zu zerstören, zu verstreuen; und alle wahren magischen Zeremonien tendieren zu Konzentration. Der Dolch wird deshalb hauptsächlich bei Bannungen erscheinen, die der richtigen Zeremonie vorausgehen. Die Formel des Pantakels ist wiederum von keinem besonderen Nutzen; denn das Pantakel ist träge. Zum Schluß ist die Formel des Stabes die einzige, mit der wir uns spezieller beschäftigen müssen. Nun, um irgendein Wesen zu invozieren, wird vom Hermes Trismegistos gesagt, daß die Magi drei Methoden verwenden. Die erste, für die Gewöhnlichen, ist die des Aneerbietens. Bei dieser wird die rohe objektive Theorie als wahr angenommen. Es gibt einen Gott namens A, an den du, B, eine Petition richtest, in genau dem gleichen Sinne, wie ein Junge seinen Vater um Taschengeld bittet. Die zweite Methode bindet ein wenig mehr Feinheit mit ein, insoweit wie der Magier sich bemüht, sich selbst mit der Natur des Gottes zu harmonisieren und sich, bis zu einem gewissen Ausmaß, im Verlauf der Zeremonie erhöht; aber die dritte Methode ist die einzige, die unserer Überlegung wert ist.
Diese besteht in einer wirklichen Identifikation von dem Magier und dem Gott. Beachte, daß dies in Perfektion zu tun, das Erreichen einer Species von Samadhi einschließt; und diese Tatsache alleine genügt, Magick unzertrennlich mit Mystizismus zu verbinden.
Laßt uns die magische Methode der Identifikation beschreiben. Die symbolische Form des Gottes wird zuerst mit soviel Sorgfalt studiert, wie sie ein Künstler seinem Modell widmen würde, so daß dem Bewußtsein ein vollkommen klares und unerschütterliches mentales Bild des Gottes gegenwärtig ist. Ähnlich werden die Attribute des Gottes in Sprache gefaßt, und solche Sprache wird dem Gedächtnis vollkommen vertraut gemacht. Die Invokation wird dann mit einem Gebet an den Gott beginnen, seine physischen Attribute erinnernd, immer mit tiefem Verstehen ihrer wirklichen Bedeutung. Im zweiten Teil der Invokation wird die Stimme des Gottes gehört und Seine charakteristische Audrucksweise wird rezitiert.
Im dritten Teil der Invokation macht der Magier seine Identität mit dem Gott geltend. Im vierten Teil wird der Gott wieder invoziert, aber wie durch Ihn selbst, als wenn es der Ausdruck des Willen des Gottes wäre, daß Er sich im Magier manifestieren sollte. Zum
Abschluß dessen wird der ursprüngliche Zweck der Invokation angegeben.
So beginnt bei der Invokation von Thoth, die im Ritus des Merkur (Equinox I, 6) und in Liber LXIV gefunden werden kann, der erste Teil mit den Worten "Majestät der Gottheit, weisheitgekrönter TAHUTI, Euch, Euch invoziere ich. Oh Euch mit dem Ibiskopf, Euch, Euch invoziere ich"; und so weiter. Zum Abschluß dessen sollte ein mentales Bild des Gottes, unendlich gewaltig und unendlich prächtig, in gerade demselben Sinne wie ein Mensch die Sonne sehen möge, wahrgenommen werden. Der zweite Teil beginnt mit den Worten:
"Halt ein! Ich bin Gestern, Heute und der Bruder des Morgen."
Der Magier sollte imaginieren, daß er diese Stimme hört und er sie gleichzeitig
widerhallt, daß es auch für ihn selbst wirklich ist. Dieser Gedanke sollte ihn so erheben, daß er zu seinem Abschluß fähig ist, die feinen Worte, die den dritten Teil eröffnen, zum Ausdruck zu bringen: "Halt ein! er ist in mir und ich bin in ihm". In diesem Moment verliert er die Bewußtheit seines sterblichen Daseins; er ist jenes mentale Bild, das er vorher nur sah. Diese Bewußtheit ist nur vollständig, so er fortfährt: "Mein ist das Strahlen, worin Ptah über sein Firmament zieht. Ich reise in der Höhe. Ich schreite auf dem Firmament von Nu.
Ich errichte eine leuchtende Flamme mit den Blitzen meines Auges: immer vorwärtsstürmend im Strahlen des täglich gepriesenen Ra - mein Leben den auf Erden Schreitenden spendend!" Dieser Gedanke gibt die Beziehung von Gott und Mensch aus der
göttlichen Perspektive wieder.
Der Magier wird erst zum Abschluß des dritten Teils wieder an sich selbst erinnert; in dem, beinahe wie durch Zufall, die Worte vorkommen: "Deshalb gehorchen alle Dinge meinem Wort." Dennoch im vierten Teil, der beginnt: "Deshalb kommet ihr hervor zu mir", ist es nicht wirklich der Magier, der den Gott anspricht; es ist der Gott, der die weitentfernte Äußerung des Magiers hört. Wenn diese Invokation korrekt durchgeführt wurde, werden die Worte des vierten Teiles entfernt und fremd klingen. Es ist überraschend, daß eine Atrappe (so erscheint der Magus nun Sichselbst) fähig sein sollte zu sprechen!
Die Ägyptischen Götter sind in ihrer Natur so vollständig, so vollkommen spirituell und dennoch so vollkommen materiell, daß diese eine Invokation genügt. Der Gott macht ihn denken, daß der Geist des Merkur nun dem Magier erscheinen sollte; und es ist so. Diese Ägyptische Formel ist deshalb der Hierarchischen Formel der Hebräer mit ihren langweiligen Gebeten, Beschwörungen und Flüchen vorzuziehen.
Es wird wie auch immer bemerkt worden sein, daß in dieser Anrufung von Thoth, die wir zusammengefaßt haben, eine andere Formel beinhaltet ist, die Widerhallende oder Erwidernde Formel, die die Formel von Horus und Harpokrat genannt werden mag. Der Magier spricht den Gott mit einem aktiven Voranwerfen seines Willen an und wird dann passiv, während der Gott das Universum anspricht. Im vierten Teil bleibt er still und hört dem Gebet zu, das sich daraus erhebt. Die Formel dieser Invokation von Thoth kann auch unter Tetragrammaton klassifiziert werden. Der erste Teil ist Feuer, das erpichte Gebet des Magiers, der zweite Wasser, worin
der Magier der Reflexion des Gottes lauscht oder sie auffängt. Der dritte Teil ist Luft, die Hochzeit von Feuer und Wasser; der Gott und der Mensch sind Eins geworden; während der vierte Teil zu Erde korrespondiert, der Kondensation oder Materialisation jener drei höheren Prinzipien.
In Anbetracht der Hebräischen Formeln ist es zweifelhaft, ob die meisten Magier, die sie gebrauchen, die Prinzipien, die der Methode der Identität zugrundeliegen, jemals recht begriffen haben. Keine Passage, die es impliziert, tritt dem Bewußtsein in Erscheinung, und die ausgedehnten Rituale geben bestimmt keinen Hinweis auf solch eine Konzeption oder auf irgendetwas außer die persönlichsten und materiellsten Ansichten über die Natur der Dinge. Sie scheinen gedacht zu haben, daß es einen Erzengel namens Ratziel gäbe, in genau demselben Sinne wie es einen Staatsmann namens Richelieu gab, eine individuelle Existenz, die an einem bestimmten Ort lebt. Er habe möglicherweise bestimmte Kräfte einer irgendwie metaphysischen Ordnung - er könnte zum Beispiel an zwei Orten gleichzeitig sein, obwohl sogar die Möglichkeit eines so einfachen Kunststückes (im Falle von Geistern) durch bestimmte Passagen in ausgedehnten Beschwörungen, die dem Geist erzählen, daß er, wenn er gerade an einem besonderen Ort der Hölle in Ketten liegt oder wenn ein anderer Magier ihn beschwört, so daß er nicht kommen kann, einen Geist ähnlicher Natur schicken oder andernfalls die Schwierigkeit meiden soll, bestritten zu werden scheint. Aber natürlich würde eine so vulgäre Konzeption einem Studenten der Qabala nicht einfallen. Es ist gerade möglich, daß die Magi ihre Beschwörungen nach dieser rohen Hypothese schrieben, um die
Umwölkung des Bewußtseins durch Zweifel und metaphysische Spekulation zu vermeiden.
Er, der Meister Therion wurde, war einst mit dieser großen Schwierigkeit konfrontiert. Da er beschlossen war, die Menschheit zu unterweisen, suchte er eine einfachen Erklärung seines Zweckes. Sein Wille war durch den gesunden Menschenverstand genügend
informiert, sich zu entscheiden, den Menschen den nächsten Schritt zu lehren, das Ding, was unmittelbar über ihm war. Er hätte dies "Gott" oder "Das Höhere Selbst", oder "Der Augoeides" oder "Adi-Buddha" oder 61 andere Dinge nennen können - aber er hatte entdeckt, daß diese alle eins waren, dennoch jedes einzelne eine Theorie des Universums darstellte, die letztenendes durch Kritik zerschmettert würde - denn Er hatte bereits das Reich der Vernunft passiert und wußte, daß jede Erklärung eine Widersinnigkeit enthielt.
Deshalb sagte er: "Laßt mich dieses Werk unter diesem Titel verkünden: "Das Erreichen der Kenntnis von und Konversation mit dem Heiligen Schutzengel" , weil die in diesen Worten implizierte Theorie so offenkundig widersinnig ist, daß nur Naivlinge viel Zeit damit verschwenden würden, sie zu analysieren. Sie würde als eine Übereinkunft akzeptiert werden, und niemand würde die ernste Gefahr auf sich nehmen, darauf ein philosophisches System aufzubauen.
Wenn wir dies verstehen, mögen wir das Hebräische System der Invokationen rehabilitieren. Das Bewußtsein ist der große Feind; so tadeln wir das Bewußtsein, indem wir enthusiastisch eine Person anrufen, von der wir wissen, daß sie nicht existiert.
Dennoch sollten wir alles in allem nicht vom Philosophieren im Lichte der Heiligen Qabalah absehen. Wir sollten die Magische Hierarchie als eine mehr oder weniger bequeme Klassifikation der Tatsachen des Universums, wie sie uns bekannt sind, akzeptieren; und wie unsere Kenntnis und unser Verstehen jener Tatsachen wächst, so sollten wir uns bemühen, unsere Idee von dem, was wir mit jeglichem Symbol meinen, anzupassen.
Gleichzeitig laßt uns reflektieren, daß es einen gewissen definitiven Konsens der Erfahrung über die Wechselbeziehung der verschiedenen Wesen der Hierarchie mit den beobachteten Tatsachen der Magick gibt. In der einfachen Angelegenheit der astralen Vision zum Beispiel mag ein schlagendes Fallbeispiel zitiert werden.
Ohne ihm zu erzählen was es war, rezitierte der Meister Therion einst als eine Invokation Sapphos "Ode an Venus" vor einem Probanten der A*A*, der das Griechische, die Sprache der Ode, nicht kannte. Der Schüler ging dann auf eine "Astralreise" und alles, was von ihm gesehen wurde, war ohne Ausnahme harmonisch zu Venus. Dies war wahr, herab bis zum kleinsten Detail. Er erlangte sogar alle vier Farbskalen der Venus mit absoluter Korrektheit.
Wenn man erwägt, daß er insgesamt um die einhundert Symbole sah, sind die Chancen gegen zufälliges Zusammentreffen unkalkulierbar groß. Solch eine Erfahrung (und die Aufzeichnungen der A*A* beinhalten Dutzende von ähnlichen Fällen) leistet einen Beweis so unumschränkt wie irgendein Beweis in dieser Welt der Illusion nur sein kann, daß die Korrespondenzen in Liber 777 tatsächlich Tatsachen in der Natur repräsentieren.
Es weist sichselbst daraufhin, daß dieses "aufrichtige" System der Magie vielleicht überhaupt niemals wirklich angewandt wurde. Man könnte verfechten, daß die Invokationen, die auf uns herab kamen, nur die Ruinen des Tempels der Magick sind. Die Exorzismen könnten verbrochen worden sein zu schreiben, mit dem Zweck sie einzuprägen, während es verboten war, irgendeine Aufzeichnung der wirklich wichtigen Teile der Zeremonie anzufertigen. Die Details des Rituals, die wir besitzen, sind mager und nicht
überzeugend, und obwohl sowohl von FRATER PERDURABO wie vielen seiner Kollegen auf dem durchaus konventionellen, exoterischen Wege viel Erfolg erreicht wurde, sind die Zeremonien dieses Charakters dennoch immer langweilig und schwierig geblieben. Es schien, als würde der Erfolg beinahe der Zeremonie zum Trotz erreicht. In jedem Falle sind sie die mysteriöseren Teile des Rituals, die die göttliche Gewalt evoziert haben. Solche
Beschwörungen wie jene der "Goetia" lassen einen kalt, obwohl es, in der zweiten Beschwörung erkennbar, darin einen rohen Versuch gibt, jene Formel des Gedenkens zu gebrauchen, von der wir im vorausgehenden Kapitel sprachen.

 

Kapitel III

 

Die Formel des Tetragrammaton

Diese Formel ist von höchst universalem Aspekt, so alle Dinge notwendigerweise darin inbegriffen sind; aber ihr Gebrauch in einer magischen Zeremonie wird kaum verstanden. Die Klimax der Formel liegt in einem Sinne sogar noch vor der Formulierung des Jod.
Denn das Jod ist der göttlichste Aspekt der Gewalt - die verbleibenden Buchstaben sind nur eine Verfestigung des selben Dinges. Es muß verstanden werden, daß wir hier von der ganzen Zeremonie, betrachtet als eine Einheit, sprechen, nicht nur von der Formel, in der Jod, der invozierte Gott ist, Hé der Erzengel usw. Um die Zeremonie unter dieser Formel zu verstehen, müssen wir für die Funktionen der vier Waffen eine umfassendere Perspektive
einnehmen, als wir es bisher getan haben.
Die Formung des Jod ist die Formulierung der ersten schöpferischen Gewalt, des Vaters, der "selbstgezeugt" genannt wird und zu dem gesagt wird: "Ihr habt euren Vater geformt und eure Mutter fruchtbar gemacht". Das Hinzufügen des Hé zum Jod ist die Hochzeit dieses Vaters mit der großen gleichberechtigten Mutter, die eine Reflexion von Nuit wie er von Hadit ist. Ihre Einheit bringt den Sohn Vau hervor, der der Erbe ist. Schließlich wird die Tochter He produziert. Sie ist beides, sowohl die Zwillingsschwester als auch die Tochter von Vau.
Seine Mission ist, sie zu erlösen, indem er sie zu seiner Braut macht; das Resultat dessen besteht darin, sie auf den Thron ihrer Mutter zu setzen, und es ist nur sie, deren jugendliche Umarmung die Alten Zeiten des All-Vaters wiedererwecken kann. In dieser komplexen Familienbeziehung wird der ganze Lauf des Universums symbolisiert. Es wird gesehen werden, daß (schließlich) die Klimax zu Ende ist. Es ist die zweite Hälfte der Formel, die das Große Werk symbolisiert, das wir zu leisten versprochen haben. Der erste Schritt dessen ist das Erreichen der Kenntnis von und Konversation mit dem Heiligen Schutzengel, was den Adepten des inneren Ordens konstituiert.
Der Wiedereintritt dieser Zwillingsgatten in den Mutterleib ist jene Initiation, die in Liber 418 beschrieben wird, die Einlaß zum innersten Orden der A*A* gewährt. Vom letzten Schritt können wir nicht sprechen.
Es wird nun erkannt worden sein, daß es schwierig, wenn nicht unmöglich sein könnte, eine praktische magische Zeremonie zu ersinnen, um Tetragrammaton in diesem umfassenden Sinne zu entsprechen. In solch einer Zeremonie könnten allein die Reinigungsrituale viele Inkarnationen beanspruchen. Es wird deshalb notwendig werden, auf die einfachere Sichtweise des Tetragrammaton zurückzukommen, nur zu erinnern, daß End-Hé, der Thron des Geistes ist, des Shin von Pentagrammaton.
Das Jod wird eine schnelle und gewaltsame schöpferische Energie repräsentieren; dem folgend wird ein ruhigerer und reflektierenderer aber sogar noch kraftvollerer Fluß des Willens entstehen, die unwiderstehliche Gewalt eines mächtigen Flusses. Dieses Stadium des Bewußtseins wird von einer Erweiterung der Bewußtheit gefolgt werden; sie wird allen Raum durchdringen, und das wird schließlich eine Kristallisation durchmachen, wiederstrahlend mit innerem Licht. Solche Modifikationen des ursprünglichen Willen mögen im Verlauf der Invokationen beobachtet werden, wenn sie richtig durchgeführt werden.
Die besonderen Gefahren einer jeden sind offensichtlich - die der ersten ist ein Blitz in der Pfanne - eine Fehlzündung; die der zweiten ein Verfallen in Träumerei oder Schwärmerei; die der dritten der Verlust der Konzentration. Ein Fehlschlag in einem dieser Punkte wird die rechte Formung des vierten verhindern oder ihr schaden.
In dem Ausdruck, der in Kapitel XV gebraucht werden wird: "Entflammet Euchselbst",
etc. wird nur die erste Stufe spezifiziert; aber, wenn das recht getan wird, werden die anderen Stufen folgen wie aus Notwendigkeit. So weit ist es geschrieben, was die Formel des Tetragrammaton betrifft.

 

 

Kapitel IV

 

Die Formel von Alhim und die von Alim

ALHIM (Elohim) ist das exoterische Wort für Götter. Es ist der maskuline Plural eines femininen Nomen, aber seine Natur ist hauptsächlich feminin. Es ist eine vollkommene Hieroglyphe der Zahl 5. Dies sollte in "Bemerkung zu Genesis" (Equinox I, 2) studiert werden.
Die Elemente sind, wie in Tetragrammaton, alle repräsentiert, aber hier findet keine Entwicklung des einen in die anderen statt. Sie sind gleichsam zusammengeworfen - ungezähmt und sympathisieren nur durch die Tugend ihrer wilden und stürmischen, aber elastisch widerstandslosen Energie. Der zentrale Buchstabe ist Hé - der Buchstabe des Atems - und repräsentiert Geist. Der erste Buchstabe Aleph ist der natürliche Buchstabe der Luft und der Endbuchstabe Mem ist der natürliche Buchstabe des Wassers. Zusammen ergeben Aleph und Mem Am - die Mutter, in deren Mutterleib der Kosmos empfangen wird.
Aber Jod ist nicht der natürliche Buchstabe des Feuers. Seine Nebeneinanderstellung mit Hé heiligt dieses Feuer dem Jod des Tetragrammaton. Ähnlich finden wir Lamed für Erde, wo wir Tau erwarten sollten - um den Einfluß von Venus zu betonen, die Libra regiert.
ALHIM repräsentiert deshalb eher die Formel der Weihe als die einer vollständigen Zeremonie. Sie ist der Atem der Segnung, dennoch so potent, daß er Leben dem Lehm und Licht der Dunkelheit geben kann.
Beim Weihen einer Waffe ist Aleph die wirbelnde Gewalt des Donnerschlages, der Blitz, der aus dem Osten sogar bis in den Westen hinein flammt. Dies ist das Geschenk der Ausübung des Donnerschlages des Zeus oder Indra, dem Gott der Luft. Lamed ist der Ochsensporn, die treibende Gewalt; und es ist ebenso die Balance, die Wahrhaftigkeit und Liebe des Magiers repräsentierend. Es ist die liebevolle Sorgfalt, die er dem Vervollkommnen seiner Instrumente widmet, und das Ausgleichen der grimmigen Gewalt, die die Zeremonie initiiert.
Jod ist die schöpferische Energie - die sich fortpflanzende Kraft; und dennoch ist Jod die Einsamkeit und das Schweigen der Einsiedelei, in die der Magier sich abgeschlossen hat.
Mem ist der Buchstabe des Wassers, und es ist das End-Mem, dessen lange flache Linien auf die friedliche See hindeuten M; nicht das gewöhnliche (initiale und mittlere) Mem, dessen Hieroglyphe eine Welle ist m . Und dann brütet im Zentrum von allem Geist, der die Sanftmut des Lammes mit den Hörnern des Widders kombiniert und der Buchstabe des Bacchus oder "Christus" ist.


Nachdem der Magier sein Instrument erschaffen, es wahrhaft ausbalanciert und mit den
Blitzen seines Willens gefüllt hat, dann wird die Waffe zur Ruhe beiseite gelegt; und in diesem Schweigen kommt eine wahre Weihe.
Die Formel von Alim Es ist außerordentlich interessant, die Formel der Elementalen Götter, die des schöpferischen Geistes beraubt sind, dem obigen zu kontrastieren. Man könnte annehmen, daß, so wie ALIM der maskuline Plural des maskulinen Nomen AL ist, seine Formel noch
männlicher wäre als die von ALHIM, was der maskuline Plural des femininen Nomen ALH ist. Ein Moment Nachforschen genügt, um die Illusion zu zerstreuen. Das Wort maskulin hat keine Bedeutung, außer in Relation zu einem femininen Korrelativ.
Das Wort ALIM kann tatsächlich als Neutrum betrachtet werden. Nach einer eher widersinnigen Übereinkunft werden Neutrum Objekte wegen ihrer oberflächlichen Ähnlichkeit in Passivität und Trägheit mit dem unbefruchteten Weib(li)chen als feminin behandelt. Aber das Weib(li)che(n) bringt durch Intervention des Männ(li)chen Leben hervor, während das Neutrum dies nur tut, wenn vom Geist geschwängert. So stellen wir fest, daß das feminine AMA durch die Wirkung des phallischen Jod zu AIMA wird, während ALIM, ein Kongreß toter Elemente, nur durch das Brüten des Geistes fruchtet.
Wenn dem so ist, wie können wir ALIM als eine magische Formel beinhaltend beschreiben? Nachfragen enthüllt die Tatsache, daß diese Formel von sehr spezieller Art ist.
Das Wort addiert sich zu 81, was eine Zahl des Mondes ist. Es ist so die Formel der Hexerei, die Hekate untersteht . Es ist nur die romantische mittelalterliche Perversion der Wissenschaft, die junge Frauen als an Hexerei teilhabend darstellt, diese ist, genaugenommen, auf den Gebrauch durch solche Frauen beschränkt, die im Magischen
Sinne des Wortes nicht länger Frauen sind, weil sie nicht länger fähig sind zu der Formel des Männlichen zu korrespondieren und deshalb eher neutrum denn feminin sind. Es geschieht aus diesem Grunde, daß ihre Methode immer auf den Mond bezogen wurde, in dem Sinne des Terms, in welchem sie nicht als feminines Korrelativ der Sonne, sondern als ausgebrannter, toter, luftloser Satelit der Erde erscheint.
Keine wahre Magische Operation kann mit der Formel ALIM durchgeführt werden. All die Werke der Hexerei sind illusorisch; und ihre scheinbaren Effekte hängen von der Idee ab, daß es möglich ist, Dinge durch bloßes Umstellen zu verändern. Man darf sich nicht auf die falsche Analogie der Xylene verlassen, um dieses Argument zu widerlegen. Es ist durchaus wahr, das geometrische Isomere sich auf unterschiedliche Arten gegenüber den Substanzen verhalten, mit denen sie in Verbindung gebracht werden. Und es ist natürlich manchmal notwendig, die Elemente eines Moleküls umzustellen, bevor dieses Molekül entweder das maskuline oder das feminine Element in einer wahren Magischen Kombination mit einem anderen Molekül formen kann.
Es ist deshalb gelegentlich unvermeidlich für einen Magier, die Struktur bestimmter Elemente zu reorganisieren, bevor er zu seiner richtigen Operation weiterschreitet. Obwohl solche Arbeit technisch Hexerei ist, darf sie aus dem Grunde nicht als unerwünscht betrachtet werden, da alle Operationen, die nicht Materie umwandeln, strenggenommen
unter diesen Titel fallen.
Der tatsächliche Einwand gegen diese Formel liegt nicht in ihrer eigenen Natur.
Hexenerei besteht darin, daß man sie behandelt wie die ausschließliche Beschäftigung der Magick, und speziell darin, daß man dem Heiligen Geist sein Recht abstreitet, Seinen Tempel zu bewohnen.

 

Kapitel V

 


Die Formel von I.A.O.

 


Diese Formel ist die hauptsächliche und charakteristischste Formel des Osiris, der Erlösung der Menschheit. I ist Isis, Natur, von A ruiniert, Apophis der Zerstörer, und von dem Erlöser Osiris dem Leben wiedergegeben. Die gleiche Idee drückt die rosenkreuzerische Formel der Dreiheit aus:
Ex Deo nascimur.
In Jesu morimur.
Per Spiritum Sanctum reviviscimus.

Dies ist ebenso mit dem Wort Lux, L.V.X., identisch, das durch die Arme des Kreuzes geformt wird. Es ist diese Formel, die in jenen alten und modernen Monumenten impliziert ist, in denen der Phallus als der Retter der Welt verehrt wird. Die Doktrin der Auferstehung, wie gewöhnlich verstanden, ist falsch und absurd. Sie ist nicht einmal "biblisch". Der heilige Paulus identifiziert den glorifizierten Körper, der
aufersteht, nicht mit dem sterblichen Körper, der stirbt. Im Gegenteil besteht er wiederholt auf die Unterscheidung.
Das selbe ist für eine magische Zeremonie wahr. Der Magier, der durch Absorbtion in die Gottheit zerstört wird, ist wirklich zerstört. Der elende sterbliche Automat verbleibt im Kreis. Er hat nicht Konsequenz für Ihn als der Staub auf dem Fußboden.
Aber bevor wir in die Details von I.A.O. als einer magickschen Formel einsteigen, sollte bemerkt werden, daß es essentiell die Formel des Yoga oder der Meditation ist; tatsächlich des elementaren Mystizismus mit all seinen Verzweigungen.
Mit Beginn einer Übung in Meditation entsteht immer eine ruhige Freude, ein sanftes, natürliches Wachstum; man hat lebhaftes Interesse an der Arbeit; sie scheint leicht; man ist ganz erfreut, begonnen zu haben. Diese Stufe repräsentiert Isis. Früher oder später wird sie von Depression gefolgt - die Dunkle Nacht der Seele, eine unendliche Erschöpfung und Abscheu vor der Arbeit. Die einfachsten und leichtesten Handlungen sind beinahe unmöglich durchzuführen. Solche Impotenz erfüllt das Bewußtsein mit Verhaftung und Verzweiflung. Die Intensität dieser Unwilligkeit kann von einer Person, die sie nicht erfahren hat, kaum verstanden werden. Dies ist die Periode des Apophis.
Ihr folgt das Entstehen nicht der Isis, sondern des Osiris. Die alte Kondition wird nicht wiederhergestellt, sondern eine neue und überlegene Kondition wird geschaffen, eine Kondition, die nur durch den Prozeß des Todes möglich gemacht wird.
Die Alchemisten selbst lehrten diese selbe Wahrheit. Die erste Materie des Werkes sei minderwertig und primitiv, wenn auch "natürlich". Nachdem sie durch verschiedene Stufen passiert ist, erscheine der "schwarze Drache"; aber daraus entstehe das reine und vollkommene Gold.
Sogar in der Legende über Prometheus finden wir eine identische Formel verborgen; und die gleiche Bemerkung ist für die über Jesus Christus und über viele andere mythische Gott-Menschen, die in verschiedenen Ländern verehrt wurden, angebracht.
Eine aus dieser Formel konstruierte magische Zeremonie befindet sich also in enger essentieller Harmonie mit dem natürlichen, mystischen Prozeß. Wir finden sie als Basis vieler wichtiger Initiationen, bemerkenswerterweise der Dritte Grad in Freimaurerei und die
5* = 6* Zeremonie des G.D., die in Equinox I, 3 beschrieben wird. Aus dieser Formel kann mit Vorteil eine zeremonielle Selbst-Initiation konstruiert werden. Die Essenz von ihr besteht darin, daß du dichselbst wie ein König kleidest, dich dann entkleidest und dich selbst erschlägst und dann von diesem Tode zu der Kenntnis von und Konversation mit dem Heiligen Schutzengel erstehst. Es gibt eine ethymologische Identität zwischen Tetragrammaton und I A O, aber die magischen Formeln sind völlig unterschiedlich, wie die hier gegebenen Beschreibungen gezeigt haben.
Professor William James hat in seinem "Vielfalt der Religiösen Erfahrung" gut als "einmal geboren" und "zweimal geboren" klassifiziert; aber die Religion, die jetzt im Liber Legis proklamiert wird, harmonisiert diese, indem sie sie transzendiert . Da gibt es keinen Versuch, den Tod los zu werden, indem er verleugnet wird, wie unter den Einmalgeborenen; noch Tod als Tor eines neuen Leben zu akzeptieren, wie unter den Zweimalgeborenen. Bei der A*A* sind Leben und Tod gleichermaßen Ereignisse in einer Karriere, sehr ähnlich wie Tag und Nacht in der Geschichte eines Planeten. Aber, um diesem Simile nachzugehen, betrachten wir diesen Planeten aus der Entfernung. Ein Bruder der A*A* sieht (wie eine andere Person es nennen würde) "sich selbst" als eines - oder eher einige - in einer Gruppe von Phänomenen. Er ist das "Nichts", dessen Bewußtheit in einem Sinne das Universum, betrachtet als ein einzelnes Phänomen in Zeit und Raum, ist und in einem
weiteren Sinne die Negation dieser Bewußtheit ist. Der Körper und das Bewußtsein des Menschen sind (wenn überhaupt) nur so wichtig wie das Teleskop des Astronomen für ihn.
Wenn das Teleskop zerstört wäre, würde dies für das Universum, auf das das Teleskop den Blick freigibt, keinen merklichen Unterschied machen.
Es wird nun verstanden werden, daß diese Formel von I A O eine Formel von Tiphareth ist. Der Magier, der sie verwendet, ist sich seiner selbst bewußt als eines Menschen, der dem Leiden unterworfen und bestrebt ist, dieses Stadium zu transzendieren, indem er eins mit Gott wird. Es wird ihm als das Höchste Ritual erscheinen, als der letzte Schritt zum Ziel; aber, wie bereits herausgearbeitet wurde, handelt es sich nur um eine vorbereitende Maßnahme. Für den normalen Menschen heutzutage jedoch repräsentiert es eine beachtliche Errungenschaft; und es gibt eine viel frühere Formel, deren Untersuchung Kapitel VI ausfüllen wird.
Der MEISTER THERION hat im siebzehnten Jahr des Äons das Wort I A O rekonstruiert, um den neuen Bedingungen der Magick, die durch den Fortschritt auferlegt werden, genüge zu tun. So das Wort des Gesetzes Thelema, dessen Zahl 93 ist, sollte diese Zahl der Kanon einer damit übereinstimmenden Messe sein. Entsprechend hat er I A O erweitert, indem er das O wie ein Ajin behandelt und dann Vau als Praefix und Affix hinzufügt. Das ganze Wort ist dann

viayv

dessen Zahl ist 93. Wir mögen dieses neue Wort detailliert analysieren und demonstrieren, daß es eine passende Hieroglyphe des Rituals der Selbst-Initiation in diesem Äon des Horus ist. Zur Korrespondenz in den folgenden Notizen siehe Liber 777. Die hauptsächlichen Punkte sind diese folgenden:



Atu
(Tarot-Trumpf)

Nr.
des
Atu

Hebräische
Buchstaben

Nr. des
Buch-
staben

Korrespondenz in
der Natur

andere
Korrenspondenzen


Der Hierophant (Osiris auf
dem Thron & gekrönt, mit
Stab)

V

Vau (ein Nagel)
Englisch V, W, Vokal
zwischen O und U -
ma'ajab und ma'aruf

6

Taurus (ein irdisches
Zeichen reguliert durch
Venus; der Mond darin
erhöht, aber männlich.)
Freiheit, d.h. freier Wille.
Die Sonne. Der Sohn in
Tetragrammaton (s. Kap. III).
Das Pentagramm, das Geist als
Meister & Versöhner der Vier
Elemente zeigt

Vier Verehrer; die vier
Elemente.


Das Hexagramm, das Mensch
und Gott vereint. Die Bewußtheit
oder Ruach.

Parzival als Kind in der Obhut
seiner verwitweten Mutter:
Horus, Sohn von Isis und dem
erschlagenen Osiris

Parzival als König und Priester
in Montsalvat, wie er
das Wunder der Erlösung
vollbringt; Horus, gekrönt und
erobernd, wie er den Platz
seines Vaters einnimmt.

Christus-Bacchus im Himmel-
Olymp, wie er die Welt rettet.

Der Eremit (Hermes mit
Lampe, Flügeln, Stab,
Mantel und Schlange).

IX
Jod (eine Hand)
Englisch I oder Y

10

Virgo (ein erdiges Zeichen
reguliert von Merkur, darin
erhöht; sexuell ambivalent).
Licht, d.h. der Weisheit, das
innerste.

Die Wurzel des Alphabet. Das
Spermatozon. Die Jugend zu
ihren Abenteuern bereit,
nachdem sie den Stab
empfangen hat Parzival in der
Einöde. Christus, der sich nach
Ägypten zurückzieht und auf
dem Berge vom Teufel versucht
wird. Unbewußter Wille oder
Wort


Der Narr (Das Baby in
dem Ei auf dem Lotus,
Bacchus Dephues, etc.)

0
Aleph (ein Ochse)
Englisch A, mehr oder
weniger.

1

Luft (Die Bedingung allen
Lebens, das unparteiische
Vehikel. Sexuell
unentwickelt). Leben, d.h.
das Organ möglichen
Ausdrucks.

Der freie Atem. Die
Svastika. Der Heilige Geist. Der
Jungfrau Mutterleib. Parzival als
"der reine Thor", der nichts
weiß. Horus. Christus-Bacchus
als unschuldiges Baby, verfolgt
von Herodes- Héré. Herkules,
der die Schlangen stranguliert.
Das unbewußte Selbst, noch
nicht in irgendeine Richtung
determiniert.


Der Teufel (Baphomet auf
dem Thron & angebetet
von Mann & Frau. Siehe
Eliphas Levis Entwurf.)

XV

Ajin (ein Auge)
Englisch A oder O,
mehr oder weniger:
das Blöken einer
Ziege, A'a

70

Capricornus (ein erdiges
Zeichen reguliert durch
Saturn; Mars darin erhöht.
Sexuell männlich) Liebe:
d.h. der Instinkt die Gottheit
durch Vereinigun gmit dem
Universum zu befriedigen.

Parzival in Schwarzer Rüstung,
bereit als Erlöser-König nach
Montsalvat zurückzu kehren:
Horus voll ausgewachsen.
Christus-Bacchus mit
Kalvarischem-Kreutz Kithairon -
Thyrsus.


IAF variiert mit aufeinanderfolgenden Äonen in Bedeutung.

Äon der Isis. Matriarchalisches Zeitalter. Das große Werk als eine aufrichtige einfache Affäre betrachtet.
Wir finden die Theorie in den Bräuchen des Matriarchats widergespiegelt. Parthenogenesis wird als wahr angenommen. Die Jungfrau (Jod-Virgo) beinhaltet in ihrselbst das Prinzip des Wachstums - den beidgeschlechtlichen Hermetischen Samen. Er wird durch die Tugend des Geistes (A = Luft, den Mutter-Geier schwängernd) das Baby in dem Ei (A - Harpokrates) und das wird die Sonne oder der Sohn (F = der Buchstabe von Tiphareth, 6, sogar wenn im Koptischen als Omega geschrieben. Siehe 777.)
Äon des Osiris. Das patriarchalische Zeitalter. Zwei Geschlechter. I betrachtet als der Vater-Stab (Jod in Tetragrammaton). A, das Baby wird vom Drachen verfolgt, der eine Flut aus seinem Maul speiht, um es zu verschlingen. Siehe Offenbarung VII. Der Drache ist ebenso die Mutter - die "Böse Mutter" nach Freud. Es ist Harpokrates, der von dem Krokodil im Nil bedroht wird. Wir finden den Symbolismus der Arche, des Sarges von Osiris etc. Der Lotus ist die Yoni; das Wasser, das Amniotische Fluid. Um sein eigenes Leben zu leben, muß das Kind die Mutter verlassen und die Versuchung überwinden, Zuflucht suchend zu ihr zurückzukehren. Kundry, Armida, Jokaste, Circe usw. sind Symbole dieser Gewalt, die den Heroen versucht. Er mag sie zu seiner Dienerin nehmen, wenn er sie gemeistert hat, so wie um seinen Vater (Amfortas) zu heilen, ihn zu rächen (Osiris) oder ihn zu befrieden (Jehova). Aber um zu Manneskraft heranzuwachsen, muß er davon ablassen, von ihr abhängig zu sein, die Lanze verdienen (Parzifal), seine Waffen beanspruchen (Achilles) oder seine Keule machen (Herkules) , und in die wasserlose Wildnis wandern, wie Krishna, Jesus, Ödipus, k.t.l. - bis zu der Stunde da er, als der "Königssohn" oder "Fahrende-Ritter", die Prinzessin gewinnen und sich selbst auf einen fremden Thron setzen muß. Beinahe alle Legenden von Heroen beinhalten diese Formel in auffallend ähnlichen Symbolen. F. Vau, die Sonne - Sohn. Er wird als sterblich angenommen; aber wie wird das
gezeigt? Es scheint eine absolute Perversion der Wahrheit: die heiligen Symbole geben keinen Hinweis darauf. Diese Lüge ist die Essenz der Großen Zauberei. Osirische Religion ist eine Freudsche Phantasie, geformt aus der großen Furcht des Menschen vor dem Tod und seiner Unkenntnis der Natur. Die Parthenogenesis-Idee bleibt hartnäckig bestehen, ist aber jetzt die Formel zur Inkarnation von Halbgöttern oder göttlichen Königen; diese müssen auf die eine oder andere Weise erschlagen und von den Toten erweckt werden. Äon des Horus. Zwei Geschlechter in einer Person. FIAOF: 93, die volle Formel, die Sonne als den Sohn (Stern) anerkennend, als die präexistente manifestierte Einheit, aus der alles entspringt und zu der alles zurückkehrt. Das
Große Werk ist es, das initiale FF von Assiah (der Welt der materiellen Illusion) in das finale FIF von Atziluth, der Welt der reinen Realität, umzuarbeiten.
Der Name, vollständig ausgeschrieben, FF + IFD + ALP + OIN + FI + 309 = ShT = XX + XI
= 31, der geheime Schlüssel des Gesetzes.
F ist der manifestierte Stern.
I ist das geheime Leben Schlange
- Licht Lampe
- Liebe Stab
- Freiheit Flügel
- Stille Mantel
Diese Symbole werden alle im Atu "Der Einsiedler" gezeigt. Sie sind Kräfte des Jod, dessen Extension das Vau ist. Jod ist die Hand, womit der Mensch seinen Willen tut. Es ist ebenso die Jungfrau; seine Essenz ist unverletzt.
A ist das Baby, "das seinen Vater geformt und seine Mutter fruchtbar gemacht hat"
- Harpokrates, etc., wie vorher; aber er entwickelt sich zu
O Der erhöhte "Teufel" (ebenso das andere, geheime Auge), durch die Formel der Initiation des Horus, die anderswo im Detail beschrieben wird. Dieser "Teufel"
wird Satan oder Shaitan genannt und mit Schrecken von den Leuten betrachtet, die seine Formel nicht kennen und, so sie sich sich selbst als böse vorstellen, die Natur selbst für ihr eigenes phantastisches Verbrechen anklagen. Satan ist Saturn, Set, Abrasax, Adad, Adonis, Attis, Adam, Adonai etc. Die am meisten ernste Beschuldigung gegen ihn ist nur, daß er die Sonne im Süden ist. Die Alten Initiierten, die, so sie getan, in Ländern wohnten, deren Blut das Wasser des Nil oder des
Euphrat war, verbanden den Süden mit leben-vernichtender Hitze und verfluchten diese Himmelsrichtung, wo die Sonnenpfeile am tödlichsten waren. Sogar in der Legende von Hiram, geschieht es am Mittag, daß er schwer getroffen und erschlagen wird.
Darüberhinaus ist Capricornus das Zeichen, in das die Sonne eintritt, wenn sie ihre äußerste südliche Deklination zum Windersolstitium erreicht, für das Volk der nördlichen Hemisphäre die Jahreszeit des Todes der Vegetation. Dies gab ihnen einen zweiten Grund, den Süden zu verfluchen. Ein Dritter; die Tyrannei heißer, trockener, giftiger Winde; die Drohung der Wüsten und Ozeane, fürchterlich, weil mysteriös und unpassierbar; ebenso diese waren in ihrem Bewußtsein mit dem Süden verbunden. Aber für uns, astronomischer Tatsachen bewußt, ist dieser Antagonismus gegen den Süden ein dummer Aberglaube, den die Zufälle ihrer örtlichen Umstände unseren animistischen Vorfahren suggerierten. Wir sehen keine Feindschaft zwischen rechts und links, oben und unten und ähnlichen Paaren von Gegensätzen. Diese Antithesen sind nur als eine Angabe für Relation real; sie sind die Konventionen eines willkürlichen Einfalls, unsere Ideen in einem pluralistischen Symbolismus, der auf Dualität basiert, darzustellen. "Gut" muß in Ausdrücken menschlicher Ideale und Instinkte definiert werden. "Osten" hat keine Bedeutung, außer in Bezug auf die internen Affären der Erde; als absolute Richtung im Raum wechselt es alle 4 Minuten um einen Grad. "Oben" ist für keine zwei Menschen das gleiche, außer einer befindet sich zufällig auf der Geraden, die den anderen mit dem Zentrum der Erde verbindet. "Hart" ist die private Meinung unserer Muskeln. "Wahr" ist ein äußerst unverständliches Epitheton, das sich gegen die Analyse unserer fähigsten Philosophen harnäckig bewährt hat.
Wir haben deshalb keinen Skrupel, die "Teufelsanbetung" solcher Ideen wie jener wiederaufzunehmen, welche die Gesetze des Klanges und die Phänomene von Sprache und Gehör uns zwingen, sie mit der Gruppe von "Göttern" in Verbindung zu bringen, deren Namen auf ShT oder D basieren, zum Klingen gebracht durch das frei ausgeatmete A. Denn
diese Namen implizieren die Qualitäten von Mut, Freimütigkeit, Energie, Stolz, Kraft und Triumpf; sie sind die Worte, die den kreativen und väterlichen Willen ausdrücken.
Also ist "der Teufel" Capricornus, der Ziegenbock, der auf die höchsten Berge springt, die Gottheit, die den Menschen, wenn sie sich in ihm manifestiert, zu Aegipan, dem All, macht.
Die Sonne tritt in dieses Zeichen ein, wenn er sich wendet, das Jahr im Norden zu erneuern. Er ist ebenso der Vokal O, recht passend zu brüllen, zu donnern und zu kommandieren, so er ein gewaltiger Atem ist, der durch den festen Kreis des Mundes kontrolliert wird.
Er ist das Offene Auge der erhöhten Sonne, vor dem alle Schatten hinwegfliehen; auch das Geheime Auge, das ein Bild seines Gottes macht, das Licht, und Kraft gibt, Orakel zu äußern, die das Bewußtsein erleuchten.
Also ist er der zum Gott gemachte Mensch, erhöht und eifrig; er kam bewußt zu seiner vollen Gestalt und ist so bereit, auf seine Reise zu gehen, um die Welt zu erlösen. Aber er mag nicht in seiner wahren Form erscheinen; die Vision von Pan würde die Menschen vor Furcht verrückt werden lassen. Er muß Sich hinter seiner ursprünglichen Maske verbergen.
Er wird deshalb scheinbar der Mensch, der er am Anfang war; er lebt das Leben eines Menschen; in der Tat ist er völlig Mensch. Aber seine Initiation hat ihn zum Meister des Geschehens gemacht, indem sie ihm das Verstehen gegeben hat, daß alles, was auch immer ihm geschieht, die Ausführung seines wahren Willen ist. So wird die letzte Stufe seiner
Initiation in unserer Formel ausgedrückt als das finale: F - Die Serie der Transformationen hat seine Identität nicht beeinflußt; aber sie hat ihn sich selbst erklärt. Ähnlich ist Kupfer immer noch Kupfer nach Cu + O = CuO:
+ H2SO4 = CuS4O(H2O): +K2S = CuS(K2SO4): + Schweißbrenner und reduzierendes Agens = Cu(S).
Es ist das gleiche Kupfer; aber wir haben einige seiner Eigenschaften kennengelernt. Wir beobachten speziell, daß es, durch all seine Abenteuer hindurch und in all seinen Verkleidungen, selbst unzerstörbar und unverletzlich ist. Wir sehen darüberhinaus, daß es nur von seinen Kräften Gebrauch machen, die Möglichkeiten seiner Natur erfüllen und
seinen Gleichungen genügen kann, wenn so mit seinen Gegenstücken kombiniert. Seine Existenz als eine separate Substanz ist Beweis für seine Abhängigkeit von Spannung; und diese wird als der Schmerz einer unbegreiflichen Sehnsucht gefühlt, bis es realisiert, daß jede Erfahrung einer Erleichterung, ein Ausdruck seiner selbst, ist; und daß es durch nichts, was ihm widerfährt, geschädigt werden kann. Im Äon des Osiris wurde in der Tat realisiert, daß Man(n) sterben muß, um zu leben. Aber jetzt, im Äon des Horus, wissen wir, daß jedes Ereignis ein Tod ist; Subjekt und Objekt erschlagen einander in "Liebe unter Willen"; jeder
solche Tod ist selbst Leben, die Mittel, durch die man sich selbst in einer Abfolge von Episoden realisiert.
Der zweite Hauptpunkt ist die Vervollständigung des A, Baby Bacchus, durch das O, Pan (Parzifal gewinnt die Lanze etc.).
Der erste Vorgang ist, daß I in dem V zu finden - Initiation, Reinigung, die Geheime Wurzel seiner Selbst finden, die beidgeschlechtliche Jungfrau, die 10 (Malkuth) ist, aber vollständig ausgeschrieben 20 (Jupiter).
Dieses Jod in der Jungfrau erweitert sich zu dem Kind im Ei, indem die Geheime Weisheit der Wahrheit des Hermes in die Stille des Narren formuliert wird. Er erwirbt den Augen-Stab, indem er gewahr wird und handelt und verehrt wird. Das Umgekehrte Pentagramm - Baphomet - der voll ausgewachsene Hermaphrodit - erzeugt sich selbst aus
sich selbst, wiederum als V. Beachte, daß es nun durchweg zwei Geschlechter in einer Person gibt, so daß jedes Individuum sexuell selbst-erzeugungsfähig ist, wohingegen Isis nur ein Geschlecht kannte,
und Osiris die beiden Geschlechter für entgegengesetzt hielt. Ebenso ist die Formel jetzt Liebe, in allen Fällen; und das Ende ist der Anfang, auf einer höheren Ebene.
Das I wird aus dem V geformt, indem der Schwanz entfernt wird, das A durch Balancieren von 4 Jods, das O, indem ein umgekehrtes Dreieck aus Jods gemacht wird, was auf die Formel von Nuit - Hadit - Ra-Hoor-Khuit hindeutet. A ist die Elemente, die wie eine Swastika wirbeln - die kreative Energie in equilibrierter Aktion.

 

Kapitel VI

 


Die Formel des Neophyten

 


Diese Formel hat den normalen, aller Dinge völlig unwissenden und unfähigen Menschen zur "ersten Materie". Er wird deshalb mit verbundenen Augen und gefesselt dargestellt. Seine einzige Hilfe ist sein Streben, das durch den Offizier dargestellt wird, der ihn in den Tempel zu führen hat. Vor dem Eintreten muß er gereinigt und geweiht werden. Einmal im Tempel, wird er von ihm gefordert, sich durch einen Eid zu binden. Sein Streben wird jetzt als Wille formuliert. Er macht die mystische Durchkreisung des Tempels, aus den Gründen, die im Kapitel über "Geste" beschrieben werden. Nach weiterer Reinigung und Weihung wird ihm erlaubt, für einen Moment den Herrn des Westens zu sehen und er gewinnt Mut durchzuhalten. Zum dritten Mal wird er gereinigt und geweiht, und er sieht den Herrn des Ostens, der die Balance erhält, was ihn auf einer gerader Linie hält. Im Westen gewinnt er Energie. Im Osten wird davor bewahrt, dieselbe zu verschwenden. So gefestigt mag er von den drei Hauptoffizieren als Neophyt in den Orden empfangen werden, also so das Kreuz mit dem Dreieck einend. Er mag dann zwischen die Säulen des Tempels gestellt werden, um die
vierte und letztendliche Weihung zu empfangen. In dieser Position werden ihm die Geheimnisse des Grades mitgeteilt, und die letzte seiner Fesseln wird entfernt. All dies wird durch das Sakrament der Vier Elemente besiegelt.
Es wird gesehen werden, daß die Wirkung dieser gesamten Zeremonie darin besteht, einträges und impotentes Ding mit balancierter Bewegung in eine gegebene Richtung auszustatten. Zahlreiche Beispiele dieser Formel sind in Equinox, I, No. 2 und 3 angegeben.
Es ist die Formel der Neophyten-Zeremonie des G.D. Sie sollte bei der Weihung der tatsächlichen Waffen, die der Magier benutzt, verwendet werden und mag ebenso als die erste Formel der Initiation benutzt werden.
In dem Z 2 genannten Buch (Equinox I, 3) werden vollständige Details dieser Formel angegeben, die nicht zu sorgfältig studiert und praktiziert werden können. Sie ist unglücklicherweise die komplexeste von allen. Aber das ist der Makel der ersten Materie des Werkes, die so verworren ist, daß viele Operationen erforderlich sind, um sie zu einen.

 

Kapitel VII

 


Die Formel des Heiligen Gral:


VON ABRAHADABRA:


und bestimmten anderen Worten.

 


Ebenso: das magische Gedächtnis.
Die Hieroglyphe, die in dem Siebenten Schlüssel des Tarot gezeigt wird (beschrieben im 12. Aethyr, Liber 418, Equinox I, 5), ist der Wagenlenker UNSERER LADY BABALON, deren Kelch oder Gral er trägt.
Nun ist dies eine wichtige Formel. In einem Sinne ist sie die erste der Formeln, denn sie ist die Formel des Verzichts . Sie ist ebenso die letzte!
Von diesem Kelch wird gesagt, daß er voll vom Blut der Heiligen ist; das heißt, jeder "Heilige" oder Magier muß den letzten Tropfen seines Lebensblutes in diesen Kelch geben. Es ist der ursprüngliche Preis, der für magicksche Kraft bezahlt wird. Und wenn wir mit magickscher Kraft die wahre Kraft meinen, die Assimilation aller Gewalt mit dem Ultimaten Licht, die wahre Hochzeit des Rosenkreuzes, dann ist dieses Blut das Offerieren der Jungfräulichkeit, das einzige Opfer, dem Meister zum Wohlgefallen, das Opfer, dessen einziger Lohn der Schmerz ist, ihm ein Kind zu gebären.
Aber "seine Seele dem Teufel zu verkaufen", zu verzichten, egal auf was, für einen Gegenwert an persönlichem Gewinn , ist schwarze Magie. Du bist nicht länger ein edler Spender von all deinem, sondern ein gemeiner Straßenhändler.
Diese Formel ist jedoch im Symbolismus etwas unterschiedlich, insofern es eine Frau ist, deren Kelch gefüllt werden muß. Es ist eher das Opfer des Mannes, der das Leben auf seine Nachkommen überträgt. Denn eine Frau trägt nicht in sich selbst das Prinzip neuen Lebens, außer zeitweilig, wenn es ihr gegeben wird.

Aber hier impliziert die Formel sogar noch viel mehr als das. Denn es ist sein ganzes Leben, das der Magus UNSERER LADY offeriert. Das Kreuz ist beides, sowohl Tod als auch Erzeugung, und auf dem Kreuz ist es, wo die Rose erblüht. Die vollständige Bedeutung dieser Symbole ist so erhaben, daß sie für eine elementare Abhandlung dieser Art kaum
paßt. Man muß ein Exempt Adept sein und bereit geworden sein, weiterzuschreiten, bevor man die Symbole auch nur von der niederen Ebene her sehen kann. Nur ein Meister des Tempels kann sie vollständig verstehen.
(Wie auch immer, der Leser mag Liber CLVI in Equinox I, 6, den 12. und 2. Aethyr in Liber 418 in Equinox, I, 5 und den Symbolismus des V* und VI* im O.T.O. studieren.)
Es wäre noch mehr unrecht, an diesem Ort von der Aufbewahrung dieses Blutes zu sprechen, das UNSERE LADY dem ALTEN, CHAOS , dem All-Vater, offeriert, um ihn wiederzubeleben, und davon, wie seine göttliche Essenz die Tochter (die Seele des Menschen) erfüllt und sie auf den Thron der Mutter setzt, was die Ökonomie des Universums erfüllt und also letztendlich den Magier (den Sohn) zehntausendfach belohnt.
Ein so heiliges Mysterium ist das Arcanum der Meister des Tempels, daß hier daraufhingewiesen wird, um die Anmaßenden zu blenden, die suchen mögen, dessen unwürdig, den Schleier zu lüften, und um gleichzeitig die Dunkelheit solcher zu erleuchten, wie sie nur einen Strahl der Sonne benötigen mögen, um in Leben und Licht zu entspringen.


II
ABRAHADABRA ist ein Wort, das in Equinox I, 5 "Der Tempel des König Solomon"
studiert werden muß. Es repräsentiert das Große Werk vollständig, und es ist deshalb ein Archetyp aller geringeren magischen Operationen. Es ist in einer Weise zu vollkommen, um zum Vorteil irgendeiner von ihnen angewendet zu werden. Aber ein Beispiel solch einer Operation mag in Equinox I, 7 "Der Tempel des König Solomon" studiert werden, wo eine Anrufung von Horus nach dieser Formel vollständig angegeben wird. Beachte den Widerhall der Ideen, eine gegen die andere. Die Formel von Horus wurde bis jetzt nicht so vollständig im Detail ausgearbeitet, daß eine Abhandlung über ihre exoterische Theorie und Praxis gerechtfertigt wäre; aber man mag sagen, daß sie im Verglich zur Formel des Osiris das ist, was die Turbine zum Kolbenmotor ist.


III
Es gibt viele andere heilige Worte, die in speziellen Operationen Formeln großer Wirksamkeit einschließen.
Zum Beispiel gibt V.I.T.R.I.O.L. eine bestimmte Lebensweise der Planeten an, die in Alchemischer Arbeit nützlich ist. Ararita ist eine Formel des Makrokosmos, die in bestimmten sehr erhabenen Operationen der Magick des Innersten Lichtes sehr potent ist.
(Siehe Liber 813.)
Die Formel von Thelema mag so zusammengefaßt werden: q "Babalon und das Biest verbunden" - e auf zu Nuit (CCXX, I, 51) - l Das Werk in Gerechtigkeit geleistet - h der Heilige Gral - m Das Wasser darin - a Das Baby in dem Ei (Harpokrates auf dem Lotus).
Die von Agape ist wie folgt:
Dionysos (großes A) - Die Jungfräuliche Erde g - Das Baby in dem Ei (kleines a - das Bildnis des Vaters) - Das Massaker an den Unschuldigen, p (Weinpresse) - Der Schluck von
Ekstase, h.
Der Student wird es seiner Mühe wohl wert finden, diese Ideen im Detail herauszusuchen und die Technik ihrer Anwendung zu entwickeln.
Es gibt auch den Gnostischen Namen der Sieben Vokale, der eine musikalische Formel ergibt, die bei Anrufungen der Seele der Natur am stäksten ist. Darüberhinaus gibt es ABRAXAS; es gibt XNOUBIS; es gibt MEITHRAS; und in der Tat mag in Kürze erklärt werden, daß jeder wahre Name Gottes die Formel der Invokation dieses Gottes angibt. Es wäre deshalb unmöglich, sogar wäre es erwünscht, all solche Namen zu analysieren. Die allgemeine Methode, dies zu tun, wurde angegeben, und der Magier muß sich selbst seine eigene Formel für spezielle Fälle ausarbeiten.


IV
Es sollte ebenso bemerkt werden, daß jeder Grad seine eigentümliche magische Formel hat. So betrifft die Formel von Abrahadabra uns als Menschen hauptsächlich, weil jeder von uns das Pentagramm oder Mikrokosmos repräsentiert; und unser Ausgleich muß deshalb mit dem Hexagramm oder Makrokosmos geschehen. In anderen Worten, 5* = 6* ist die Formel der Solaren Operation; aber dann ist 6* = 5* die Formel der Marsischen Operation und diese Umkehrung der Figuren impliziert eine sehr unterschiedliche Arbeit. Im ersten Falle bestand das Problem darin, den Mikrokosmos im Makrokosmos aufzulösen; aber
dieses andere Problem betseht darin, eine spezielle Kraft vom Makrokosmos zu trennen,
gerade wie ein Wilder aus den Ablagerungen in einem Kalkfelsen einen Feuerstein heraushauen möchte. Ähnlich wird eine Operation des Jupiter von der Natur des Ausgleichens von ihm mit Venus sein. Ihre graphische Formel wird 7* = 4* sein und es wird ein Wort geben, in dem der Charakter dieser Operation beschrieben wird, gerade wie Abrahadabra die Operation des Großen Werkes beschreibt.
Es mag, ohne unfair zu sein, als ein grobes allgemeines Prinzip, erklärt werden, daß je
weiter die beiden Seiten der Gleichungen von der ursprünglichen Gleichheit sind, desto schwieriger die Operation zu durchzuführen ist.
So ist es, um den Fall der persönlichen Operation, die durch die Grade symbolisiert wird, zu nehmen, schwieriger, ein Neophyt 1* = 10* zu werden, als von diesem Grade zum Zelator, 2* = 9*, zu passieren.
Initiation ist deshalb in einem bestimmten Sinne, progressiv leichter, nachdem der erste Schritt unternommen wurde. Aber (speziell nach dem Passieren von Tiphareth) die Distanz zwischen Grad und Grad wächst, gleichsam einer geometrische Progression mit einem enorm hohen Faktor, der selbst progressiv ist.
Es ist offensichtlich unmöglich, Details all dieser Formeln anzugeben. Bevor er irgendeine Operation beginnt, muß der Magier immer ein sorgfältiges qabalistisches Studium von ihr unternehmen, um so ihre Theorie in der Symmetrie der Perfektion auszuarbeiten. Bereit-Sein in Magick ist genauso wichtig wie im Krieg.


V
Es sollte vorteilhaft sein, ein etwas detaillierteres Studium des seltsam aussehenden Wortes AUMGN zu unternehmen; denn seine Analyse bietet eine exzellente Illustration der Prinzipien, aus denen der Prakticus seine eigenen Heiligen Wörter konstruieren mag.
Dieses Wort wurde von dem MEISTER THERION selbst ausgesprochen, als ein Mittel, seine eigene persönliche Arbeit als das Biest, der Logos des Äons, zu deklarieren. Um es zu verstehen, müssen wir eine vorbereitende Betrachtung des Wortes, das es ersetzt und aus
dem es entwickelt wurde, unternehmen: das Wort AUM.
Das Wort AUM ist das heilige Hindu-Mantra, das die höchste Hieroglyphe der Wahrheit war, ein Kompendium der Heiligen Kenntnis. Viele Bände wurden in Anbetracht dessen geschrieben; aber für unseren gegenwärtigen Zweck wird es nur notwendig sein zu erklären, wie es dazu kam, der Darstellung der hauptsächlichen philosophischen Lehrsätze der Rishis zu dienen.
Zuerst repräsentiert es den kompletten Lauf des Klanges. Es wird ausgesprochen, indem man den Atem vom hinteren Rachen mit weit offenem Mund durch die Mundhöhle treibt, wobei die Lippen so geformt werden, daß der Klang von A nach O (oder U) modifiziert wird, bis zu den geschlossenen Lippen, wenn er M wird. Symbolisch verkündet dies den Lauf der Natur als ausgehend von freier und formloser Schöpfung, durch kontrollierte und geformte Erhaltung hindurch, zur Stille der Zerstörung. Die drei Klänge werden in einen
harmonisiert; und so repräsentiert das Wort die Hindu-Dreiheit von Brahma, Vishnu und Shiva; und die Operationen im Universum ihrer dreieinigen Energie. Es ist so die Formel eines Manvantara, oder Periode manifestierter Existenz, das sich mit Pralaya abwechselt,
während dessen Schöpfung latent ist.
Qabalistisch analysiert, stellt man fest, daß das Wort ähnliche Eigenschaften besitzt. A ist das Negative und auch die Einheit, die es in eine positive Form konzentriert. A ist der Heilige Geist, der Gott in Fleisch auf der Jungfrau zeugt, entsprechend der den Studenten
von "Der Goldene Zweig" vertrauten Formel. A ist auch das so hervorgebrachte "Baby in dem Ei". Die Qualität von A ist also bisexuell. Es ist das ursprüngliche Sein - Zeus Arrhenothelus, Bacchus Diphues oder Baphomet.
U oder V ist der manifestierte Sohn selbst. Seine Zahl ist 6. Es bezieht sich daher auf die duale Natur des Logos als göttlich und menschlich; das Verflechten der aufrechten und
umgekehrten Dreiecke im Hexagramm. Es ist die erste Zahl der Sonne, deren letzte Zahl 666 "die Zahl eines Menschen" ist.
Der Buchstabe M zeigt die Beendigung dieses Prozesses. Er ist der Gehängte des Tarot;
die Formung des Individuums aus dem Absoluten wird mit seinem Tod abgeschlossen.
Wir sehen entsprechend, wie AUM in beiden Systemen der Ausdruck eines Dogmas ist, das eine Katastrophe in der Natur impliziert. Es ist mit der Formel des Erschlagenen Gottes verwandt. Die "Auferstehung" und "Himmelfahrt" sind in ihm nicht impliziert. Sie sind spätere Erfindungen, ohne Basis in Notwendigkeit; sie mögen in der Tat als Freud'sche
Phantasmen beschrieben werden, die durch die Furcht, der Realität ins Gesicht zu sehen, heraufbeschworen wurden. Für den Hindu sind sie in der Tat noch weniger ehrbar. Seiner Ansicht nach ist Existenz essentiell anstößig ; und sein hauptsächliches Anliegen ist, Shivazu invozieren, um die Illusion zu zerstören, deren Sklaverei der Fluch des Manvantara ist.
Die kardinale Offenbarung des Großen Äon des Horus ist, daß diese Formel AUM nicht die Tatsachen der Natur repräsentiert. Die Perspektive basiert auf einem fehlerhaften Begreifen des Charakters der Existenz. Es wurde Dem Meister Therion bald offenkundig, daß AUM eine inadäquate und irreführende Hieroglyphe ist. Es erklärte nur einen Teil der Wahrheit, und es impliziert eine fundamentale Falschheit. Er entschied konsequent, das Wort auf solche Art zu modifizieren, um es passend zu machen, damit es das Arcanum, das durch das Äon enthüllt wurde, wovon er erreicht hatte, der Logos zu sein, repräsentiert.
Die essentielle Aufgabe war, die Tatsache zu betonen, daß Natur nicht katastrophisch ist, sondern mittels wellenartiger Auf- und Abbewegungen voranschreitet. Es könnte vorgeschlagen werden, daß Manvantara und Pralaya in Wirklichkeit komplementäre Kurven sind; aber die Hindu-Doktrin beharrt stark auf Leugnung der Kontinuität der
aufeinanderfolgenden Phasen. Es war nichtsdestoweniger wichtig, eine Störung der Dreiheitlichen Anordnung des Wortes zu vermeiden, wie sie durch die Hinzufügung anderer Buchstaben erreicht würde. Gleichermaßen war es wünschenswert, klarzumachen, daß der Buchstabe M eine Operation repräsentiert, die in der Natur nicht tatsächlich vorkommt, außer als das Zurückziehen der Phänomene ins Absolute; welcher Prozeß, sogar wenn so verstanden, keine wahre Zerstörung ist, sondern im Gegenteil, die Emanzipation jeglichen
Dinges von den Modifikationen, die es fälschlich für sich selbst gehalten hatte. Ihm kam der Gedanke, daß die wahre Natur der Stille darin bestehe, die ununterbrochene Schwingung der wellenförmigen Energie zu erlauben, frei von den falschen Konzeptionen, die ihr von Ahamkara oder der Ego-machenden Fähigkeit angehängt werden, deren Annahme, daß bewußte Individualität Existenz konstituiert, sie dazu führte, ihren eigenen scheinbar katastrophischer Charakter als zur Ordnung der Natur gehörend zu betrachten.
Die wellenförmige Formel der Putrefaktion wird in der Qabalah durch den Buchstaben N repräsentiert, der sich auf Scorpio bezieht, dessen dreieinige Natur den Adler, die Schlange und den Skorpion kombiniert. Diese Hieroglyphen selbst deuten auf die spirituellen Formeln der Inkarnation hin. Er war ebenso ängstlich den Buchstaben G zu gebrauchen, eine andere dreieinige Formel, Ausdruck für die Aspekte des Mondes, die weiterhin die Natur der menschlichen Existenz in der folgenden Art erklärt. Der Mond ist an sich ein dunkler Bereich; aber ein Erscheinen von Licht wird ihm von der Sonne mitgeteilt; und es ist genau in dieser Weise, daß aufeinanderfolgende Inkarnationen die Erscheinung erschaffen, gerade wie der individuelle Stern, was jeder Mensch ist, er selbst bleibt, ungeachtet, ob die Erde ihn wahrnimmt oder nicht.
Nun trifft es sich, daß die Wurzel GN sowohl Kenntnis als auch Erzeugen bedeutet, kombiniert in einer einzigen Idee, in einer unumschränkten Form, unabhängig von Persönlichkeit. Das G ist ein stiller Buchstabe, wie in unserem Wort Gnosis; und der Klang GN ist nasal, er deutet deshalb auf den Atem des Lebens, im Gegensatz zu dem des Sprechens hin. Von diesen Überlegungen genötigt, schlug der Meister Therion vor, das M von AUM durch einen zusammengesetzten Buchstaben MGN zu ersetzen, um dadurch die feine Transformation von scheinbaren Stille und Tod zu symbolisieren, die das manifestierte Leben des Vau durch eine kontinuierliche Schwingung einer unpersönlichen Energie der Natur von Erzeugung und Kenntnis terminiert, der Jungfräuliche Mond und die Schlange wirken daraufhin, in die Idee eine Erinnerung an die Legende, die in der hebräischen Legende des Garten Eden so grob deformiert wurde, und ihre sogar noch bösartiger herabgewürdigte Verfälschung in dieser bitterlich sektiererischen Schlagzeile, die Apokalypse, einzuschließen.
Gesunde Arbeit rechtfertigt sich unabänderlich selbst dadurch, daß sie bestätigende Folgesätze liefert, die vom Qabalisten nicht erwägt wurden. Im vorliegenden Beispiel war der Meister Therion entzückt zu bemerken, daß sein zusammengesetzter Buchstabe MGN, der nach theoretischen Prinzipien, mit der Idee, die neue Kenntnis des Äons zu verkörpern, konstruiert wurde, den Wert 93 (M = 40, G = 3, N = 50) hatte. 93 ist die Zahl des Wortes des Gesetzes - Thelema - Wille und von Agapé - Liebe, was die Natur des Willen zeigt. Es ist weiterhin die Zahl des Wortes, das den Tod überwindet, wie Mitglieder Grades des M.M.
des O.T.O. sich wohl bewußt sind; und es ist auch die der kompletten Formel der Existenz, wie im Wahren Wort des Neophyten ausgedrückt, wo Existenz genommen wird, um die Phase des Ganzen einzuführen, die die endgültige Resolution des Qabalistischen Zero ist.
Schließlich ist der totale Zahlwert des Wortes AUMGN 100, was, wie Initiierte des Sanctuariums der Gnosis des O.T.O. gelehrt werden, die Einheit unter der Form der kompletten Manifestation nach dem Symbolismus der reinen Zahl ausdrückt, Kether nach Aiq Bkr ; ebenso Malkuth mit sich selbst multipliziert und so im phänomenalen Universum
etabliert. Aber darüberhinaus zeigt diese Zahl 100 mysteriöserweise die magische Formel des Universums, als eine widerhallende Maschinerie zur Ausweitung der Nichtsheit durch die Erfindung ausgeglichener Gegensätze.
Es ist darüberhinaus der Wert des Buchstaben Qoph, was "die Rückseite des Kopfes" meint, das Kleinhirn, wo die schöpferische oder reproduktive Gewalt in erster Linie gelegen ist. Qoph ist im Tarot "der Mond", eine Karte, die auf Illusion hinweist, dennoch gegenstückliche, in der Dunkelheit wirkende Gewalten und den Geflügelten Käfer oder die
Mitternachtsonne, wie sie in ihrer Barke durch den Nadir reist, zeigt. Seine yetziratische Zurechnung ist Pisces, symbolisch für die positiven und negativen Ströme der fluidischen Energie, den männlichen Ichthus oder "Pesce" und die weibliche Vesica, die die Anode beziehungsweise Katode suchen. Die Zahl 100 ist daher eine synthetische Glyphe für die
feinen Energien, die bei der Erschaffung der Illusion oder Reflektion der Realität, die wir manifestierte Existenz nennen, verwendet werden.
Das obige sind die hauptsächlichen Überlegungen in der Angelegenheit von AUMGN. Sie sollten genügen, dem Studenten die bei der Konstruktion der Hieroglyphen der Magick verwendeten Methoden zu illustrieren und ihn mit einem Mantra von fürchterlicher Kraft zu bewaffnen, durch dessen Tugend er das Universum begreifen und seine Karmischen Konsequenzen in sich selbst kontrollieren kann.

 

VI Das magische Gedächtnis

 


I
Es gibt keine wichtigere Aufgabe als die Erforschung seiner früheren Inkarnationen.
Wie Zoroaster sagt: "Erforsche den Strom der Seele, woher und in welcher Folge du gekommen bist." Man kann seinen wahren Willen nicht intelligent tun, außer man weiß, worin er besteht. Liber Thisharb, Der Equinox I, 7 gibt Instruktionen, dies zu bestimmen, indem man
die Resultante der Kräfte, welche einen zu dem gemacht haben, was man ist, kalkuliert. Aber diese Übung ist auf jemandes gegenwärtige Inkarnation begrenzt.
Wachte man in einem Boot auf einem unbekannten Fluß auf, wäre es voreilig zu schließen, daß die Richtung der einen sichtbaren Strecke die des ganzen Stromes ist. Es würde sehr viel helfen, wenn man sich an die Richtungen früherer Stromstrecken erinnern könnte, die man vor dem Einschlummern durchfuhr. Es würde die Sorge weiter mindern, wenn man sich bewußt würde, daß eine einheitliche und konstante Kraft die einzige Determinante für alle Windungen des Stromes ist: Gravitation. Wir könnten uns darüber freuen, "daß selbst der ermüdendste Fluß sich irgendwo sicher zum Meer hin windet".
Liber Thisharb beschreibt eine Methode, das magische Gedächtnis dadurch zu erlangen, daß man lernt, sich zurückzuerinnern. Aber das sorgfältige Üben von Dharana ist vielleicht von allgemeineren Nutzen. Wenn man die zugänglicheren Gedanken am aufsteigen hindert,
stoßen wir auf tiefere Ebenen - Erinnerungen der Kindheit erwachen wieder. Noch tiefer liegt eine Klasse von Gedanken, deren Ursprung uns verwirrt. Einige von diesen gehören scheinbar zu früheren Inkarnationen. Indem wir diese Abteilungen unseres Bewußtseins
kultivieren, können wir sie entwickeln; wir werden Experten; wir bilden aus diesen ursprünglich unverbundenen Elementen einen organisierten Zusammenhang; einmal den Kniff an der Angelegenheit gemeistert, wächst die Fähigkeit mit erstaunlicher Schnelligkeit.
Es ist (aus offensichtlichen Gründen) viel leichter, das magische Gedächtnis zu erlangen, wenn man für viele Leben dazu verschworen war, sich unmittelbar zu reinkarnieren. Das große Hindernis ist das Phänomen, das Freud'sche Vergeßlichkeit genannt wird; d.h. daß,
obgleich ein unerfreuliches Ereignis vom Mechanismus des Gehirns sorgfältig genug aufgezeichnet sein mag, es uns dennoch nicht gelingt, uns daran zu erinnern, oder wir erinnern es falsch, weil es schmerzlich ist. "Die Psychopathologie des Alltagslebens" analysiert und illustriert dieses Phänomen im Detail. Da nun der König des Terrors der Tod ist, ist es tatsächlich schwer, ihm ins Gesicht zu sehen. Die Menschheit hat ein Heer phantastischer Masken geschaffen; Leute reden davon, "in den Himmel zu kommen", "hinüber zu gehen" usw; Banner, die von den Papptürmen haltloser Theorien herabgehängt werden. Man zuckt instinktiv vor der Erinnerung an seinen letzten, genauso wie vor der
Vorstellung seines nächsten, Tod zurück . Der Standpunkt eines Initiierten hilft einem imens.
Sobald man einmal diese Pons Asinorum überschritten hat, wird die Übung viel leichter.
Es macht viel weniger Ärger, das Leben vor dem letzten zu erreichen; Vertrautheit mit dem Tod bringt Verachtung davor hervor.
Es ist für den Anfänger eine sehr große Hilfe, wenn er intellektuelle Gründe dafür hat, sich mit einer bestimmten Person in der unmittelbaren Vergangenheit zu identifizieren. Ein kurzer Bericht über Aleister Crowleys gutes Gelingen in dieser Angelegenheit dürfte instruktiv sein. Es wird gesehen werden, daß die Kontaktpunkte ihrem Charakter nach sehr variieren.
1. Das Datum des Todes von Eliphas Levi war etwa 6 Monate vor dem der Geburt von Aleister Crowley. Es wird angenommen, daß das reinkarnierende Ego vom Fötus etwa in diesem Entwicklungsstadium Besitz ergreift.
2. Eliphas Levi hatte eine auffallende persönliche Ähnlichkeit mit Aleister Crowleys Vater.
Dies legt natürlich nur einen gewissen Grad der Eignung nahe, vom physikalischen Standpunkt her gesehen.
3. Aleister Crowley schrieb zu einer Zeit, als er noch keine von Eliphas Levis Arbeiten gelesen hatte, ein Schauspiel mit Namen "Die verhängsnisvolle Kraft". Das Motiv dieses Schauspiels ist eine magische Operation von sehr besonderer Art. Die Formel, von der Aleister Crowley annahm, daß sie seine ursprüngliche Idee sei, ist bei Levi erwähnt. Wir waren nicht fähig, sie irgendwo anders mit solch exakter Korrespondenz in jedem Detail zu verfolgen.
4. Aleister Crowley fand ein bestimmtes Viertel von Paris ihm unverständlich vertraut und attraktiv. Dies war nicht das normale Phänomen des dejà vu, es war hauptsächlich ein Gefühl, wieder zu Hause zu sein. Lange danach entdeckte er, daß Levi für viele Jahre in der Nachbarschaft gelebt hatte.
5. Es gibt viele kuriose Ähnlichkeiten zwischen den Ereignissen in Eliphas Levis Leben und denen in Aleister Crowleys. Die Intention der Eltern, daß ihr Sohn eine religiöse Laufbahn einschlagen sollte; die Unfähigkeit von sehr bemerkenswerten Talenten, auf irgendeinem regulären Weg Gebrauch zu machen; der unerklärliche Ächtung, welche ihn heimsuchte und deren Urheber irgendwie über sich selbst beschämt zu sein schienen; die Hergänge bezüglich der Hochzeit : all diese zeigen überraschend enge Parallelen.
6. Die Charaktere der zwei Menschen zeigen in vielen Punkten subtile Identitäten. Beide scheinen ständig zu versuchen, unvereinbare Antagonismen miteinander zu versöhnen.
Beide finden es schwer, den Wahn zu zerstören, daß die festen Glauben und Gewohnheiten der Menschen durch einige wenige freundliche Erklärungen grundlegend geändert werden können. Beide zeigen eine kuriose Vorliebe für nicht-alltägliches Lernen, obskure Wissensquellen bevorzugend, nehmen sie exzentrische Erscheinungsbilder an. Beide rufen in absolut Fremden etwas hervor, was nur panische Furcht genannt werden kann, und diese können keinen irgendwie gearteten Grund für ihren Abscheu, der sich manchmal fast zu zeitweiligem Wahnsinn steigert, angeben. Die herrschende Leidenschaft ist in jedem Fall die, der Menschheit zu helfen. Beide zeigen Don Quichotische Geringschätzigkeit gegenüber ihrem persönlichen Eigentum und gar Wohlergehen, dennoch zeigen beide Liebe an Luxus und Pracht. Beide sind stolz wie Satan.
7. Als Aleister Crowley Frater OI MH wurde und seine Thesis für den Grad des Adeptus Exemptus zu schreiben hatte, hatte er schon seine Ideen gesammelt, als ihm Levis La "Clef des Grands Mystères" in die Hände fiel. Es war bemerkenswert, daß er, der Levi viele Jahre lang bewunderte und sogar begann, die Identität zu ahnen, sich nicht bemüht hatte, dieses besondere Werk zu bekommen (obgleich er ein extravaganter Buchkäufer war). Er stellte zu seinem Erstaunen, daß fast alles, was er selbst zu sagen beabsichtigt hatte, dort geschrieben stand. Das Resultat davon war, daß er es aufgab, seine ursprüngliche Arbeit zu schreiben, und statt dessen das infragestehende Meisterstück übersetzte.
8. Der Stil der zwei Menschen ist auf zahlreichen subtilen und tiefgründigen Wegen auffallend ähnlich. Die allgemeine Ansicht ist fast identisch. Die Qualität der Ironie ist die gleiche. Beide haben ein perverses Vergnügen daran, mit dem Leser praktische Späße zu
treiben. In einem Punkt ist ihre Identität über allem absolut - es gibt keinen dritten Namen in der Literatur, welcher in die gleiche Klasse gesetzt werden kann. Die Sache ist die: In einem einzigen Satz sind Sublimität und Enthusiasmus mit bitterem Hohn, Skeptizismus, Grobheit
und Verachtung vereint. Es ist offensichtlich die höchste Freude, eine Seite anzuschlagen, welche aus so vielen widerstreitenden Elementen wie möglich zusammengesetzt ist. Die Freude scheint aus der Verehrung gegenüber dem Gefühl der Kraft, der Kraft, jedes mögliche Element des Denkens zu zwingen, zu dem Spasmus beizutragen, abgeleitet.Wäre die Theorie der Reinkarnation allgemein akzeptiert, so würden die obigen
Erwägungen ein starkes Fallbeispiel ausmachen. FRATER PERDURABO war in einem Teil seines Bewußtseins von dieser Identität recht überzeugt, lange bevor er irgendwelche aktuellen Erinnerungen wie solche daran hatte.


II
Wenn man keine Arbeitsgrundlage dieser Art hat, mit der man beginnen kann, muß man so gut wie man kann nach den oben angegebenen Methoden in seinem Leben zurückgehen.
Es mag von Hilfe sein, ein paar charakteristische Eigenschaften eines echten magischen Gedächtnisses anzugeben; um einige Quellen des Irrtums zu erwähnen und kritische Regeln für die Verifikation der eigenen Ergebnisse festzulegen.
Die erste große Gefahr ergibt sich aus der Eitelkeit. Man muß sich immer davor hüten, sich daran "zu erinnern", daß man Cleopatra oder Shakespeare gewesen sei.
Noch einmal, oberflächliche Ähnlichkeiten sind gewöhnlich irreführend.
Eine der großen Proben für die Echtheit irgendeiner Rückerinnerung ist, daß man sich an die wirklich wichtigen Dinge in seinem Leben erinnert, und nicht an jene, welche die Menschheit gewöhnlich als solche klassifiziert. Zum Beispiel erinnert sich Aleister Crowley nicht an irgendeine der entscheidenden Gegebenheiten im Leben von Eliphas Levi. Er entsinnt sich aber intimer Alltäglichkeiten aus der Kindheit. Er hat eine lebhafte Rückerinnerung an bestimmte spirituelle Krisen; insbesondere an eine, die er durchmachte, während er auf einer einsamen Wegstrecke in flacher, öder Gegend auf und ab ging. Er erinnert sich an lächerliche Begebenheiten, solche, wie sie oft beim Abendessen stattfinden, wenn die Unterhaltung eine Wendung nimmt, so daß ihre Heiterkeit irgendwie an der Seele rührt und man eine unaussprechliche Offenbarung erhält, die aber doch ganz untergeordnet ist. Er hat seine Heirat und ihre traurigen Folgen vergessen, obgleich man denken sollte, daß das Plagiat, welches das Schicksal schamlos in seinem jetzigen Leben geschehen ließ, naturgemäß diese Wunde von neuem aufreißen würde.
Da ist ein Gefühl, das uns intuitiv überzeugt, wenn wir einer Spur sehr nahe kommen. Da ist eine Seltsamkeit mit der Erinnerung verbunden, was uns irgendwie verärgert. Es vermittelt ein Gefühl von Scham und Schuld. Man ist geneigt zu erröten. Man kommt sich dabei wie ein Schuljunge vor, den man auf frischer Tat dabei ertappt hat, daß er Gedichte verfaßt. Es ist dasselbe Gefühl wie das, was einen überfällt, wenn man eine verblaßte Fotografie oder eine zwanzig Jahre alte Haarlocke unter allem möglichen Plunder in irgendeinem vergessenen Schrank findet. Dabei ist dieses Gefühl ganz unabhängig davon, ob das, woran man sich erinnert, eine Quelle der Freude oder des Schmerzes war. Kann es sein, daß wir den Gedanken an unseren "früheren Zustand der Knechtschaft" unangenehm empfinden?
Wir wollen die Vergangenheit vergessen, mögen wir auch noch so viel Gründe haben stolz auf sie zu sein. Es ist gut bekannt, daß viele Menschen in Gegenwart eines Affen in
Verlegenheit geraten. Wenn dieser "Gesichtsverlust" nicht eintritt, mißtraue der Richtigkeit der Einzelheit, die du erinnerst. Die einzigen zuverlässigen Rückerinnerungen, die sich mit Klarheit einstellen, sind unweigerlich damit verbunden, was die Menschen eine Katastrophe nennen. Statt des Gefühls, bei einem Versehen erwischt worden zu sein, hat man das, am Tore vergessen worden zu sein. Man hat die verstohlene Befriedigung, eine ungeheuerliche Dummheit begangen zu haben und mit heiler Haut davongekommen zu sein. Sieht man das Leben in dieser Sichtweise, ist es eine ungeheure Erleichterung zu entdecken, daß Dinge, wie Bankrott, Heirat und der Galgen nichts besonderes zu bedeuten haben. Es waren nur Vorkommnisse, wie sie jedem passieren können; sie hatten keinen wirklichen Einfluß auf
den Kernpunkt. Als Folge davon empfindet man die Erinnerung daran, daß einem die Ohren abgeschnitten wurden, als einen glücklichen Ausgang, den die Sache doch noch genommen hatte, während ein zufällig hingeworfener Scherz eines betrunkenen Zechgenossen in einem
Nachtcafe, einem so brennende Scham verursacht, wie dem Parvenu, dem gegenüber ein höflicher Fremder ahnungslos "das Pfandhaus" erwähnt hat.
Das Zeugnis der Intuitionen jedoch ist, wie auch immer, streng subjektiv und schreit nach Deckung durch Sicherheiten. Es wäre ein großer Irrtum, zu viel zu verlangen. Infolge des eigenartigen Charakters der Erinnerungen, die man unter dem Mikroskop hat, läßt alles in Form von greifbaren Bestätigungen beinahe Meineid vermuten. Ein Pathologe würde sich verdächtig machen, sagte er, daß seine Bazillen auf der Glasplatte sich so angeordnet hätten, daß das Wort Staphylococcus herauskäme. Wir mißtrauen der Anordnung von Blumen, die uns sagt: "Das Leben ist des Lebens wert, in Detroit, Michigan." Nehmen wir an, daß sich Aleister Crowley erinnert, daß er Sir Edward Kelly war. Daraus folgt nicht, daß er in der Lage sein wird, uns Einzelheiten über das Krakau der Zeit Jakobs I von England zu geben.
Materielle Hergänge sind die Worte einer willkürlichen Sprache; die Symbole einer vorher beschlossenen Chiffre. Was Kelly in Krakau widerfahren ist, kann wohl für ihn selbst eine Bedeutung gehabt haben, aber es ist kein Grund dafür da, anzunehmen, daß es für seinen Nachfolger irgendeine Bedeutung hat.
Es gibt eine klare Linie der Kritik bezüglich jeglicher Rückerinnerung. Sie darf nicht zu gesicherten Tatsachen im Gegensatz stehen. Zum Beispiel - man kann nicht zwei Leben haben, die sich überlappen, wenn nicht Grund zu der Annahme vorhanden ist, daß der frühere spirituell starb, ehe sein Körper zu atmen aufhörte. Das könnte in bestimmten
Fällen, bei solchen wie Wahnsinn, vorkommen.
Es ist kein Gegenbeweis gegen eine frühere Inkarnation, daß die jetzige minderwertiger
ist als die vergangene. Jemandes Leben kann die vollen Möglichkeiten eines bestimmten Teil-Karma darstellen. Man mag vielleicht seine Inkarnation dem unterworfen haben, die Verpflichtungen eines Teils seines früheren Karma abzutragen. Zum Beispiel mag man eine
Lebenszeit der Aufgabe widmen, die Rechnung zu begleichen, die Napoleon durch die Verursachung unnötigen Leides auflaufen ließ, in der Absicht, neu und ohne Schulden in einem Leben anzufangen, das dazu bestimmt ist, den Lohn des Korsen für die unschätzbaren Dienste zu ernten, die er der Rasse geleistet hat.Der Meister Therion erinnert sich tatsächlich an mehrere Verkörperungen von Elend,
voll Qual und Demütigung, fast ohne irgendeinen Ausgleich, die er freiwillig auf sich genom-
men hatte, damit er sein Werk, unbehindert durch spirituelle Gläubiger, nachher wieder aufnehmen könne.
Dieses sind Stigmata. Durch ihre Übereinstimmung mit den in der Gegenwart wirklich beobachteten Tatsachen wird der Erinnerung der Stempel der Echtheit aufgedrückt. Diese Übereinstimmung mag von zweierlei Art sein. Es kommt selten vor (und es ist auch aus den
oben genannten Gründen unwichtig), daß unser Gedächtnis von dem bestätigt wird, was man geringschätzig äußeres Zeugnis nennen mag. Es war allerdings ein bemerkenswerter Beitrag zur Psychologie, als man beobachtete, wie ein böses und ehebrecherisches Geschlecht nach einem Zeichen verlangte.
(Selbst so besteht der dauernde Wert der Beobachtung darin, daß man die Spur der Genealogie der Pharisäer verfolgt - von Caiaphas bis zum modernen Christen.)
Zeichen führen in die Irre, von "schmerzloser Zahnbehandlung" aufwärts. Die Tatsache, daß irgendetwas verständlich ist, beweist, daß es an die falsche Adresse gerichtet ist, weil schon die bloße Existenz der Sprache von vornherein die Unfähigkeit voraussetzt, direkt zu kommunizieren. Als Walter Raleigh seinen Mantel auf die schmutzige Straße warf, drückte er lediglich in einer Geheimschrift, die durch eine Verkettung von Umständen möglich geworden war, seinen sonst unaussprechlichen Wunsch aus, mit der Königin Elisabeth auf gutem Fuße zu stehen. Die Bedeutsamkeit seiner Handlungsweise wurde durch das Zusammenwirken von Umständen bestimmt. Die Wirklichkeit kann indessen keinen Grund haben, sich ausschließlich in dieser besonderen Form darzustellen. Sie kann keinen Grund haben, sich daran zu erinnern, daß ein solch überspanntes Ritual für die Verehrung gerade notwendig war. Daher, wie auch immer deutlich sich ein Mensch an seine Inkarnation als Julius Cäsar erinnern mag, gibt es keine Notwendigkeit, daß er alles auf Todesgefahr setzt, indem er den Rubikon imaginiert, um seine Kraft darzustellen. Jeder spirituelle Zustand kann durch eine unendliche Mannigfaltigkeit von Handlungen in einer unendlichen Mannigfaltigkeit von Verhältnissen symbolisiert werden. Man sollte sich nur solcher Ereignisse erinnern, die unmittelbar mit seinen besonderen Neigungen zusammenhängen, sich ein Ding lieber als ein anderes vorzustellen.
Echte Rückerinnerungen erklären sich beinahe unveränderlich aus sich selbst. Nehmen wir zum Beispiel an, daß man gegen eine bestimmte Sorte Weines eine instinktive Abneigung hat. Versuche, was du willst, du kannst keinen Grund für deine Idiosynkrasie finden. Nimm nun an, daß du dich bei der Erforschung früherer Inkarnation daran erinnerst, an einem Gift gestorben zu sein, daß einem Wein dieser Sorte beigemengt war, so erklärt sich deine Abneigung durch das Sprichwort "Ein gebranntes Kind scheut das Feuer".
Es mag dem entgegengestellt werden, daß in einem derartigen Fall unsere Libido ein Phantasma von sich geschaffen hat, auf die Weise, die Freud erklärt hat. Diese Kritik ist gerechtfertigt, aber ihr Wert schwindet, wenn es sich ereignet, daß du von ihrem Vorhandensein nichts gewußt hattest, bis dein magisches Gedächtnis deine Aufmerksamkeit darauf lenkte. Tatsächlich besteht die Essenz der Probe in diesem: daß dein Gedächtnis dich auf etwas aufmerksam macht, was die logische Konklusion der Prämissen ist, die die Vergangenheit postuliert.
Als ein Beispiel können wir gewisse Erinnerungen von Meister Therion zitieren. Er folgte einem Gedankengang, der ihn dahin führte, sich an sein Leben als ein Römer namens Marius de Aquila zu erinnern. Man würde der Wahrscheinlichkeit Gewalt antun, wollte man eine Verbindung zwischen (a) dieser hieroglyphisch aufgezeichneten Art der Selbstanalyse und (b) gewöhnlicher Introspektion annehmen, die nach ihm verständlichen Grundsätzen durchgeführt wurde. Er erinnert sich direkt an verschiedene Leute und verschiedene Ereignisse, die mit dieser Inkarnation verknüpft waren, und sie sind in sich allem Anschein nach wirklich. Er kann keinen Grund finden, warum gerade sie und nicht andere, in seine Sphäre gekommen sein sollten. Im Akt seiner Erinnerung an sie sind sie absolut. Er kann keinen Grund dafür finden, sie mit irgendetwas aus der Gegenwart in Verbindung zu setzen.
Aber eine folgende Untersuchung der Aufzeichnungen zeigt, daß die logischen Folgen der Arbeit des Marius de Aquila gar nicht auf diesen romantischen Schuft zukamen; tatsächlich starb er, ehe sich überhaupt etwas ereignen konnte. Können wir annehmen, daß irgendeine Ursache um ihre Wirkung gebracht werden könnte? Das Universum ist eine einstimmige Widerlegung dessen. Wenn also genau die Wirkungen, die man als Ergebnis dieser Ursachen erwarten dürfte, sich in der Laufbahn von Meister Therion manifestiert haben, ist es sicherlich die einfachste und vernünftigste Erklärung, eine Identität zwischen den beiden
Menschen anzunehmen. Niemand ist schockiert, wenn er beobachtet, daß die Ambitionen Napoleons die durchschnittliche Statur der Franzosen vermindert hat. Wir wissen, daß auf die eine oder andere Art jede Kraft ihre Erfüllung finden muß; und die Leute, die diese Tatsache erfaßt haben, daß äußere Ereignisse nur Symptome für Ideen sind, können keine Schwierigkeit darin finden, die Korrespondenzen des einen den Identitäten des anderen zuzurechnen.
Liege es jedem Verteidiger der Magie fern, auf den objektiven Wert dieser Verkettungen Gewicht zu legen! Es wäre kindisch, sich an den Glauben zu klammern, Marius de Aquila habe wirklich existiert; das ist von ebenso geringem Wert, als es für den Mathematiker belanglos ist, ob der Gebrauch des Symbol X22 die Wirklichkeit von 22 Dimensionen einbegreift. Dem Meister Therion ist es ebenso gleichgültig, wie ein Fetzen der gestrigen Zeitung, ob er Marius de Aquila war, oder ob eine solche Person überhaupt gelebt hat, oder ob das Universum selbst mehr ist als ein wirrer Alptraum, den seine eigene Unvorsichtigkeit aus Rum und Wasser geschaffen hat. Seine Erinnerung an Marius de Aquila, an die Abenteuer dieser Person in Rom und im Schwarzwald, ist für ihn ebenso bedeutungslos wie für irgendjemand anderen. Was etwas bedeutet, ist dies: Wahr oder falsch, er hat eine
symbolische Form gefunden, die ihn befähigte, sich auf das vorteilhafteste zu regulieren.
"Quantum nobis prodest haec fabula Christi!" Die "Falschheit" der Fabeln Aesops macht ihren Wert für die Menschheit nicht geringer.
Die obige Beschränkung des magischen Gedächtnisses auf einen Plan, die innere Weisheit zu veräußerlichen, braucht nicht als skeptisch angesehen zu werden, als letzte Zuflucht. Keine wissenschaftliche Hypothese kann stärkere Beweise für ihre Glaubhaftigkeit anführen, als die Bestätigungen ihrer Vorhersagen durch experimentelle Evidenz. Das
Objektive kann, wenn nötig, immer in subjektiven Symbolen ausgedrückt werden. Die Kontroverse ist letzten Endes bedeutungslos. Wie auch immer wir die Evidenz interpretieren mögen, ihre relative Wahrheit hängt doch von dem inneren Zusammenhang ab. Daher
können wir sagen, daß jede magische Rückerinnerung echt ist, wenn sie eine Erklärung für unsere äußeren oder inneren Zustände liefert. Alles, was Licht auf das Universum wirft, alles, was uns uns selbst enthüllt, sollte man in dieser Welt voller Rätsel willkommen heißen.
So sich unsere Aufzeichnung in die Vergangenheit erstreckt, häufen sich die Evidenzen für ihre Wahrheit. Jede Inkarnation, an die wir uns erinnern können, muß unser Verständnis für uns, wie wir sind, erweitern. Jeder Zuwachs an Wissen muß mit unfehlbarer Genauigkeit die Lösung irgendeines Rätsels andeuten, das uns von der Sphinx unseres eigenen
unbekannten Geburtsortes, Theben, vorgelegt wird. Die komplizierte Situation, in der wir uns befinden, ist aus Elementen zusammengesetzt; und kein Element davon entsprang aus Nichts. Newtons Erstes Gesetz ist auf jede Ebene des Denkens anwendbar. Die Theorie der Evolution ist omniform. Da ist ein Grund in der Vergangenheit für jemandes Veranlagung zu Gicht oder die für Form seines Ohres. Die Symbolik mag sich ändern; die Tatsachen nicht.
In einer oder der anderen Art ist alles, was existiert, von einer früheren Manifestation abgeleitet. Glaub, wenn du willst, daß die Erinnerungen an andere Inkarnationen Träume sind; aber Träume werden ebenso durch die Realität bestimmt wie die Ereignisse des Tages.
Die Wahrheit muß durch die richtige Übersetzung der symbolischen Sprache erfaßt werden.
Der letzte Teil des Eides eines Magister Templi lautet: "Ich schwöre, jedes Phänomen als eine besondere Beschäftigung Gottes mit meiner Seele zu interpretieren." Das magische Gedächtnis ist (in der letzten Analyse) eine Art, und, wie die Erfahrung bestätigt, eine der wichtigsten Arten, diesen Eid zu erfüllen.

 

Kapitel VIII


Vom Äquilibrium und von der allgemeinen und besonderen
Methode der Herstellung der Einrichtung des
Tempels und der Werkzeuge der Kunst.

 


I
"Ehe das Gleichgewicht war, schaute das Antlitz nicht das Antlitz." So sagt das Heiligste der Bücher der Alten Qabalah. (Siphra Tzeniutha I, 2). Das eine Antlitz, von dem hier gesprochen wird, ist der Makrokosmos, das andere der Mikrokosmos.
Wie oben gesagt, besteht der Zweck jeger magickschen Zeremonie darin, den Makrokosmos mit dem Mikrokosmos zu vereinigen.
Es ist wie in der Optik; die Einfall- und Ausfallwinkel sind gleich. Du mußt deinen Makrokosmos und deinen Mikrokosmos genau ins Gleichgewicht bringen, vertikal und horizontal, oder die Bilder werden nicht übereinstimmen.
Dieses Gleichgewicht wird von dem Magier im Arrangement seines Tempels befestigt.
Nichts darf einseitig sein. Wenn du etwas im Norden hast, so mußt du etwas ihm Gleiches und Entgegengesetztes in den Süden stellen. Die Wichtigkeit dessen ist so groß und die Wahrheit dessen so augenscheinlich, daß niemand mit der mittelmäßigsten Veranlagung
für Magick auch nur einen Augenblick lang einen unausgeglichenen Gegenstand dulden kann. Sein Instinkt revoltiert sofort dagegen. Aus diesem Grunde werden die Waffen, der Kreis und der Magus, alle sorgfältig in das richtige Verhältnis gebracht. Es geht nicht, daß
man einen Kelch von der Größe eines Fingerhutes hat und einen Stab wie ein Weberbaum. Weiterhin muß die Anordnung der Waffen auf dem Altar derart sein, daß sie ausgeglichen aussehen. Der Magier sollte auch kein unausgeglichenes Schmuckstück haben. Hält er den Stab in der rechten Hand, sollte er den Ring an der linken tragen, oder er kann auch das Ankh oder die Glocke oder den Kelch nehmen. Und bewegt er sich auch noch so wenig nach rechts, so gleiche er das durch eine entsprechende Bewegung nach links aus; oder wenn vorwärts, rückwärts; und laß ihn jede Idee korregieren, indem er den darin
enthaltenen Widerspruch einbegreift. Wenn er Strenge anruft, laß ihn berichten, daß Strenge das Werkzeug der Gnade ist; wenn Stabilität, laß ihn zeigen, daß die Basis für diese Stabilität beständiger Wechsel ist, gerade so, wie die Stabilität eines Moleküls durch die Triebkraft der darin enthaltenen schnellen Atome gesichert wird.
Auf diese Weise lasse jede Idee als ein Dreieck auf Basis zweier Gegensätze hervorgehen, eine Spitze formend, die ihre Widersprüche in eine höhere Harmonie transzendiert.

Es ist nicht sicher in der Magick irgendein Denken anzuwenden, wenn dieses Denken
nicht auf solche Weise ins Äquilibrium gebracht und zerstört worden ist.
Genauso ist es wiederum mit den Instrumenten selbst; der Stab muß bereit sein, sich in eine Schlange zu verwandeln, das Pantakel in eine wirbelnde Swastika oder den Diskus des Zeus, wie um die Funktionen des Schwertes zu erfüllen. Das Kreuz ist sowohl der Tod des
"Erlösers" wie auch das phallische Symbol der Auferstehung. Der Wille selbst muß bereit sein, seinen Höhepunkt im Aufgeben dieses Willen zu erreichen: Der Pfeil des Strebens, der nach der Heiligen Taube geschossen wird, muß sich in die verwunderte Jungfrau
verwandeln, die in ihrem Schoß das erweckende Leben desselben Geistes Gottes empfängt.
Jede Idee, die derart in sich positiv und negativ, aktiv und passiv, männlich und weiblich ist, ist geeignet, über dem Abyss zu bestehen; jede Idee, die nicht so ins Gleichgewicht gebracht wurde, ist unterhalb des Abyss, enthält in sich eine ungemilderte Dualität oder Falschheit und ist in diesem Ausmaße qliphotisch und gefährlich. Sogar eine Idee wie "Wahrheit" ist unsicher, bis man realisiert hat, daß alle Wahrheit in gewissem Sinne eine Unwahrheit ist. Denn alle Wahrheit ist relativ, und hält man sie für absolut, führt sie in die Irre. "Das Buch der Lügen, fälschlich so genannt" (Liber 333) verdient in dieser Hinsicht ein genaues und sorgfältiges Studium. Der Leser sollte auch Konx Om Pax
konsultieren, "Einleitung" und "Thien Tao" in derselben Ausgabe.
All dies muß in den Worten des Rituals selbst ausgedrückt und symbolisiert in jeder Handlung durchgeführt werden.


II
In den alten Büchern über Magick wird gesagt, daß alles, was der Magier gebraucht, "jungfräulich" sein muß. Das heißt: Es darf noch nie von einer anderen Person oder für irgendeinen anderen Zweck benutzt worden sein. Die Adepten der alten Zeiten maßen dem die größte Wichtigkeit bei, und das machte die Aufgabe des Magiers zu keiner leichten. Er brauchte einen Stab; und um ihn zu schneiden und herzurichten, mußte er ein Messer haben. Es war aber nicht ausreichend, einfach ein neues Messer zu kaufen; er fühlte, daß er es selbst anfertigen mußte. Um das Messer zu machen, würde er hundert andere Dinge
benötigen, und die Anschaffung jedes einzelnen konnte noch einmal hundert andere Dinge erforderlich machen; und so fort. Dies zeigt die Unmöglichkeit, sich aus seiner Umgebung zu entwirren. Selbst in der Magick können wir ohne die Hilfe anderer nicht vorwärts
kommen.
Es gab jedoch noch einen anderen Zweck in dieser Empfehlung. Je mehr Mühe und Schwierigkeit einem die Waffen gemacht haben, als desto nützlicher wird man sie empfinden. "Wenn du willst, das ein Ding gut getan ist, so mache es selbst." Es wäre ganz zwecklos, dieses Buch in ein Spezialgeschäft zu tragen und dort einen Tempel nach genau
diesen Angaben zu bestellen. Es lohnt sich tatsächlich, daß der Student, der ein Schwert braucht, hingeht und Eisenerz aus der Erde gräbt und es eigenhändig mit Holzkohle schmilzt, um die Waffe mit eigener Hand zu schmieden: Und sogar die Mühe auf sich zu nehmen, das Vitriol-Öl, mit es dem graviert wird, zu synthetisieren. Bei diesem Versuch, ein
wirklich jungfräuliches Schwert zu schmieden, wird er eine Menge nützlicher Dinge gelernt haben; er wird verstehen, wie eins vom anderen abhängt; er wird beginnen, die Bedeutung der Worte von der "Harmonie des Universums" zu schätzen, die von den gewöhnlichen Verfechtern der Natur oft so dumm und so oberflächlich verwendet werden, und er wird
auch das wahre Wirken des Gesetzes des Karma wahrnehmen.
Eine andere beachtenswerte Vorschrift der Alten Magick war, daß alles, was zur Arbeit gehörte, einzeln sein sollte. Der Stab sollte mit einem einzigen Schnitt des Messers geschnitten werden. Es war kein Zögern und kein Herumhacken an den Dingen erlaubt, keine Ungeschicklichkeit und keine Unschlüssigkeit. Wenn du überhaupt schlägst, schlage
mit aller Kraft! "Was immer deine Hand zu tun findet, tu es mit deiner ganzen Kraft!" Willst du mit Magie anfangen, schließe keine Kompromisse. Du kannst keine Revolutionen mit Rosenwasser machen oder in einem Frack einen Ringen. Du wirst sehr bald merken, daß du
entweder den Hut aufgeben oder den Ringkampf einstellen mußt. Die meisten Leute tun beides. Sie fangen den magischen Pfad ohne genügende Überlegung an, ohne die diamantharte Entschlossenheit, die den Autor dieses Buches beim Ablegen seines ersten Eides ausrufen ließ: "PERDURABO" - "Ich werde bis zum Ende aushalten!" Sie machen sich in großer Eile auf den Weg und stellen dann fest, daß ihre Stiefel mit Schlamm bedeckt sind. Anstatt auszuhalten, gehen sie nach Picadilly zurück. Solche Leute haben es sich selbst zuzuschreiben, wenn sogar die Gassenjungen sie verspotten.

Eine weitere Empfehlung war dies: Kaufe alles, was notwendig sein mag, ohne zu feilschen!
Du mußt nicht versuchen, zwischen den Werten unmeßbarer Dinge, ein Verhältnis herzustellen. Das geringste der magischen Werkzeuge, ist viel mehr wert, als alles, was du besitzt, oder, wenn du so willst, alles, von dem du dummerweise annimmst, daß du es besitzt. Brich diese Regel, und die gewöhnliche Nemesis der Halbherzigkeit erwartet dich.

Nicht nur erhältst du minderwertige Werkzeuge, sondern du verlierst auch auf andere Art
das, was du so klug zu ersparen geglaubt hattest. Denke an Ananias!
Wenn du andererseits kaufst, ohne zu feilschen, wirst du feststellen, daß der Verkäufer den Geldbeutel des Fortunatus zu deinem Einkauf hinzugeworfen hat. Ganz gleich, in welcher Not du sein magst, im letzten Augenblick werden deine Schwierigkeiten gelöst sein. Denn es gibt keine Kraft, weder des Firmaments noch des Äthers, weder auf der Erde noch unter der Erde, auf trockenem Land oder im Wasser, der wirbelnden Luft oder des rasenden Feuers, noch irgendein Zauber oder eine Geißel Gottes, die nicht der Notwendigkeit des Magiers gehorcht! Das, was er hat, hat er nicht; aber das, was er ist, ist er; und das, was er sein wird, wird er sein. Und weder Gott noch Mensch, noch all die Bosheit Choronzons, können ihn aufhalten oder auch nur einen Augenblick auf dem Pfad schwanken lassen. Dieser Befehl und dieses Versprechen sind von allen Magi ohne Ausnahme gegeben worden. Und wo diesem Befehl gehorcht wurde, ist das Versprechen ganz bestimmt erfüllt worden.


III
In allen Handlungen sind dieselben Formulae anwendbar. Um einen Gott anzurufen, d.h. sich zu dieser Gottheit zu erheben, ist der Vorgang

dreifach, REINIGUNG, WEIHUNG und INITIATION.
Deshalb muß jede magische Waffe, und sogar die Geräte des Tempels, durch dieses dreifache Regim hindurchgegangen sein. Die Details weichen nur in unwesentlichen Punkten voneinander ab. Der Magier reinigt sich beispielsweise, um sich vorzubereiten, indem er keusch bleibt und sich aller Verunreinigungen enthält. Aber um dasselbe beispielsweise mit dem Kelch zu tun, versichern wir uns, daß das Metall niemals zu einem anderen Zwecke gebraucht worden ist - wir schmelzen das jungfräuliche Erz und geben uns alle erdenkliche Mühe, um das Metall zu verfeinern - es muß chemisch rein sein.
Um diese ganze Angelegenheit in einem Satz zusammenzufassen, jeder verwendete Gegenstand wird behandelt, als wäre er ein Kandidat für die Initiation; aber in jenen Teilen des Rituals, in denen dem Kandidaten die Augen verbunden werden, wickeln wir die Waffe in ein schwarzes Tuch . Den Eid, den er ablegt, wird durch eine "feierliche Anrede" in
ähnlichen Ausdrücken ersetzt. Die Einzelheiten der Herstellung jeder Waffe sollten von dem Magier sorgfältig durchdacht werden.
Ferner sollte die Haltung des Magier seinen Waffen gegenüber die des Gottes gegenüber dem Bittenden sein, der ihn anruft. Sie sollte die Liebe des Vaters für sein Kind, die Zärtlichkeit und Sorgfalt des Bräutigams für seine Braut und das besondere Gefühl ausdrücken, das der Schöpfer jedes Kunstwerkes für sein Meisterstück empfindet.
Wo dies klar verstanden wird, wird es der Magier nicht schwer finden, das geeignete Ritual zu beachten, nicht nur bei der tatsächlichen zeremoniellen Weihung jeder Waffe, sondern bei der Herstellung selbst, einem Prozeß, der eine Vorahnung von dieser Zeremonie vermitteln sollte; z.B. wird der Magier den Stab vom Baume schneiden, er streift
die Blätter und Äste herunter und schält die Rinde ab. Er macht die Enden sauber und glättet die Knoten: - dies ist das Bannen.
Dann reibt er ihn mit dem geweihten Öl ein, bis er glatt, glänzend und golden sein wird.

Darauf hüllt er ihn in Seide von geeigneter Farbe: - dies ist die Weihung.
Dann wird er ihn nehmen und sich vorstellen, daß er das hohle Rohr ist, in dem
Prometheus das Feuer vom Himmel herab brachte, in dem er für sich das hindurchgehen des heiligen Einflusses formuliert. In dieser oder einer anderen Art wird er die Initiation vollziehen, und wenn sie vollbracht ist, wird er den ganzen Vorgang in einer sorgfältig ausgearbeiteten Zeremonie wiederholen .
Um einen ganz anderen Fall zu nehmen, den des Kreises; der Magier stellt das erforderliche Zinnober durch die Verbindung von Quecksilber und Schwefel her, die er selbst sublimiert hat. Dieses reine Zinnober wird er mit dem geweihtem Öl mischen und beim Gebrauch dieser Farbe wird er seine Gedanken aufmerksam und andächtig auf die
Symbole richten, die er zeichnet. Dieser Kreis kann durch Umschreiten desselben initiiert werden, wobei der Magier die Namen der Götter anruft, die darauf stehen.

Jeder, der nicht genügend Scharfsinn besitzt, um geeignete Methoden der Herstellung
für die übrigen erforderlichen Gegenstände zu ersinnen, wird wahrscheinlich keinen besonderen Magier abgeben, und wir verschwenden nur Raum, wenn wir die Herstellung jedes Werkzeugs im einzelnen behandeln.
Es gibt im Liber A vel Armorum im Equinox, Vol. I, No. 4, eine genaue Anweisung für die Lampe und die vier Elementarwaffen.

 

Kapitel IX

 


Von Stille und Verschwiegenheit:
und von
den barbarischen Namen der Evokation

 


Durch Erfahrung stellt man fest (in Bestätigung der Behauptung von Zoroaster), daß die wirksamsten Beschwörungen diejenigen in einer alten und vielleicht vergessenen Sprache sind, oder sogar solche, die in einen verfälschten und vielleicht sinnlosen Jargon gekleidet sind. Hiervon gibt es mehrere Haupttypen. Die "einleitende Invokation" in der "Goetia" besteht in der Hauptsache aus Verdrehungen von griechischen und ägyptischen Namen.
Beispielsweise finden wir "Osorronnophris" für "Asar Un-Nefer". Die von Dr. Dee angegebenen Beschwörungen (siehe Equinox I, 8) sind in einer Sprache verfaßt, die Engelssprache oder Henochisch genannt wird. Ihren Ursprung zu erforschen, ist bisher nicht
gelungen, aber es ist eine Sprache und kein Jargon, denn sie besitzt eine eigene Struktur, und es finden sich auch Spuren von Grammatik und Syntax darin. Wie auch immer, sie wirkt. Sogar der Anfänger findet, daß "Dinge geschehen", wenn er sie gebraucht, und das ist ein Vorteil - oder Nachteil! - den kein anderer Typus der Sprache hat. Das übrige verlangt Geschicklichkeit. Diese verlangt Vorsicht!
Die ägyptischen Anrufungen sind viel reiner, aber ihre Bedeutung ist von magisch kompetenten Personen noch nicht genügend studiert worden. Wir besitzen eine Anzahl von Anrufungen in Griechisch von ganz ausgezeichnetem Wert; in Latein nur wenige, und diese von geringerer Qualität. Man wird bemerken, daß in jedem Fall die Beschwörungen sehr klangreich sind und daß es eine magische Stimme gibt, in welcher sie rezitiert werden sollten. Diese besondere Stimme war eine natürliche Gabe des Meister Therion, aber sie kann leicht gelehrt werden - den rechten Leuten.
Mancherlei Erwägungen nötigten ihn, Beschwörungen in der englischen Sprache zu versuchen. Es existierte bereits ein Beispiel dafür, der Hexenzauber in Macbeth; obwohl dieser vielleicht nicht einmal ernst gemeint war, ist doch seine Wirkung nicht anzuzweifeln.
Er hat vierfüßige Jamben gefunden, mit vielen Reimen bereichert, innerlich und äußerlich sehr brauchbar. "Der Zaubererweg" (Equinox I, 1) gibt eine gute Vorstellung von so etwas.
Ebenso die Evokation von Bartzabel in Equinox I, 9. Aber es gibt noch viele Invokationen in all seinen Werken; in vielerlei Versmaßen, von vielerlei Wesensart und für vielerlei Zwecke. (Siehe Appendix).
Andere Methoden der Zauberformeln sind nachweislich ebenso wirksam. Zum Beispiel war Frater I.A., als er ein Kind war, gesagt worden, er könne den Teufel beschwören, indem er das "Vater unser" rückwärts wiederholte. Er ging in den Garten und tat dies. Der Teufel
erschien und erschreckte ihn beinahe zu Tode.
Deshalb kann nicht genau gesagt werden, worin die Wirksamkeit der Beschwörungen eigentlich liegt. Die erforderliche besondere mentale Erregung, kann schon durch das Erkennen der Vernunftwidrigkeit, des Vorgangs geweckt werden und die Ausdauer dabei, wie einmal, als Frater Perdurabo (am Ende seiner magischen Hilfsmittel) "From Greenland's Icy Mountains" rezitierte und sein Resultat erlangte.
Es mag auf jeden Fall zugegeben werden, daß die langen Reihen erfurchteinflößender Worte, die durch so viele Beschwörungen dröhnen und stöhnen, einen wirklichen Effekt haben, indem sie die Bewußtheit des Magiers bis zum passenden Level ausweiten - daß sie dies bewirken, ist nicht außergewöhnlicher, so das Musik irgendwelcher Art es tut.
Magier haben sich nicht auf den Gebrauch der menschlichen Stimme beschränkt. Die Pan-Flöte mit ihren sieben Griffen, die den sieben Planeten entsprechen, die Knarre, das Tam-Tam und sogar die Geige sind gebraucht worden, ebenso wie viele andere, von denen die wichtigste die Glocke ist, obgleich sie nicht so sehr für die eigentliche Beschwörung verwendet wird, wie die Stufen in der Zeremonie zu markieren. Von all diesen wird man das Tam-Tam als von allgemeinstem Nutzen befinden. Da wir gerade bei den barbarischen Namen der Beschwörung sind, sollten wir nicht das Aussprechen gewisser erhabener Worte auslassen, welche (a) die vollständige Formel des angerufenen Gottes oder (b) die ganze Zeremonie enthalten.
Beispiele der ersteren Art sind das Tetragrammaton, I.A.O. und Abrahadabra.
Ein Beispiel für die letztere Art ist das große Wort StiBeTTChePhMeFSHiSS, das eine Linie ist, am Baum des Lebens (koptische Attributionen) auf bestimmte Weise gezogen.
Bei allen solchen Worten ist es von höchster Wichtigkeit, daß sie niemals eher als in dem erhabenen Augenblick ausgesprochen werden dürfen, und selbst dann sollten sie von dem Magier fast widerstrebend ausgestoßen werden - so groß sollte sein Widerstreben sein, sie zu artikulieren. Sie sollten tatsächlich die Äußerung des Gottes in ihm sein, beim ersten Ansturm der göttlichen Inbesitznahme. So ausgesprochen, können sie ihren Effekt nicht verfehlen, denn sie sind selbst der Effekt geworden. Jeder weise Magier wird (entsprechend der Grundsätze der heiligen Qabalah) viele solcher Worte konstruiert haben und sollte die Quintessenz von allen in einem Wort zusammengefaßt haben, welches Wort, wenn es einmal gebildet ist, er nicht einmal in Gedanken bewußt aussprechen sollte, bis er vielleicht damit den Geist aufgibt. Solch ein
Wort sollte tatsächlich so gewaltig sein, daß es der Mensch nicht hören und weiterleben kann.
Ein solches Wort war in der Tat das verlorene Tetragrammaton . Man sagt, daß bei der Äußerung dieses Namens das Universum in Trümmer zerfällt. Laß den Magier ernsthaft dieses verlorene Wort suchen, denn seine Entdeckung und sein Aussprechen ist gleichbedeutend mit der Vervollständigung des Großen Werkes.
Betreffs dieser Wirksamkeit von Worten gibt es wiederum zwei Formulae, methodisch entgegengesetzt. Ein Wort kann durch die Tugend beständiger Wiederholung mächtig und furchtbar werden. Auf diese Weise gewinnen die meisten Religionen an Kraft. Zuerst erregt
die Feststellung "so und so ist Gott" kein Interesse. Fahre fort damit, und du begegnest Verachtung und Zweifel: möglicherweise Verfolgung. Fahre fort und der Glaubensstreit ist soweit erloschen, daß sich niemand mehr die Mühe macht, deinen Behauptungen zu widersprechen.
Kein Aberglaube ist so gefährlich und so lebendig wie ein verworfener Aberglaube. Die Zeitungen von heute (hauptsächlich von Leuten, die keine Ahnung von Religion oder Moral haben, geschrieben und herausgegeben) wagen nicht anzudeuten, daß jemand an den
anscheinend vorherrschenden Kult nicht glaubt; sie bedauern den Atheismus - alle nur universal in der Praxis und implizit in der Theorie praktisch aller intelligenten Menschen - als ob er die Exzentrizität einiger weniger vernachlässigbarer oder abstoßender Personen wäre. Das ist die gewöhnliche Geschichte der Reklame; dem Betrug bietet sich dieselbe Gelegenheit wie dem Wahren. Ausdauer ist die einzige Eigenschaft, die für den Erfolg erforderlich ist.
Die entgegengesetzte Methode ist die der Verschwiegenheit. Eine Idee besteht fort, weil sie nie erwähnt werden darf. Ein Freimaurer vergißt niemals die geheimen Worte, die ihm anvertraut worden sind, obgleich diese Worte meist für ihn ohne Bedeutung sind; der einzige Grund dafür ist, daß man ihm verboten hat, sie zu erwähnen, obwohl sie wieder und
wieder veröffentlicht worden sind und dem Profanen wie auch dem Initiierten zugänglich sind.
In einem solchen Werk der praktischen Magick wie dem Predigen eines neuen Gesetzes, kann man diese Methoden vorteilhaft verbinden; auf der einen Seite unendliche Offenheit und Bereitschaft, alle Geheimnisse mitzuteilen; auf der anderen Seite das erhabene und furchtbare Wissen, daß alle wahren Geheimnisse nicht mitteilbar sind.
Es ist der Tradition entsprechend ein bestimmter Vorteil, in Beschwörungen mehr als eine Sprache zu gebrauchen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Grund dafür der, daß jede Änderung die nachlassende Aufmerksamkeit anspornt. Ein Mensch, der intensive
geistige Arbeit vor sich hat, hält häufig inne und geht im Zimmer auf und ab - wie man für diesen Fall annehmen mag - aber es ist ein Zeichen von Schwäche, daß dies notwendig wird.
Für den Anfänger der Magick ist es jedoch zulässig , wenn er irgendetwas ersinnt, um den Erfolg zu sichern.
Beschwörungen sollten rezitiert, nicht gelesen werden; und die ganze Zeremonie ist so vollkommen auszuführen, daß man sich der Anstrengung des Gedächtnisses kaum bewußt wird. Die Zeremonie sollte mit solch logischer Unabwendbarkeit aufgebaut sein, daß ein
Fehler unmöglich ist. Das bewußte Ego des Magiers muß zerstört werden, muß in das des Gottes aufgehen, den er anruft, und dieser Prozeß sollte nicht mit dem Automaten interferrieren, der die Zeremonie ausführt.
Aber dieses Ego, von dem hier gesprochen wird, ist das wahre ultimate Ego. Der Automat sollte Willen, Energie, Intelligenz, Vernunft und Resourcen besitzen. Dieser Automat sollte weit mehr der vervollständigte Mensch sein, als es irgendein anderer Mensch sein kann.
Nur das göttliche Selbst im Menschen, ein Selbst, das ebenso hoch über dem Besitz von Willen oder überhaupt irgendwelchen Eigenschaften steht, wie der Himmel über der Erde ist, sollte wieder in dem unbegrenzbaren Strahlenglanz aufgehen, von dem es ein Funke
ist.
Die große Schwierigkeit für den einzelnen Magier ist also, sich so zu vervollkommnen, daß diese mannigfaltigen Pflichten des Rituals angemessen erfüllt werden. Als erstes wird er feststellen, daß die Ausweitung das Gedächtnis zerstört und die Muskeln paralysiert. Das ist eine wesentliche Schwierigkeit bei dem magischen Vorgang und kann nur durch Übung und Erfahrung überwunden werden.
Um die Konzentration zu unterstützen und den Zufluß an Energie zu vermehren, ist es bei den Magiern Sitte gewesen, Gehilfen oder Kollegen zu gebrauchen. Zweifelhaft ist es, ob die augenscheinlichen Vorteile dieser Idee ein Ausgleich für die Schwierigkeit sind, sich
passende Personen zu sichern, und für die Möglichkeit eines Willenskonfliktes oder eines Mißverständnisses im Kreise selbst. Bei einer Gelegenheit gehorchte ein Gehilfe nicht den Anweisungen von FRATER PERDURABO; und hätte er nicht so rasch zu dem physischen Zwang des Schwertes gegriffen, so wäre der Kreis wahrscheinlich durchbrochen worden. So endete die Sache sozusagen glücklicherweise mit nichts Ernsterem als der Vernichtung des
Schuldigen. Es besteht jedoch kein Zweifel, daß eine Gruppe von Personen, die harmonisch zusammenarbeiten, viel leichter eine Wirkung hervorbringen kann als ein Magier, der allein arbeitet. Die Psychologie der "Erweckungsversammlungen" dürfte beinahe jedem bekannt sein, und obgleich solche Versammlungen die gemeinsten und entartesten
schwarzmagischen Rituale sind, so werden die Gesetze der Magick dadurch doch nicht aufgehoben. Die Gesetze der Magick sind die Gesetze der Natur.
Ein einzelnes und weltweit bekanntes Beispiel dafür ist noch neu genug, um im Gedächtnis vieler jetzt lebender Menschen gegenwärtig zu sein. Bei einer Negerversammlung in den "Vereinigten" Staaten von Amerika wurden die Andächtigen bis zu einem derartigen Grade von Aufgeregtheit aufgepeitscht, daß die ganze Versammlung
eine wüste Form von Hysterie annahm. Das verhältnismäßig verständliche Geschrei von "Herrlichkeit" und "Halleluja" genügte der Situation nicht mehr. Irgendjemand schrie "Ta-ra-ra-boom-de-ay", und das wurde von der ganzen Versammlung aufgegriffen und unaufhörlich
geschrien, bis die Reaktion eintrat. Die Sache kam in die Zeitung, und irgendein besonders kluger Schüler von John Stuart Mill, dem Logiker und Wirtschaftstheoretiker, meinte, daß, wenn diese Worte eine Sorte Narren verrückt gemacht hätten, so könnten sie dasselbe mit allen anderen Narren in der Welt tun. In der Folge schrieb er ein Lied und erreichte damit das gewünschte Resultat. Das ist in neuerer Zeit das bekannteste Beispiel für die Kraft, die durch einen barbarischen Namen der Evokation ausgeübt wurde.
Ein paar Worte mögen nützlich sein, um den allgemeinen Begriff der Kausalität mit dem der Magick auszusöhnen. Wie können wir sicher sein, daß eine Person, die einen Stock schwingt und ein Geheul ausstößt, dadurch Gewitterstürme produziert? Auf keine andere
Weise, als die wie sie der Wissenschaft vertraut ist; wir bemerken, daß, wenn wir ein brennendes Streichholz an trockenes Schießpulver bringen, ein auf unverständliche Weise willkürliches Phänomen, das des Tons, beobachtet wird; und so fort.
Wir brauchen auf diesen Punkt nicht zu beharren; aber es scheint der Mühe wert, als Beispiel auf einen der Einwände gegen die Möglichkeit der Magick zu antworten, indem wir einen wählen, der schon auf den ersten Blick von "verhängnisvollem" Charakter ist. Es ist passend, wörtlich aus dem Tagebuch eines sehr hervorragenden Magiers und Philosophen zu zitieren.
"Ich habe bemerkt, daß die Wirkung einer magischen Arbeit so dicht darauf folgt, daß sie vor der Zeit der Arbeit angefangen haben muß. Zum Beispiel arbeite ich heute daran, daß X in Paris an mich schreibt. Am nächsten Morgen erhalte ich den Brief, so daß er vor dieser
Arbeit geschrieben sein mußte. Leugnet dies, daß die Arbeit die Ursache hervorgebracht hat?
Wenn ich eine Billiardkugel stoße, und sie bewegt sich, so sind sowohl mein Wille als ihre Bewegung Ursachen zuzuschreiben, die lange vor der Handlung dawaren. Ich kann meine Arbeit und auch ihre Wirkung als Zwillingswirkungen des ewigen Universums sehen. Der bewegte Arm und Kugel sind Teile eines Zustandes des Kosmos, der notgedrungen aus seinem unmittelbar vorhergehenden Zustande hervorging, und so, ewig zurück.
So ist meine magische Arbeit nur eine der Ursachen-Wirkungen, die notwendigerweise gleichzeitig mit den Ursachen-Wirkungen sind, die die Kugel in Bewegung setzen. Daher kann ich die Tätigkeit des Stoßes als eine Ursache-Wirkung meines ursprünglichen Willen ansehen, die Kugel zu bewegen, obwohl natürlich vor ihrer Bewegung. Aber der Fall mit der magischen Arbeit ist nicht ganz analog. Denn meine Natur ist derart, daß ich gezwungen bin, Magick auszuführen, um meinen Willen Oberhand gewinnen zu lassen, so daß die Ursache für mein Wirken auch die Ursache für die Bewegung der Kugel ist, und es liegt
kein Grund vor, warum eines eher da sein sollte als das andere. (vgl. Lewis Carroll, wo die rote Königin schreit, ehe sie sich in den Finger sticht.)
Laß mich die Theorie an einem tatsächlichen Beispiel erläutern.
Ich schreibe aus Italien an demselben Tage an einen Mann in Frankreich und an einen in Australien und sage ihnen, sie möchten zu mir kommen. Beide kommen 10 Tage später an; der Erste als Antwort auf meinen Brief, den er erhielt, der Zweite auf "seine eigene Initiative", wie es scheinen könnte. Aber ich rief ihn, weil ich ihn brauchte, und ich brauchte ihn, weil er mein Stellvertreter war, und seine Intelligenz ließ ihn den Entschluß fassen, zu mir zu kommen, weil sie richtig urteilte, daß die Lage (soweit er sie kannte) so war, daß sie seine Gegenwart wünschenswert machte.
Dieselbe Ursache also, die mich an ihn schreiben ließ, verursachte ihn, zu mir zu kommen; und es wäre unpassend zu sagen, daß das Schreiben des Briefes die direkte Ursache seiner Ankunft war, es ist offensichtlich, daß, hätte ich nicht geschrieben, ich anders gewesen wäre, als ich tatsächlich bin, und aus diesem Grunde wären auch meine Beziehungen zu ihm anders gewesen als sie sind. In diesem Sinne stehen Brief und Reise daher in kausaler Verbindung.
Man kann nicht noch weiter gehen und sagen, daß ich in diesem Falle den Brief schreiben müßte, selbst wenn er angekommen wäre, ehe ich es tat; denn es gehört zu der ganzen Reihe von Umständen, daß ich eine offene Tür nicht mit einem Stemmeisen aufstieß.
Die Schlußfolgerung ist, daß man seinen Willen "ohne Gier nach Ergebnis" tun sollte. Wenn man in Übereinstimmung mit den Gesetzen der eigenen Natur arbeitet, so tut man etwas "recht"; und keine solche Arbeit kann als "nutzlos" betrachtet werden, selbst in Fällen der hier besprochenen Art. Solange unser Wille besteht, gibt es keinen Grund für eine Klage.
Von seiner Magick zu lassen, würde Mangel an Selbstvertrauen in die eigenen Kräfte beweisen und Zweifel an dem eigenen innersten Glauben an das Selbst und an die Natur.
Sicher wechselt man seine Methoden, wie es die Erfahrungen bedingen; aber es ist nicht nötig, sie aus einem der oben genannten Gründe zu ändern.
Ferner enthebt der hier erbrachte Beweis uns der Notwendigkeit, den Modus Operandi der Magie zu erklären. Eine erfolgreiche Operation beinhaltet überhaupt keine Theorie, nicht einmal die von der Existenz der Kausalität selbst. Die ganze Reihe der Phänomene kann als ein einzelnes aufgefaßt werden.
Zum Beispiel, wenn ich einen Stern sehe (wie es einige Jahre zuvor passiert ist) brauche ich keine kausale Beziehung zwischen ihm, der Erde und mir anzunehmen. Die Verbindung ist da; darüberhinaus kann ich nichts behaupten. Ich kann nicht einen Zweck festlegen oder gar die Art und Weise bestimmen, in der das Ereignis eintritt. Ähnlich ist es, wenn ich eine magische Handlung vornehme, vergeblich zu fragen, warum ich das tue und warum das gewünschte Resultat eintritt oder nicht. Ich kann ja auch nicht wissen, in welcher Verbindung die vorhergehenden und nachfolgenden Bedingungen zueinander stehen.
Bestenfalls kann ich das Bewußtsein beschreiben, das ich als Bild der Tatsachen auslege und kann erfahrungsgemäß Verallgemeinerungen der an der Oberfläche liegenden Aspekte des Falles bilden.
So habe ich meine eigenen persönlichen Eindrücke von der Tätigkeit des Telefonierens, aber ich kann nicht wahrnehmen, was Bewußtsein, Elektrizität, Mechanik, Klang usw. in sich wirklich sind. Und obwohl ich mich auf die Erfahrung berufen kann, wenn ich "Gesetze" darüber aufstelle, welche Umstände die Handlung begleiten, kann ich doch nie
sicher sein, daß sie immer identisch gewesen sind oder jemals wieder sein werden. (Tatsächlich ist es sicher, daß ein Ereignis niemals zweimal unter präzise denselben Umständen vorkommen kann.)
Weiter müssen meine "Gesetze" stets beinahe alle wichtigeren Elemente des Wissens als garantiert annehmen. Ich kann nicht sagen - letztendlich - wie ein elektrischer Fluß ausgelöst wird. Ich kann nicht sicher sein, daß nicht irgendeine völlig ungeahnte Kraft in ganz willkürlicher Weise am Werk ist. Beispielsweise nahm man früher an, daß Wasserstoff
und Chlor sich verbänden, wenn man einen elektrischen Funken durch die Lösung schickte, jetzt "wissen" wir, daß die Anwesenheit einer winzig kleinen Menge von Wasserdampf (oder eines tertium quid) wesentlich für die Reaktion ist. Vor den Tagen von Ross formulierten wir die "Gesetze" von Malariafieber, ohne Bezug auf die Moskitos. Eines Tages könnten wir vielleicht entdecken, daß der Keim nur dann wirksam ist, wenn in irgendeinem Nebel gewisse Ereignisse stattfinden oder wenn ein so augenscheinlich schwerfälliger Stoff wie Argon in gewissem Verhältnis in der Luft enthalten ist.
Daher mögen wir ganz fröhlich zugeben, daß Magick so geheimnisvoll ist wie Mathematik, so empirisch wie Poesie, so unsicher wie Golf und ebenso abhängig von der persönlichen Einstellung wie die Liebe.
Das ist kein Grund, warum wir sie nicht studieren, ausüben und uns daran erfreuen sollten, denn sie ist eine Wissenschaft in genau dem gleichen Sinne wie Biologie, sie ist nicht weniger eine Kunst wie die Bildhauerei, und sie ist ebensosehr ein Sport wie Bergsteigen.
Es scheint wirklich keine ungehörige Anmaßung zu sein, wenn man nachdrücklich behauptet, daß keine Wissenschaft die gleichen Möglichkeiten von tiefer und wichtiger Kenntnis bietet; daß keine Kunst solche Gelegenheiten für die Ambition der Seele die Wahrheit auszudrücken bietet, in Ekstase, durch Schönheit; und daß kein Sport ihren Faszinationen von Gefahr und Freude Konkurrenz macht, so erregt, übt und testet sie ihre Anhänger bis zum äußersten, oder so belohnt sie sie mit Wohlbefinden und den leidenschaftlichen Freuden des persönlichen Triumphes. Magick nimmt jeden Gedanken und jede Tat als ihren Apparat; sie hat das Universum als ihre Bibliothek und als ihr Labor; alle Natur ist ihr Gegenstand; und ihr Spiel, frei von Schonzeiten und Schutzmaßnahmen, immer reichlich erfüllt von unendlicher Vielfalt, indem sie alles ist, das existiert."

 



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